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Kunstfehler-Statistik 2012:Ärzte bestätigen fast 2300 Behandlungsfehler

Behandlungsfehler 2012

Verdacht auf Ärztepfusch: Mehr als 12.000 Mal beschwerten sich Patienten 2012 bei den Ärztekammern.

(Foto: dpa)

Mehr Patienten als in den Vorjahren haben sich 2012 über vermeintliche Behandlungsfehler bei der Ärzteschaft beschwert. Dabei treibt viele offenbar nicht der Wunsch nach Entschädigung an, sondern ein viel schlichteres Bedürfnis.

Hat der Arzt etwas übersehen? Hat er bei meiner Operation unsauber gearbeitet? 12.230 Mal wandten sich Patienten im vergangenen Jahr mit einem derartigen Verdacht an die Schlichtungsstellen der Ärztekammern. Die Zahl der Beschwerden ist damit die höchste innerhalb der vergangenen fünf Jahre. Im Vorjahr waren noch 1100 Vorwürfe weniger bei der Ärzteschaft eingegangen.

Dennoch bestätigten sich nicht mehr Verdachtsfälle als 2011. 2280 fehlerhafte Behandlungen stellten die ärztlichen Gutachter im vergangenen Jahr fest. 1890 von ihnen führten zu einem Gesundheitsschaden, der einen Entschädigungsanspruch rechtfertigte. 82 Menschen starben als Folge eines Kunstfehlers; ein Jahr zuvor waren 99 derartige Todesfälle zu beklagen.

Orthöpädie zieht die meisten Beschwerden auf sich

Wie auch in den vergangenen Jahren richtete sich der Großteil der Vorwürfe gegen Kliniken und dort wiederrum gegen die Bereiche Orthopädie und Unfallchirurgie. Die häufigsten Diagnosen, die zu Beschwerden führten, waren Knie- und Hüftgelenkarthrosen sowie Frakturen von Unterarm, Unterschenkel und Sprunggelenk.

"Fehler passieren, auch in der Medizin", sagte Andreas Crusius, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Schlichtungsstellen bei der Präsentation der Bilanz. Er verwies jedoch darauf, dass sich die Zahl der festgestellten Fehler - gemessen an der Gesamtmenge der ärztlichen Behandlungen - im Promillebereich bewege. Dies gelte auch dann, wenn man berücksichtige, dass die Statistik der Ärztekammern nur einen Bruchteil der tatsächlichen Fehler widergibt.

Denn Kunstfehler werden nicht nur der Ärzteschaft gemeldet, sondern auch den Krankenkassen. Deren Gutachter stellten im vergangenen Jahr rund 3900 Fehler fest - bei knapp 12.500 Verdachtsfällen. Ein Teil der Fälle landet auch bei Gerichten oder Haftpflichtversicherungen, ohne dort gezählt zu werden. Und schließlich dürfte es eine große, unbekannte Zahl an Vorkommnissen geben, die gar nicht bekannt werden, weil die Patienten nicht wissen, dass sie Opfer von Ärztpfusch wurden, weil sie die bürokratischen Mühen scheuen oder schlicht zu krank sind, um sich zu beschweren.

Elisabeth Goetz, Geschäftsführerin der Unabhängigen Patientenberatung Bremen, ermutigte Patienten, einem Verdacht auf jeden Fall nachzugehen. An die Adresse der Ärzte gerichtet, sagte sie, den Betroffenen gehe es in der Regel nicht primär um Schmerzensgeld, denn der Schaden sei ohnehin oft genug nicht wiedergutzumachen. Die Patienten "erwarten vielmehr eine offene Kommunikation und eine Beantwortung ihrer offenen Fragen. Daran hapert es leider - trotz sehr guter Ansätze - im Alltag des Medizingeschehens bis heute noch allzu oft."