Hybride Nahrung:Rinderzellen in Reis gezüchtet

Hybride Nahrung: Rinderzellen können auf und in Reiskörnern wachsen. Ob das schmeckt, ist eine andere Frage.

Rinderzellen können auf und in Reiskörnern wachsen. Ob das schmeckt, ist eine andere Frage.

(Foto: Yonsei University)

So soll das Getreide nährstoffreicher werden und das Klima schonen. Aber kann das funktionieren - und: schmeckt das?

Von Hanno Charisius

Grundsätzlich kann die Kombination von Rindfleisch und Reis ziemlich lecker sein. Was südkoreanische Forscher jetzt zubereitet haben, dürfte jedoch selbst experimentierfreudigen Gourmets Mut abverlangen. Eine Arbeitsgruppe um den Bioningenieur Jinkee Hong von der Yonsei University in Seoul ließ Muskel- und Fettzellen auf Reiskörnern wachsen, um deren Nährwerte zu verbessern.

Der Hybridreis mit hohem Muskelzellanteil habe einen Geruch, der an Rindfleisch und Mandeln erinnere, heißt es in einer Pressemitteilung. Reiskörner mit hohem Anteil von Fettzellen riechen demnach nach Sahne, Butter und Kokosnussöl. Vom Geschmack der rosafarbenen Körner steht weder etwas in der Pressemitteilung noch in dem Aufsatz im Fachjournal Matter, in dem das Team seine Rezeptur präsentiert.

Die Forschenden überzogen zunächst Reiskörner mit Fischgelatine und Enzymen, um das Getreide zu stabilisieren und um dessen Oberfläche einladend zu gestalten für die tierischen Zellen. Dann gaben sie die Körner in Kulturschalen, fügten Fett- und Muskelstammzellen aus Rindergewebe hinzu und ließen diese für neun bis elf Tage sprießen.

Der Fettgehalt der Reiskörner habe sich dabei um sieben Prozent erhöht. Der Proteingehalt sei um acht Prozent gestiegen. Um den Hybridreis schließlich auch unter Küchenbedingungen zu charakterisieren, dämpfte die Gruppe ihn. Die Textur habe sich durch die Behandlung von klebrig-weich zu fest-brüchig verändert.

Hybride Nahrung: So sieht der Reis noch in Laborumgebung aus.

So sieht der Reis noch in Laborumgebung aus.

(Foto: Yonsei University)

Das ganze Unternehmen soll dem Ziel dienen, klimafreundliche, nährstoffreiche Nahrung für viele Menschen zu erzeugen. Als kommerzielles Produkt habe dieses "auf Reis basierende Fleisch" Potenzial als nachhaltiges Lebensmittel, das Sicherheit vor Lebensmittelkrisen und globaler Erwärmung garantiere, schließen die Forscher ihren Fachaufsatz. Er habe einen deutlich kleineren CO2-Fußabdruck zu einem Bruchteil des Preises und könne eines Tages als Nahrungsmittelhilfe für Hungersnöte, als militärische Ration oder als Weltraumnahrung dienen.

Diese Forschungsrichtung sei vielversprechend "für die Entwicklung einer gesünderen und klimafreundlicheren Ernährung in der Zukunft", sagt Neil Ward, Professor für ländliche und regionale Entwicklung an der britischen University of East Anglia. Doch bestehen müsste das Produkt am Ende im Supermarkt: "Während die Daten zu den Kosten und den Auswirkungen auf das Klima sehr positiv aussehen, ist die Frage, ob diese Art von im Labor entwickelten Lebensmitteln in der Öffentlichkeit Anklang findet, ein kritischer Test."

Es gibt inzwischen zahlreiche Unternehmen, die versuchen Fleisch in der Retorte zu züchten - allein aus tierischen Zellen in Nährlösungen. Bislang sind diese Erzeugnisse sehr teuer und auch ihre Ökobilanz überzeugt noch nicht. Geschmacklich bekommt man sie leicht in den Bereich verarbeiteter Fleischprodukte wie Würste. Weniger gut eignen sie sich bislang als Ersatz für Fleischstücke.

Auch der Hybridreis wird kein Steak ersetzen für die, die meinen unbedingt eins essen zu müssen. Für alle anderen Menschen stelle die neue Arbeit aus Südkorea eher den "vielversprechenden Beginn einer wissenschaftlichen Agenda" dar, sagt Neil Ward, ein großer Durchbruch mit unmittelbaren praktischen Folgen für den Speiseplan.

Mit Material des Science Media Centre

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