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Tabakkonsum:Die neuen Leiden der Raucher

Rauchen könnte mehr Leben fordern als bisher gedacht. Offenbar begünstigt die Sucht auch tödliche Krankheiten, die nicht offiziell in Verbindung mit dem Tabakkonsum gebracht werden.

Mehr als 100 000 Tote sind es jährlich in Deutschland, fast eine halbe Million in den USA, etwa fünf Millionen weltweit: Rauchen kostet Menschenleben. Doch möglicherweise erfassen diese Bilanzen längst nicht das ganze Ausmaß des Schreckens. Denn auf das Konto des Tabakkonsums gehen wahrscheinlich nicht nur Todesfälle durch die bekannten Krankheiten - in erster Linie mehrere Krebsarten, Herzinfarkt, Schlaganfall und das Lungenleiden COPD, warnen US-Wissenschaftler im New England Journal of Medicine (online). Es könnte sein, dass die Rechnung auch mit weiteren, bisher nicht berücksichtigten Erkrankungen gemacht werden muss.

Die Forscher unter der Leitung der American Cancer Society haben die Daten von fast einer Million US-Bürgern ausgewertet; 180 000 von ihnen starben während des zehnjährigen Beobachtungszeitraums. Dabei fielen den Forschern fünf Krankheiten auf, die bei Rauchern überproportional häufig auf dem Totenschein standen, aber nicht offiziell als Folgen des Tabakkonsums anerkannt sind: Nierenversagen, Infektionen, Mesenterialinfarkte sowie weitere Lungen- und Herzleiden.

Das Risiko, dass ein Raucher an einer dieser Krankheiten starb, lag zwei bis sechsmal so hoch wie bei Nichtrauchern. Ließen Menschen von den Zigaretten, verringerte sich das Sterberisiko - für die Forscher ein weiterer Hinweis, dass es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen den Krankheiten und dem Tabak gibt.

Berücksichtigt man diese Erkenntnisse müssten die Statistiken der USA jährlich 60 000 Tabaktote mehr ausweisen, sagt Studienautor Eric Jacobs - "eine Zahl, größer als die der Menschen, die jährlich der Grippe oder einem Lebererleiden erliegen". Unabhängig von den genauen Ursachen bestätigten die Forscher den Fakt: Raucher haben ein zwei- bis dreimal so hohes Risiko vorzeitig zu sterben wie Nichtraucher.