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Frauengesundheit:Elf Mythen über die Schwangerschaft

Die werdende Mutter baut geistig ab, die Bauchform zeigt das Geschlecht des Kindes und Mozart macht Ungeborene klüger: Was ist dran an den Mythen über die Schwangerschaft?

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Eizelle und Spermien

Quelle: dpa

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Maiglöckchenduft weist den Spermien den Weg

Jahrelang wurde ein "Maiglöckchenduft" für die Befruchtung verantwortlich gemacht: Die Spermien sollten auf ihrem Weg zur Eizelle von eben jenem Geruch geleitet werden. Wissenschaftler aus Bonn und Jülich stellten aber klar: Spermien können nicht riechen. Außerdem habe noch niemand einen Maiglöckchenduft im weiblichen Genitaltrakt finden können.

Vielmehr werden die männlichen Samenzellen von dem weiblichen Sexualhormon Progesteron angelockt, das im Umfeld der Eizelle gebildet wird - und geruchlos ist. Lediglich im Labor, als Forscher mit sehr hohen Dosen von Progesteron experimentierten, trat die Maiglöckchenduftwirkung auf. In der Natur aber kommen so hohe Konzentrationen nicht vor.

Entspannung

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Das künftige Geschlecht des Kindes lässt sich beeinflussen

Egal, welchen Zeitpunkt, welche Umgebung oder welche Stellung Paare wählen: Das künftige Geschlecht des Kindes können Sie nicht beeinflussen. Zwar haben Wissenschaftler einige erstaunliche Einflussgrößen auf das Kindsgeschlecht gefunden: das Wetter, Stress, die Genährtheit der Frau und die Gene des Mannes gehören dazu. Dennoch lassen sich die statistischen Befunde nicht aktiv zur Familienplanung nutzen.

Schlafen

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Manche Frauen spüren sofort, wenn sie schwanger sind

So manche Frau mit Kinderwunsch glaubt quasi noch in den Wonnen der Vereinigung, die beginnende Schwangerschaft schon zu spüren. Medizinisch betrachtet ist dies unmöglich. Es dauert allein ein bis drei Stunden, bis eine Samenzelle den Weg zum Ei gefunden hat. Anschließend vergehen fünf Tage, bis die befruchtete Eizelle in der Gebärmutter angelangt ist. Dort sucht sie sich einen Platz zum Einnisten - und ehe sie sich so richtig fest an die Gebärmutterwand geheftet hat, sind acht bis zehn Tage vergangen. Erst jetzt sendet der Körper das Hormonsignal "schwanger" aus, woraufhin nach und nach alle sicht- und spürbaren Schwangerschaftsanzeichen einsetzen.

Babyschuhe

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Manche Frauen können das Geschlecht des ungeborenen Kindes spüren

Prinzipiell haben Frauen eine gute Ausgangslage, wenn sie glauben, sie könnten spüren, ob ein Junge oder Mädchen in ihnen wächst. Denn ihre Treffer-Wahrscheinlichkeit liegt rein statistisch bei immerhin 50 Prozent.

Erstaunlicherweise hat eine Untersuchung der Universität Baltimore ergeben, dass sich der Bildungsgrad der Mütter auf die Qualität ihrer Ahnung auszuwirken scheint: Frauen mit höherer Bildung lagen zu 70 Prozent mit ihrer Vorhersage richtig. Weniger gebildete Frauen hatten nur zu 43 Prozent recht. Eine Sicherheit bei derartigen Prophezeiungen kann allerdings keine Frau für sich beanspruchen.

Schwangere

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Junge oder Mädchen - das lässt sich am Bauch der Mutter ablesen

Egal ob spitz oder eher breit, hoch oder tiefliegend: Der Bauch der Mutter ist noch viel weniger als persönliches Fühlen und Spüren geeignet, das Geschlecht des Ungeborenen zu verraten. In der eben zitierten Untersuchung aus Baltimore fanden die Forscher überhaupt keinen Zusammenhang zwischen Bauchform und Geschlecht. Selbst Träume von Schwangeren hatten eine höhere Trefferquote.

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Ungeborene werden durch Mozart genial

US-Forscher stellten 1993 fest, dass Studenten, die Mozart hörten, bei einem Intelligenztest besser abschnitten als eine Vergleichsgruppe ohne Musik. Niederländische und amerikanische Forscher kamen später zu dem Schluss, dass sich Kinder schon im Mutterleib an Geräusche erinnern. Vernehmen sie die Töne zum ersten Mal, steigt ihre Herzfrequenz, beim wiederholten Hören nicht mehr. Sollte es also möglich sein, beide Erkenntnisse zu kombinieren und durch das Vorspielen von Sonaten dem Ungeborenen so ganz nebenbei einen Vorsprung in Sachen Intelligenz zu verschaffen?

