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Coronavirus:Infektionswelle trotz hoher Impfrate auf den Seychellen

Mahé, die Hauptinsel der Seychellen

(Foto: ROBERTO SCHMIDT/AFP)

Die Seychellen haben 60 Prozent ihrer Bevölkerung durchgeimpft, trotzdem verzeichnet das Land eine der höchsten Inzidenzen weltweit. Liegt es am Vakzin von Sinopharm?

Von Bernd Dörries, Kapstadt

Es ist erst wenige Wochen her, da öffneten sich die Seychellen wieder für die Welt, ein Jahr war die Inselgruppe im Indischen Ozean vom Tourismus abgeschnitten, hatte sich isoliert von der Welt und den Gästen, die es so dringend braucht, die wichtig sind für den größten Wirtschaftszweig des Landes. Die Regierung aber blieb vorsichtig, trotz der Härten, die das Ausbleiben der Besucher für viele der fast 100 000 Einwohner mit sich brachte.

Der Zeitpunkt schien aber nun günstig zu sein für die Öffnung, Teile der Welt wollen wieder verreisen. Die Seychellen sind das Land mit der am häufigsten geimpften Bevölkerung der Welt, 68 Prozent haben ihre erste Dosis bekommen und fast 60 Prozent die zweite. Es wirkte so, als habe das Land die Pandemie bezwungen.

Doch mittlerweile findet sich die Inselgruppe nicht nur in der Tabelle der am meisten geimpften Menschen an der Spitze wieder, sondern auch in der Aufzählung der Länder mit den meisten Neuinfektionen, etwa 300 sind es pro Tag, was nach nicht viel klingt, aber im Verhältnis zur Bevölkerung selbst Indien bei Weitem übertrifft. Wie kann das passieren, obwohl so viele Menschen geimpft sind?

37 Prozent der Neuinfizierten sollen bereits zwei Mal geimpft sein

Viele Neuinfektionen betrafen offenbar Gebiete, in denen die Menschen bisher keine Impfung erhalten hatten oder nur die erste Dosis. Was aber wohl noch nicht die große Zahl der neuen Fälle erklärt. Hat das Land zu schnell geöffnet? Können andere Länder Rückschlüsse ziehen für ihre angestrebten Lockerungen?

"Es gibt einen klaren Trend nach oben", sagte der Gesundheitskommissar Jude Gedeon, "wir wissen noch nicht, wie lange er anhält, das wird davon abhängen, welche Maßnahmen ergriffen werden und ob man sie einhält." Schulen wurden mittlerweile wieder geschlossen, die Öffnungszeiten für Restaurants eingeschränkt und eine Ausgangssperre ab 23 Uhr verhängt. Der Tourismus soll möglichst ungestört weiterlaufen, die Besucher sollen nur einen Anteil von zehn Prozent der Neuinfektionen ausmachen.

Unter den Einheimischen sollen aber 37 Prozent der neuen Erkrankten bereits zwei Mal geimpft worden sein. Das teilte das Gesundheitsministerium am Montag nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg mit, der Minister selbst hatte zuvor von lediglich 20 Prozent berichtet. Liegt es also am Impfstoff?

Der Impfstoff von Sinopharm verhindere schwere Verläufe, betont der Präsident

Die Seychellen beziehen etwa 60 Prozent ihres Impfstoffes aus China, der Rest kommt von Astra Zeneca. An der Wirksamkeit des Vakzins des chinesischen Pharmakonzerns Sinopharm gab es zunächst Zweifel, mittlerweile hat die WHO dem Wirkstoff aber eine Notfallzulassung erteilt. Ein Beraterstab der Weltgesundheitsorganisation gibt die Wirksamkeit mit 79 Prozent an. Unklar ist aber, wie wirksam Sinopharm gegen die südafrikanische Variante des Virus ist. Bei Astra Zeneca wurde in Studien bereits ein geringerer Schutz gegen B.1.351 festgestellt, weshalb der Konzern bis Ende des Jahres eine neue Version seines Vakzins auf den Markt bringen will.

Letztlich bleibt aber unklar, wie weit die südafrikanische Mutante auf den Seychellen überhaupt präsent ist. Sie wurde im Februar zum ersten Mal entdeckt, seitdem gibt es aber keine genauen Daten, wer sich mit welcher Variante infiziert hat. Nach Angaben der Regierung nähern sich die Krankenhäuser zwar der Kapazitätsgrenze, bisher sei aber kein vollständig Geimpfter an den Folgen von Corona gestorben.

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur der Seychellen verteidigte der seychellische Präsident Wavel Ramkalawan die Wirksamkeit von Sinopharm. Der Impfstoff habe insbesondere schwere Verläufe verhindert. "Wenn das Vakzin nicht effektiv wäre, wären (geimpfte) Menschen nach einer Infektion gestorben und es hätte viel mehr Krankenhaus-Einweisungen gegeben", sagte das Staatsoberhaupt. Stattdessen sei zu beobachten, dass 80 Prozent derjenigen, die ins Krankenhaus müssten, nicht geimpft seien. "Das spiegelt die Wirksamkeit der Vakzine." Es seien zwar viele Menschen infiziert, aber eben nicht krank, so Ramkalawan. Daher hätten die beiden Impfstoffe "der Bevölkerung einen großen Dienst erwiesen".

© SZ/cvei
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