Spitzentreffen nach Skandal in Göttinger Klinik "Da kann man nicht von einer Mafia sprechen"

Der Bundesärztekammer zufolge wurden zwischen 2000 und 2011 in 31 Fällen Verstöße bei der Organvergabe festgestellt. 21 dieser Verstöße seien den Behörden mitgeteilt worden. In Deutschland wurden in diesem Zeitraum 50.739 Organtransplantationen an die dafür zuständige Stiftung Eurotransplant gemeldet. Davon kamen 43.536 Spenden von Verstorbenen, 7203 waren Spenden zu Lebzeiten. Angesichts dieser Zahlen hält der Präsident der Bundesärztekammer Frank-Ulrich Montgomery die bekanntgewordenen Manipulationen für Einzelfälle. "Da kann man weder von Mafia noch von großflächigem kriminellem Verhalten sprechen", sagte Montgomery im Deutschlandfunk.

Chirurgen bei der Arbeit: Um Manipulationen bei der Vergabe gespendeter Organe zu verhindern, will Gesundheitsminister Bahr unter anderem die Kontrolle der Transplantationszentren verschärfen. (Symbolbild)

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In einem einzigen Fall habe es schwerwiegendes kriminelles Verhalten eines Einzelnen gegeben. "Daran scheitert kein System", sagte er. Nach seiner Kenntnis sei das Transplantationswesen in Deutschland frei von Organhandel. "Wir haben eher mit der Mangelverwaltung zu tun."

Montgomery schlug vor, Sanktionen bei Verstößen einzuführen, bis hin zur kurzzeitigen Schließung von Transplantationszentren. "Wir müssen auch in die Lage versetzt werden, bei Auffälligkeiten ein Transplantationszentrum mal kurzfristig vom Netz zu nehmen." Dies müsse geschehen, damit nicht auf einen Fall wie in Regensburg noch ein zweiter wie in Göttingen folgen könne. Auch unangemeldete Kontrollen hält Montgomery für ein wirksames Mittel gegen Fehlverhalten.

Bereits am Samstag hatte Bahr in einem Interview gesagt, er wolle künftig Organspenden von Sonderkontrolleuren in den Kliniken überwachen lassen. "Wir brauchen ein Mehr-Augen-Prinzip bei der Vergabe von Spenderorganen, damit noch eine unabhängige Person, die nicht Teil der Abläufe der Transplantation ist, alles prüft", sagte Bahr der Düsseldorfer Rheinischen Post. Die Kontrolleure sollten unmittelbar der Klinikleitung unterstellt sein. Außerdem solle das Personal in den Prüfkommissionen aufgestockt werden.