Das ist mehr als fraglich. Zum einen gilt der sogenannte Mozart-Effekt mittlerweile selbst bei Erwachsenen nicht als erwiesen. Folgestudien konnten keinen klaren Beweis für einen Zusammenhang von Musikrezeption und Denkvermögen nachweisen. Umso weniger kann auf einen Effekt bei Ungeborenen gehofft werden.

Hinzu kommt, dass die Bedingungen im Mutterleib für das Hören von Musik nicht gerade optimal sind: Die Bauchdecke und das Fruchtwasser dämpfen von außen kommende Geräusche und verfremden sie. Unmittelbar konfrontiert ist das Ungeborene hingegen mit den Geräuschen, die der Körper seiner Mutter produziert: ihrem Herzschlag oder Verdauungsvorgängen - und die übertönen von außen kommende Laute.

Barbie

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Schwangere sind vorübergehend hohl im Kopf

Dass Schwangere vergesslich sind, wurde selbst durch wissenschaftliche Studien bestätigt. Eine australische Untersuchung räumte allerdings mit dem Vorurteil auf. Die Wissenschaftler hatten Frauen nicht nur während der Schwangerschaft, sondern auch davor und danach beobachtet. Sie konnte keinen kognitiven Unterschied in den einzelnen Lebensphasen feststellen. Frauen ändern allerdings während der Schwangerschaft häufig ihren Fokus, schrieben die Forscher. Sie widmeten ihrer Arbeit weniger Aufmerksamkeit. Ein geistiges Defizit bedeute dies aber nicht.

Kuss

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Sex in der Schwangerschaft ist riskant

Glaubt man einer Befragung Berliner Wissenschaftler, fürchten sich vor allem Männer davor, beim Sex Mutter oder Kind zu schaden. Doch es gibt keine wissenschaftlichen Belege, dass Sexualität in der Schwangerschaft Risiken berge und besser unterbleiben sollte. Dass durch den Sex Geburtswehen oder gar Frühgeburten ausgelöst werden können, gehört in das Reich der Mythen.

WM 2006 - Brasilien - Australien - Fan

Quelle: dpa

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Sport ist bei Schwangeren Mord

Noch in alten Lehrbüchern kann man lesen, dass Leibesübungen in der Schwangerschaft tabu seien. Bis heute fürchten viele Frauen, Sport schade ihnen oder ihrem Kind.

Doch Beweise, dass Bewegung grundsätzlich gefährlich ist, gar zu Fehlgeburten führen kann, gibt es nicht. Heutige Wissenschaftler gehen sogar eher davon aus, dass Sport positive Effekte hat: Er mindere das Risiko für Thrombosen, Bluthochdruck und Schwangerschaftsdiabetes - und schütze das Kind vor Übergewicht, heißt es in neueren Studien. Selbst Hochschwangeren wird daher eine moderate sportliche Betätigung empfohlen.

Eine amerikanische Studie zeigte zudem, dass Babys aktiver Mütter am fünften Lebenstag wacher und lebhafter auf Umweltreize reagierten als durchschnittliche Säuglinge.

Schwanger

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In der Schwangerschaft spielen nur die Hormone der Frau verrückt

Die hormonellen Veränderungen einer schwangeren Frau - mit all ihren angeblichen Auswirkungen - kommen Männern oft befremdlich vor. Sie wissen wahrscheinlich nicht, dass auch sie vor derartigen Veränderungen nicht gefeit sind.

Wissenschaftler aus Neufundland stellten fest, dass sich während einer Schwangerschaft nicht nur der Hormonhaushalt der Mütter, sondern auch der der Väter ändert. Je näher die Entbindung rückt, desto höher steigt auch bei Männern der Spiegel des Milchbildungshormons Prolaktin. Testosteron sank dagegen nach der Geburt um durchschnittlich ein Drittel. Je niedriger der Wert, umso fürsorglicher benahmen sich die Väter.

Doku-Soap "MEIN BABY"

Quelle: OBS

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Der Mann im Kreißsaal ist eine große Hilfe für die Frau

Kaum ein Geburtsvorbereitungskurs, in dem die Männer nicht lernen, im typischen Wehenrhythmus mitzuatmen, ihre Frau in den Wehenpausen zu massieren oder die Aromalampe zu befüllen. Dass ihre Anwesenheit der Frau hilft, gilt als ausgemacht.

Doch als deutsche Gynäkologen Studien zum Thema auswerteten zeigte sich: Die Männer hatten überhaupt keine Auswirkungen auf den Geburtsverlauf. Weder dauerte die Geburt länger, noch brauchten die Gebärenden weniger Schmerzmittel, noch traten weniger Komplikationen auf, wenn die Männer neben ihrer Frau standen. Die gute Nachricht: Die Anwesenheit der Männer hatte auch keine negativen Folgen. Und die meisten Männer empfanden die Geburt als positives Erlebnis.

© Süddeutsche.de

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