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Medizin:Mehr Zuckerkranke in Deutschland als bislang vermutet

Diabetes

Insulinpen: Diabetiker müssen oftmals das Hormon spritzen, damit der Körper Zucker verwerten kann.

(Foto: Matthias Hiekel/dpa)
  • Etwa jeder Zehnte mit einer gesetzlichen Krankenversicherung leidet an Diabetes.
  • Das zeigt eine aktuelle Analyse von Daten von etwa 70 Millionen Kassenpatienten.
  • In Ostdeutschland sind mit knapp zwölf Prozent deutlich mehr Menschen zuckerkrank als im Westen.
  • "Neben einem altersbedingten Effekt geht der Zuwachs wahrscheinlich auch auf die Lebensweise zurück", sagt ein Studienautor.

In Deutschland leben mehr Menschen mit Diabetes als bislang gedacht: Inzwischen leidet etwa jeder zehnte Bürger, der in einer gesetzlichen Krankenversicherung versichert ist, an der chronischen Stoffwechselerkrankung, heißt es in einer neuen Analyse für den Versorgungsatlas. Der Versorgungsatlas ist eine Datensammlung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI).

Demnach ist der Anteil der Diabetiker zwischen 2009 und 2015 von 8,9 auf 9,8 Prozent gestiegen. Bisherige Schätzungen gingen von etwa sieben bis neun Prozent Diabetikern in Deutschland aus. In die Analyse flossen anonymisierte Daten von etwa 70 Millionen Kassenpatienten ein - mehr geht kaum.

Besonders auffällig sind regionale Unterschiede

"Neben einem altersbedingten Effekt geht der Zuwachs wahrscheinlich auf die Lebensweise zurück", sagt Studienautor Benjamin Goffrier. Viele Menschen ernährten sich zu zucker- und fettreich, darüber hinaus fehle es an Bewegung. Übergewicht und Bewegungsmangel begünstigen Typ-2-Diabetes, der auch als Altersdiabetes bezeichnet wird und den Großteil aller Zuckererkrankungen ausmacht.

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Besonders auffällig sind die regionalen Unterschiede: In Ostdeutschland sind mit knapp zwölf Prozent deutlich mehr Menschen an Diabetes erkrankt als im Westen (hier etwa neun Prozent). Eine mögliche Erklärung dafür sei, dass im Osten die Einkommen im Mittel niedriger und die Arbeitslosenzahlen höher sind, sagt Goffrier. Bei einem schlechteren sozialen Status sei oft auch die Gesundheitsbildung nicht so hoch. Eine weitere Erklärung könnten Ernährungstraditionen sein - zum Beispiel, je nach Region, ein hoher Konsum von Fleisch und frittierten Gerichten.

Früher, in den Jahren nach dem Krieg, war Diabetes vor allem eine Krankheit der Reichen, weil nur sie sich zucker- und fetthaltige Lebensmittel in großen Mengen leisten konnten. In den Industrieländern hat sich die Lage nun aber umgedreht: Menschen mit gutem Einkommen und Bildung achteten oft besonders stark auf eine gesunde Ernährung. Sozial schwächere Menschen greifen im Supermarkt eher mal zu weniger gesunden Fertigprodukten und Fast Food, sagt Goffrier.

In der Liste der Volkskrankheiten in Deutschland rangiert Diabetes auf dem fünften Rang

Dieser Effekt spiegelt sich in den Regionen wieder. Im Kreis Starnberg bei München, einer der wohlhabendsten Gegenden der Republik, leben die wenigsten Diabetiker (6,5 Prozent). In der strukturschwachen brandenburgischen Prignitz gibt es die meisten - mit 14,2 Prozent sogar mehr als doppelt so viele wie in Starnberg.

Überdurchschnittlich hohe Erkrankungszahlen konnten die Wissenschaftler auch im Saarland (10,8 Prozent) messen, gefolgt von Berlin mit 10,4 Prozent. Die wenigsten Zuckerkranken leben in Schleswig-Holstein (8,3 Prozent), Baden-Württemberg (8,53 Prozent) und Hamburg (8,54 Prozent).

Auf der Liste der Volkskrankheiten in Deutschland rangiert Diabetes nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Berlin auf dem fünften Rang. An der Spitze liegen weiter Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen.

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