Lungenkrebs:Röntgen-Screening offenbar nutzlos

Ernüchternder Befund: Die jährliche Röntgenaufnahme des Brustkorbs führt nicht dazu, dass Menschen seltener an Lungenkrebs sterben.

Werner Bartens

In manchen Kliniken gehört der sogenannte Röntgenthorax zur Routineuntersuchung, wenn ältere Patienten neu aufgenommen werden. Plausibel klingt das ja: Wird ein Tumor früher erkannt und schneller behandelt, müssten schließlich auch die Lebenserwartung und -qualität steigen. Beweisen ließ sich das bisher allerdings nicht.

Diognose Lungenkrebs

Der Nutzen von Röntgen-Screening ist nicht erwiesen, sagen US-Wissenschaftler.

(Foto: dpa)

Nun berichten Lungenexperten aus Nordamerika von ernüchternden Befunden: Die jährliche Röntgenaufnahme des Brustkorbs führt nicht dazu, dass Menschen seltener an Lungenkrebs sterben. Zu diesem Schluss kommt eine große Studie, die am heutigen Donnerstag im Journal of the American Medical Association erscheint (Bd. 306, S. 1865, 2011) und gleichzeitig während der Jahrestagung der amerikanischen Lungenärzte vorgestellt wird.

"Der Nutzen dieser Art von Screening ist nicht erwiesen", konstatieren die Autoren.

Ärzte aus Kanada und den USA um Martin Oken hatten fast 155.000 Freiwillige im Alter zwischen 55 und 74 Jahren untersucht. Bei der Hälfte von ihnen wurde vier Jahre hintereinander je eine Röntgenaufnahme der Lunge angefertigt, bei der anderen Hälfte verzichtete man auf diese Untersuchung, sie suchten nur bei Beschwerden den Arzt auf.

Einen Unterschied machte das regelmäßige Röntgenbild nicht. In beiden Gruppen wurden während der 13-jährigen Nachbeobachtungszeit ähnlich viele Tumoren entdeckt. Wessen Lunge zuvor regelmäßig durchleuchtet worden war, der überlebte den Lungenkrebs auch nicht länger oder in besserem Zustand als die Teilnehmer in der Vergleichsgruppe. Lungentumoren sind in den Industrieländern wie auch weltweit die Krebsformen, die am meisten Todesopfer fordern.

Wir können diese Frage endlich als beantwortet zu den Akten legen", sagt Harold Sox von der Dartmouth Medical School in New Hampshire. "Das Screening auf Lungenkrebs mit einem Röntgenbild des Brustkorbs bringt nichts."

Allerdings haben frühere Studien darauf hingewiesen, dass niedrig dosierte Untersuchungen mittels Computertomographie (CT) dazu beitragen könnten, dass weniger Menschen an Lungenkrebs sterben. Die bisherigen Auswertungen waren aber nicht aussagekräftig genug. "Dazu müsste man das CT-Screening endlich mit einer lebensnahen Alternative vergleichen - der üblichen Betreuung", fordert Sox.

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