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Tipps für den Einkauf von Rindfleisch:Ist Bio-Fleisch besser als konventionelles Rindfleisch?

Ein weiterer Aspekt, der vielen Kunden in Deutschland nicht bewusst ist: die Herkunft der Futtermittel. Ein Teil einer Bullenmastration besteht aus Sojaschrot und wird aus Lateinamerika, vor allem Brasilien, Argentinien, Paraguay und Bolivien angekauft. "Dieses Sojaschrot ist meist gentechnisch verändert, wurde in Monokultur unter hohem Einsatz von Pestiziden angebaut und hat in den jeweiligen Ländern die Rodung zahlreicher Wälder und die Umwandlung von Grasland zu Ackerland zur Folge", erläutert WWF-Mann Wolter.

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Problem: Für den Verbraucher in Deutschland ist nicht ersichtlich, mit welchen Futtermitteln sein Rind gefüttert wurde. "Wenn das Produkt nicht direkt an den Verbraucher geht, muss es nicht gekennzeichnet werden." Während das Futter, das der Landwirt erhält, also noch markiert ist, fehlt beim Fleisch ein entsprechender Hinweis. Verbraucher, die ausschließen wollen, dass gentechnisch verändertes Futter für die Produktion ihres Rindfleisches verwendet wurde, sollten deshalb auf Fleisch mit dem "Ohne-Gentechnik-Siegel", Neuland- oder Bio-Zertifikat zurückgreifen, rät Wolter.

"Wenn ich konventionell produziertes Rindfleisch im Supermarkt kaufe, muss ich davon ausgehen, dass gentechnisch verändertes Sojaschrot verwendet wurde." (Welches Gütsiegel welche Kriterien anlegt, können Sie hier nachlesen) In der Bio-Rinderzucht wird ein geschlossener Nahrungskreislauf angestrebt, das heißt das Futter kommt größtenteils vom eigenen Hof.

Auch was die Haltung der Tiere angeht sei der Unterschied zwischen konventioneller Rindermast und Bio-Betrieben hoch, betont Wolter vom WWF. Während in der konventionellen Rindermast die Tiere durchgängig auf Betonboden mit Stroh oder Vollspaltenboden ohne Stroh stehen, auf dem sie Klauen- und Gelenkprobleme bekommen können, schreibt die EU-Ökoverordnung Zugang zur Weide vor - entweder ganzjährig oder zumindest in den Sommermonaten. "Meist handelt es sich im Bio-Bereich um die klassische Mutterkuhhaltung auf kleineren Bauernhöfen mit Weiden drumherum", sagt er.

In der konventionellen Mast stehen Mastbullen einer Studie aus NRW zufolge im Durchschnitt 2,4 Quadratmeter Bewegungsfläche zur Verfügung. Empfohlen werden mindestens drei Quadratmeter - das Bio-Siegel schreibt je nach Größe der Tiere vier oder fünf Quadratmeter vor.

Ob sich durch die Haltung auch die Qualität des Fleisches verbessert, bezweifelt Klaus Troeger vom Max-Rubner-Institut für Sicherheit und Qualität beim Fleisch jedoch. "Wenn ich ein Tier zwei Jahre lang auf der Weide rumlaufen lasse, ist das Fleisch zäher, als wenn ich ein Tier zwei Jahre lang im Stall füttere. Dessen Fleischqualität ist vielleicht sogar besser", sagt er.

  • Was sagt das Neuland-Siegel aus?

Eine Alternative zu Bio-Siegeln ist das Neuland-Siegel, das vor allem in Norddeutschland verbreitet ist. "Hier liegt der Fokus auf der Tierfreundlichkeit", erläutert Troeger. WWF-Experte Wolter sieht das Neuland-Siegel als Mittelweg zwischen konventioneller Mast und Bio-Aufzucht. Anders als Bio-Landwirte dürfen Neuland-Bauern herkömmliche Futtermittel verwenden - sofern sie nicht genverändert sind - und ihre Felder mit Pestiziden behandeln. "Aber da kann man davon ausgehen, dass es den Tieren gutging", sagt er.

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