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Tipps für den Einkauf von weißem Spargel:Ökologischer Wahnsinn: Welcher Spargel ist vertretbar?

Fast jeder Supermarkt ermöglicht heute Spargelmahlzeiten selbst im tiefsten Winter. Ökologisch gesehen ist dies Unfug. Nach einer Studie der ETH Zürich belastet ein Kilogramm Spargel, der aus Peru eingeflogen wird, die Atmosphäre mit zwölf Kilogramm CO2 und anderen Treibhausgasen. Das ist fast 20 Mal mehr als regional erzeugter Spargel, der mit dem Lkw zum Händler transportiert wird.

Etwas besser ist die Bilanz bei Spargel, der aus Peru mit großen Schiffen importiert wird. Moderne Lagerungsmethoden erlauben solche langen Transporte, obgleich der Spargel Peter Sutor zufolge etwas an Frische einbüßt. Der mit dem Schiff transportierte Spargel schlägt der Schweizer Studie nach mit etwa einem Kilogramm CO2 zu Buche. Dieser Wert ist vergleichbar mit dem von Spargel, der aus südeuropäischen Ländern mit Lkws importiert wird.

Doch der Anbau in südlichen Ländern hat der Untersuchung zufolge ein weiteres Problem: Spargel verbraucht in trockenen Regionen mehr Wasser. Gleichzeitig ist Wasser in den südlichen Ländern ein rareres Gut, hat also dort einen höheren Wert. Setzt man beides in Relation zueinander, ergibt sich für die Wasserbilanz des südeuropäischen Spargels ein deutlich schlechteres Ergebnis als für die Erzeugung in Mitteleuropa.

All diese Daten sprechen für den Kauf von regionalem Spargel. Allerdings gibt es mittlerweile auch in Deutschlands Spargelregionen ökologisch bedenkliche Entwicklungen. Längst hat unter Spargelbauern eine Art Wettrennen eingesetzt. "Der Anfang der Saison erfolgt immer früher, denn für den frühen Spargel können höhere Preise verlangt werden", sagt Bernhard Brückner.

Vorbereitung auf die Spargelernte

Ganze Landschaften liegen heute unter Folie, damit die Spargel früher geerntet werden können.

(Foto: dpa)

Die Felder werden immer stärker mit Folien abgedeckt, um mehr Wärme einzufangen. Erste Bauern haben bereits Heizrohre im Boden verlegt und wärmen das Gemüse von unten. Genaue Ökobilanzen dazu gibt es noch nicht. Doch Brückner schätzt, dass die Umweltbilanz der beheizten Beete nicht so schlimm ist, wie die von eingeflogenen Spargel. "Allzu groß ist die Wärme, die man den Pflanzen von unten zuführt, nicht", sagt er. Die Bilanz dürfte eher der von Lkw-Transporten aus südlichen Ländern entsprechen.

Umweltschützer halten dennoch nichts von der Methode. "Spargel sollte der Jahreszeit entsprechend produziert und gehandelt werden, anstatt die Saison künstlich und mit hohem Energieaufwand vorzuziehen", fordert der BUND. Der Bund Naturschutz in Bayern (BN) hält den Energieaufwand für die Beheizung der Felder für "nicht vertretbar" und spricht von "energiepolitischem Unsinn".

Agrarwissenschaftler Brückner appelliert auch an die Verantwortung der Verbraucher: "Jede Produktion hinterlässt natürlich einen ökologischen Fußabdruck. Wer besonders frühen Spargel kaufen möchte, muss sich darüber im Klaren sein, dass das auch ökologische Auswirkungen hat."

So ist das Fazit beim Spargel klar: Die in jeder Hinsicht beste Ware erhält der Käufer in seiner Region in der von der Natur vorgegebenen Saison.

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