Suchtmittel:Cannabis Clubs in Berlin bereiten sich auf Anbau vor

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Eine Hanf-Plantage, entdeckt bei einer Drogenrazzia auf einem privaten Gelände in Brandenburg. (Foto: Patrick Pleul/dpa)

Mit dem Cannabis-Gesetz soll der Joint in Deutschland bald legal werden. In Berlin laufen die Vorbereitungen in den sogenannten Cannabis Clubs bereits auf Hochtouren.

Direkt aus dem dpa-Newskanal: Dieser Text wurde automatisch von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) übernommen und von der SZ-Redaktion nicht bearbeitet.

Berlin/Potsdam (dpa/bb) - Für Cannabiskonsumenten soll der heimliche Gang zum Dealer bald der Vergangenheit angehören: In Berlin wollen zahlreiche Cannabis Clubs mit der geplanten Legalisierung noch dieses Jahr an den Start gehen. Das Konzept sieht vor, dass die Vereine Cannabis für den Eigenbedarf anbauen und es an ihre Mitglieder verkaufen. In der Hauptstadt gebe es inzwischen 13 solcher Clubs, sagte Torsten Dietrich, Vorsitzender des Cannabis Social Club Berlin. Dietrich ist Mitgründer des Vereins, den es bereits seit 2016 gibt. Er kämpft seinen Aussagen zufolge schon seit 30 Jahren für die Legalisierung.

Zum 1. April soll in Deutschland für Erwachsene ab 18 Jahren der Besitz bestimmter Mengen Cannabis erlaubt werden, auch der Anbau einiger Pflanzen wird erlaubt. Zum 1. Juli sollen außerdem Clubs zum gemeinsamen Anbau möglich werden. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass jeder Club höchstens 500 Mitglieder haben darf. Zudem muss ein Präventionsbeauftragter ernannt werden. Aus Sicht der Vereine bringt das geplante Gesetz keine Legalisierung, sondern einer Entkriminalisierung. Erst wenn überall im Land Cannabis wachsen dürfe, könne von einer vollständigen Legalisierung gesprochen werden, meinte Dietrich.

Interesse an Club-Mitgliedschaft groß

Auch wenn noch Verbesserungsbedarf bestehe, sei der Gesetzentwurf ein Schritt in die richtige Richtung. „Wir werden den Schwarzmarkt deutlich zurückdrängen in Berlin. Das ist jedenfalls unser Ziel“, sagte Dietrich. Ein weiterer Vorteil aus seiner Sicht: Durch die legale Produktion werde „qualitativ hochwertiges Cannabis“ angebaut, ohne künstliche Cannabinoide oder Streckmittel. „Wir haben mehrere geeignete Flächen in Berlin und Brandenburg in Prüfung und zum Teil auch schon in der finalen Planung.“ Schon bald will der Verein mit dem Bau der Gewächshäuser loslegen. Die Flächen sollen durch hohe Zäune, Alarmanlagen und einen durchgehenden Wachschutz geschützt werden, so der Vorstandschef. „Wir haben den größtmöglichen Sicherheitsstandard, den man so haben kann in Deutschland, und zusätzlich haben wir noch die Polizei an allen Standorten in unmittelbarer Nachbarschaft“

Der Cannabis Social Club habe schon vor der Einigung auf den Gesetzentwurf mehr als 1000 Mitglieder gehabt, sagte Dietrich. Mittlerweile seien es mehr als 2500, außerdem seien gut 200 bis 300 Interessierte in der Warteschleife. Damit die Höchstgrenze nicht überschritten wird, plant der Verein nun, mehrere kleinere Clubs zu gründen, auf die die Mitglieder verteilt werden. „Wir haben genug Anbaufläche für 40 Clubs.“ Ein polizeiliches Führungszeugnis müssten Mitglieder nicht vorlegen. Das Vorzeigen des Personalausweises aber sei Pflicht, schließlich dürfe kein Gras an Minderjährige verkauft werden.

Auch der Verein Green Leaf Society, der im Juni 2023 gegründet wurde, bekommt nach Angaben des Vorstands regelmäßig Mitgliederanfragen: „Wir erhalten täglich circa zwei bis zehn Anfragen und haben aktuell noch geringe Kapazitäten“, sagte eine Sprecherin. Der Verein plant ebenfalls in Berlin anzubauen, alternativ stünden aber auch Flächen in Brandenburg in Aussicht.

Gramm soll zwischen vier und acht Euro kosten

Der Cannabis Social Club Berlin plant, die ersten Stecklinge im Juni einzupflanzen. Der erste Joint mit legalem Gras könne wahrscheinlich im Februar 2025 geraucht werden, schätzt Dietrich. Ein Gramm werde aller Voraussicht nach zwischen vier und acht Euro kosten. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass jedes Mitglied im Monat bis zu 50 Gramm erhalten kann. Daraus könnten, ohne die Zugabe von Tabak rund 50 bis 60 Joints gerollt werden, sagt Dietrich. Es solle aber keinen Konsumzwang geben - jedes Mitglied könne angeben, wie viel Gramm pro Monat gebraucht würden.

Wie reagiert der Schwarzmarkt auf das neue legale Geschäftsmodell? In einigen Ecken Berlins könnte es Probleme geben, sagte Dietrich. Einmal habe er potenzielle Büroräume in der Nähe des Görlitzer Parks besichtigt. Plötzlich seien Autos vorgefahren und mehrere Männer ausgestiegen. Sie hätten ihn freundlich darum gebeten, nicht in ihr Geschäftsfeld einzugreifen - sonst könne es Ärger geben. „Es wird nicht einfach werden“, sagte Dietrich. Er hoffe, auf die Unterstützung von Polizei und Senat zählen zu können.

© dpa-infocom, dpa:240210-99-938781/3

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