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Schlankmacher:Schwitzen und hungern

Am Begriff des "Entschlackens" scheiden sich die Geister, trotzdem ist der Frühling die Hochzeit der Fastenkuren. Drei traditionelle Verfahren heute.

Es war nur eine Metapher. Als Fastenarzt Otto Buchinger 1935 das Wort "Entschlacken" prägte, verglich er die Heizöfen damaliger Zeit mit dem menschlichen Körper. Wenn man die Schlacken entfernte, würde der "Ofen" wieder besser ziehen. Buchinger empörte mit diesem Vergleich die Schulmedizin. Der Körper sei kein Hochhofen und reinige sich selbst, lautete die Kritik. Auch heute noch ist der Begriff "Schlacke" medizinisch umstritten.

Jogger; AP

Beim Fasten unabdingbar: tägliche Bewegung

(Foto: Foto: AP)

"Man hat keine klaren, wissenschaftlichen Belege, dass sogenannte Schlacken ausgeschwemmt werden", erklärt Marc Slawik, Arzt für Hormon- und Stoffwechselerkrankungen an der Klinik für Innere Medizin der Ludwig-Maximilians-Universität München. "Was aber sicherlich beim Abnehmen und Fasten geschieht: Fette werden aus Organen wie Herz und Bauchspeicheldrüse heraus- gebracht, die da nicht hingehören."

"Natürlich hat der Körper keine Schlacken", sagt auch Françoise Wilhelmi, Ärztin und Leiterin des Heilfasten-Zentrums "Buchinger Bodensee". "Trotzdem umschreibt dieser populär-wissenschaftliche Ausdruck ganz gut das subjektive Gefühl, das wir empfinden, wenn wir fasten. Wenn wir eben nach einer Kur spüren, dass wir wieder freier atmen können."

Neue Forschungsergebnisse würden aber auch beweisen, dass "sich pathologische Proteine in Leber, Niere, Milz, Herzmuskel und Magen-Darmschleimhaut ablagern". "Durch das Fasten können diese Ablagerungen zum Großteil verschwinden."

Die richtige Ernährung und vor allem Bewegung, darin sind sich Schulmediziner Slawik und Heilfasten-Spezialistin Wilhelmi einig, sind entscheidende Faktoren für einen gesunden Stoffwechsel. "Eine Stunde Bewegung pro Tag", sagt Slawik, "ist das Minimum."

Wer fastet oder seinen Körper entgiftet, macht nicht in erster Linie eine Diät, um abzunehmen. Er unternimmt eine spirituelle Reise zu sich selbst - hinterfragt seine Lebensweise, erforscht seinen Körper und unternimmt womöglich damit einen ersten Schritt, sich im Alltag bewusster zu ernähren.

Entgiftungskur nach Franz Xaver Mayr (1875-1965)

Eine Semmel. Ein Glas Wasser. Das soll das Abendessen sein? Aufkeimender Widerstand ist zwecklos. Es ist das Abendessen. So steht es auf dem persönlichen Speiseplan. Der Dinkelfladen ist klein. Doch mit jedem Bissen scheint er größer zu werden. Also kauen, kauen. Mindestens 50 bis 60 Mal und gründlich einspeicheln. Dann vielleicht ein kleiner Schluck salinisches Wasser oder Kräutertee. Ein Löffelchen Basensuppe, ein Löffelchen Schafsjoghurt. Klingt fürchterlich. Ist es auch. Aber nur am Anfang.

Im Laufe einer drei- bis vierwöchigen Entgiftungskur nach den Erkenntnissen des österreichischen Arztes Franz Xaver Mayr (1875-1965) im wunderschön am Wörthersee gelegenen Zentrum für moderne Mayr-Medizin "Viva" gewöhnt man sich daran, in Gesellschaft ähnlich stoisch dreinblickender Kurgäste konzentriert zu kauen. Zum Glück nicht nur Dinkelsemmeln, sondern alles, was Chefkoch Florian Klinger schön angerichtet auf den Tisch bringt.

Auf großen Tellern serviert, haben eine Zucchini-Basencremesuppe mit Basilikum, Cordon bleu vom Sellerie mit Basencremsauce und Putenschinken einen weniger schön klingenden Namen: milde Ableitungsdiät. Was fast so toll aussieht, wie in einem Sterne-Lokal, schmeckt gewöhnungsbedürftig fad - eben basisch, salz- und fettarm. Doch all das hat seinen Sinn - wenn die Entdeckung der Langsamkeit erst mal in Fleisch und Blut übergeht und die Selbstdisziplin den Gedanken an eine Wurstsemmel oder ein Glas Bier schnell wieder verdrängt.

Gut zerkleinerte Speisen helfen, dass die Verdauungssäfte die Nahrung besser in ihre Bestandteile zerlegen können. Für Franz Xaver Mayr ist der Darm Zustandsanzeiger für das Wohlbefinden und die Darmsanierung ist der Ausgangspunkt für alle Therapien - die "Reduktion auf das Wesentliche", sagt Harald Stossier, Leiter des Mayr-Zentrums. Am Anfang steht die Diagnostik. Ein Protokoll, das aktive Körperzellmasse, Zellanteil und Fettmasse misst, wird erstellt. Haare, Haut, Augen und die Bauch- und Haltungsformen nach Mayr werden analysiert. Stossier ergänzt die Untersuchung mit "Applied Kinesiology", einem biologischen Diagnosesystem, das über den Muskeltest Lebensmittelintoleranzen feststellt.

Verschiedene Pülverchen wie zum Beispiel Kuhmilchprodukte oder Kalzium werden auf die Zunge gestreut und sofort die Muskelspannung getestet. "Danach kann ich prüfen, ob eventuell eine Kuhmilchunverträglichkeit oder Histaminintoleranz besteht und passe den Therapieplan an", erklärt der Arzt. Ein Plan, der unter anderem aus Massagen, Bewegung, Kauschulung und Kochkursen bestehen kann. Die Mayr-Therapie ist keine Diät. Das Abnehmen sei, so Stossier, eine der schönsten Nebenwirkungen der Mayr-Medizin. Alles zusammen hat einen stolzen Preis: Eine Mayr-Kur (inklusive Zimmer und Anwendungen) kostet pro Person und Woche in Maria Wörth durchschnittlich 2000 Euro.