Mobilfunkstandard 5G Neues Netz, neue Sorgen

Ein Mobilfunksendemast über einem Neubaugebiet Köln

(Foto: imago/Future Image)
  • Der neue Funkstandard 5G kann deutlich mehr Daten übertragen als bisherige Mobilfunkstandards. Damit wächst die Sorge vor einer höheren Strahlenbelastung.
  • Kürzlich forderten mehr als 230 Ärzte und Wissenschaftler ein Moratorium für 5G, weil die gesundheitlichen Folgen nicht hinreichend untersucht seien.
  • Experten für Strahlenschutz sehen jedoch kaum Anhaltspunkte für die Vermutung, dass die hochfrequente Strahlung beispielsweise Gewebe oder das Erbgut von Zellen schädigt.
  • Einen Beweis für die völlige Unbedenklichkeit gibt es jedoch nicht.
Von Kathrin Zinkant

Es gibt Dinge, die sind von Natur aus unheimlich. Strahlung zum Beispiel - weil man sie nicht sehen, hören und meist auch nicht spüren kann. Weil man aber weiß, dass sie da ist, in Gewebe eindringen und Energie übertragen kann.

Es gibt deshalb nicht wenige Menschen, die sich besonders vor Mobilfunkstrahlung fürchten. Schließlich existiert kaum eine Strahlenquelle, die sich zuletzt derart massiv verbreitet hat wie die Handynetze. Und es kommt bald schlimmer. 2020 werden die Frequenzen des neuen Funkstandards 5G versteigert, die Frist für eine Teilnahme an der Auktion ist am Freitag abgelaufen. Noch schneller, noch umfangreicher, schlicht allgegenwärtig sollen dank 5G dann Daten übertragen werden, als Fundament einer digitalisierten Gesellschaft. Spätestens in drei Jahren müssen 98 Prozent der Haushalte zudem mit dem alten Standard LTE versorgt sein, auch auf dem Land wird künftig eine Grundversorgung gewährleistet. Es gibt also kein Entrinnen. Kann das noch gesund sein?

"Bestätigte Anhaltspunkte gibt es bislang keine"

Auf den ersten Blick erscheint die Angst begründet. So forderten kürzlich mehr als 230 Ärzte und Wissenschaftler aus Europa ein Moratorium für 5G, weil die gesundheitlichen Folgen des Standards nicht hinreichend untersucht seien. Studien hätten angeblich gezeigt, dass elektromagnetische Strahlung in höheren Frequenzbereichen umwelt- und gesundheitsschädlich sei. Dazu kommt, dass für das neue 5G-Netz die Zahl der Sendestationen erheblich erhöht werden muss und zumindest später neue Frequenzbänder von um die 30 Gigahertz genutzt werden sollen, und das bedeutet mehr Energie als bisher.

Doch vermutlich ist die Sache komplizierter. Auch bei den kommenden Frequenzen von 5G handelt es sich etwa um nicht-ionisierende Strahlung. "Anders als die extrem energiereiche radioaktive und die kurzwellige UV-Strahlung können Radiowellen das Erbgut von Zellen, also die DNA, nicht unmittelbar schädigen", sagt Gunde Ziegelberger, Fachgebietsleiterin für Elektromagnetische Felder am Bundesamt für Strahlenschutz. Zwar ist nach Ansicht Ziegelbergers nicht zu beweisen, dass Mobilfunkstrahlung völlig unschädlich ist. "Man hat aber auch bislang keine Mechanismen in der Zelle gefunden, durch die ein Schaden verursacht werden könnte." Fest steht, dass die Frequenzbänder der Handys eine Erwärmung erzeugen können, die jedoch sehr klein ist und die der Mensch in vielen anderen Kontexten problemlos kompensiert. Andere Hinweise auf mögliche Effekte, zum Beispiel eine indirekte Schädigung durch freie Radikale, haben sich Ziegelberger zufolge nicht bestätigen lassen. "Es gibt viel Forschung, um weitere mögliche Mechanismen zu finden, aber bestätigte Anhaltspunkte gibt es bislang keine", sagt die Strahlenexpertin.

Mehr Sendemasten, geringere Sendeleistung - was das für die Gesundheit bedeutet, ist unklar

Zudem müsse man zwischen der Exposition durch Handys und durch Sendemasten unterscheiden. Die höchste Exposition geht demnach weiterhin von den Geräten selbst aus. Die Sendemasten dagegen werden künftig in geringeren Abständen zum Menschen platziert, etwa an Häuserwänden, weil höhere Frequenzen eine geringere Reichweite haben. Zugleich aber ist die Sendeleistung dieser Masten geringer. Außerdem besitzen die Masten des 5G-Standards nicht einzelne, flächendeckend sendende Antennen, sondern vielteilige Installationen, die gezielt Kontakt mit den Endgeräten herstellen. "Die Exposition wird durch die kürzeren Abstände und die Art der Antennen vor allem komplexer als bisher", sagt Ziegelberger. Was das bedeute, könne derzeit noch nicht abschließend beurteilt werden.

Überhaupt kann es den geforderten, endgültigen Beweis für die Unschädlichkeit von Mobilfunkstrahlung wohl nicht geben. Effekte der höheren Frequenzen auf die Gesundheit lassen sich nur aus den Daten für den bisherigen Mobilfunk und höhere Frequenzen, etwa in Bodyscannern, ableiten. Epidemiologische Studien an einer Vielzahl von Menschen und über einen längeren Zeitraum sind für 5G schwierig. Da viele Handybesitzer weiter alte Standards nutzen und dazu ein WLAN und Bluetoothgeräte daheim haben, ließe sich ein möglicher Effekt nicht zuordnen. Was der Wissenschaft bleibt, ist an Zellkulturen und Tieren zu forschen - und damit lassen sich zwar Indizien sammeln, aber keine Beweise.

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