Gleichgewichtsstörungen:Was Schwindel auslöst

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Schwindel kann viele Ursachen haben: Migräne, Kreislaufprobleme, eine neue Brille oder Angst. Er kann als Morbus Menière oder Lagerungsschwindel auftreten. Die häufigsten Formen und Ursachen.

Schwindel ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom verschiedener Erkrankungen. Die wichtigsten Schwindel-Ursachen im Überblick:

Gutartiger Lagerungssschwindel

Dies ist eine der häufigsten Schwindelformen. Die Schwindelattacken treten nur bei ganz bestimmten Bewegungen auf: beim Umdrehen im Bett, Hinlegen, Aufrichten oder Bücken. Oft versuchen Betroffene die Bewegungen zu vermeiden, doch im Schlaf gelingt ihnen das nicht, so dass Patienten nicht selten durch einen kurzen aber heftigen Drehschwindel erwachen. Er ist sehr unangenehm, aber harmlos. Ursache sind kleine Kristalle, die sich aus einer Membran im Gleichgewichtsorgan gelöst haben und bei bestimmten Kopfhaltungen Sinneszellen in den benachbarten Bogengängen reizen. Mit speziellen Bewegungen lassen sich die Steinchen aus den Bogengängen auch wieder herauskatapultieren. Diese Übungen - Lagerungsmanöver genannt - sehen recht wild aus: Der Patient muss sich von einer Seite auf die andere werfen. Sie verstärken vorrübergehend den Schwindel, doch wer sich überwindet und die Übungen drei Wochen lang täglich ausführt, wird die Beschwerden in den allermeisten Fällen wieder los.

Phobischer Schwankungsschwindel

Die Betroffenen erleben plötzlich das Gefühl zu schwanken, zu kippen oder unsicher auf ihren Beinen sein, sie können sich benommen fühlen. Typisches Kennzeichen ist die starke Angst, die die Schwindelattacken begleitet. Sie führt häufig zu einer furchtsamen Erwartungshaltung vor der nächsten Attacke. Der Schwindel ist häufig an bestimmte Situationen und Orte gekoppelt: an Brücken, große Plätze, Warteschlangen oder Auftritte in der Öffentlichkeit. Viele Betroffene versuchen diese Situationen zu vermeiden. Aufklärung, Psychotherapie und Gleichgewichtstraining helfen ihnen.

Morbus Menière

Die Erkrankten erleben wiederkehrende Anfälle von minuten- bis stundenlangem Drehschwindel. Die Attacken werden von Ohrgeräuschen, Hörschwierigkeiten und häufig einem Druckgefühl im Ohr begleitet. Auch Übelkeit und Erbrechen können auftreten. Erst seit Kurzem kann man die Erkrankung durch eine Aufnahme im Kernspintomografen nachweisen. Ihre genauen Ursachen sind unbekannt. Bei vielen Patienten nimmt die Frequenz der Schwindelattacken im Verlauf der Krankheit erst zu und dann wieder ab. Zur Behandlung werden verschiedene Medikamente eingesetzt.

Neuritis vestibularis

Diese Störung äußert sich meist dramatisch. Die Patienten werden sehr plötzlich von einem heftigen Drehschwindel, Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbrüchen geplagt. Ihre Augen rasen ruckartig hin und her, oft kommen sie kreidebleich mit dem Krankenwagen in die Notaufnahme. Beim Sitzen oder Stehen drohen sie zu einer Seite zu fallen. Als Ursache wird eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs (Nervus vestibularis) angenommen. Die Beschwerden dauern Tage bis Wochen, bessern sich jedoch in den meisten Fällen wieder. Verschiedene Medikamente und Gleichgewichtstraining können die Heilung unterstützen.

Migräne

Einem Migräneanfall können Dreh- und Schwankschwindel vorausgehen. In einigen Fällen tritt der Schwindel auch ohne Kopfschmerzen auf . Dann ist die Ursache nur schwer zu finden. Neurologen beobachten jedoch bei Betroffenen häufig leichte Störungen der Augenbewegung, die wichtige diagnostische Hinweise geben können. Zur Vorbeugung können die gleichen Medikamente eingesetzt werden wie zur Prophylaxe der klassischen Migräne, beispielsweise Betablocker.

Probleme der Augen

Werden Schwindelgefühle beim Schließen der Lider besser, ist der Augenarzt der richtige Ansprechpartner. Mitunter ist eine neue Brille mit wesentlich stärkeren oder Gleitsichtgläsern die Ursache. Sie verzerrt die Wahrnehmung leicht und führt somit zu Schwindel. In der Regel bessern sich die Beschwerden nach spätestens drei Wochen von allein. Ansonsten muss die Brille neu angepasst werden. Auch ein Schielen kann zu Schwindelgefühlen führen. Es kann angeboren, durch bestimmte Erkrankungen erworben oder durch eine fehlende oder falsche Brille ausgelöst sein. Bei diesen Fällen helfen oft ebenfalls eine Brillenkorrektur, bisweilen auch eine Operation der Augenmuskeln.

Herz-Kreislauf-Beschwerden

Manchmal klagen Patienten über Schwindel mit Ohnmachtsgefühlen: Sie spüren ein Flimmern vor den Augen; manche verlieren auch kurzfristig das Bewusstsein. In solchen Fällen ist die Blutzufuhr zum Gehirn vermindert. Das Symptom kann harmlos sein, viele Menschen erleben es beispielsweise, wenn sie sich zu schnell aufrichten und für einen Moment nicht genug Blut im Hirn ankommt. Es kann aber auch auf eine Gefäßverengung oder eine Funktionsstörung des Herzens hinweisen, sagt der Münchner Kardiologe Thomas von Arnim. So können Schwindel und kurzfristige Ohnmachten auf eine Verengung der Aortenklappe hindeuten. Solche Entwicklungen sind gefährlich und müssen vom Facharzt genau abgeklärt werden, warnt der Mediziner.

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