Kinderkrankheiten:In den USA steigt die Zahl der Gürtelrosen-Fälle

Wenn aber infolge der Impfung keine echten Windpockenviren mehr kursieren, entfällt diese Anregung des Immunsystems. Es besteht also die Gefahr, dass in den kommenden Jahrzehnten deutlich mehr Menschen im Alter an Gürtelrose erkranken, vor allem diejenigen, die als Kind noch die echten Windpocken hatten. Erst wenn die geimpften Generationen ins Rentenalter kommen, könnte die Zahl wieder sinken. Vorausgesetzt, die Windpockenimpfung senkt langfristig das Risiko für Herpes Zoster. Zumindest zeitnah zur Impfung scheint das der Fall zu sein.

Im Fachmagazin Vaccine erschien kürzlich eine Bewertung zu den Folgen der Windpockenimpfung in den USA, die dort seit 1995 empfohlen wird. Die Analyse aller bisher verfügbaren Daten kommt zu dem Schluss, dass dort tatsächlich mehr Menschen an Herpes-Zoster erkranken. Hauptautor Gary Goldman hatte im Auftrag der Gesundheitsbehörden eine Region mit 300.000 Einwohnern untersucht.

Dort erhöhte sich etwa 2001 im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Gürtelrose-Erkrankungen in der Altersgruppe von 20 bis 59 Jahren um rund 29 Prozent - zu einem Zeitpunkt, als erstmals eine hohe Windpocken-Durchimpfungsrate erreicht worden war. Die US-Gesundheitsbehörden halten den Zusammenhang zwar nicht für erwiesen. Vielleicht sei gerade wegen der erhöhten Aufmerksamkeit der Anstieg beobachtet worden. Dennoch raten sie seit 2006 älteren Menschen, sich gegen Gürtelrose zu impfen.

Australische Krankenkassen zahlen seit 2005 die Windpockenimpfung für Kinder. Die Verschreibungen von Gürtelrose-Medikamenten und die Zahl der Klinikbesuche wegen Gürtelrose erhöhte sich danach jährlich in allen Altersgruppen über 20 Jahre um zwei bis sechs Prozent, berichtete das Fachmagazin Epidemiology and Infection 2011. Die Autoren empfehlen dringend weitere Untersuchungen, um die tatsächlichen Folgen der Windpocken-Impfung zu prüfen. Seit 2009 wird in Australien für Senioren die Impfung gegen Herpes Zoster empfohlen.

Nach Angaben der Epidemiologin Anette Siedler vom RKI gibt es in Deutschland bisher keinen Beleg für erhöhte Herpes-Zoster-Zahlen. Für den Fall einer Zunahme werden aber schon Lösungsmodelle durchgespielt. Denkbar sei es, die Empfehlung der Windpockenimpfung zurückzunehmen oder einzuschränken. Oder einfach zusätzlich die Impfung gegen Gürtelrose zu empfehlen.

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