Gesundheit:Minister Hoch macht sich für mehr Psychotherapieplätze stark

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Clemens Hoch (SPD). (Foto: Arne Dedert/dpa/Archivbild)

Die Wartezeiten auf eine Psychotherapie sind zu lang. Besonders für Kinder und Jugendliche. Gesundheitsminister Hoch appelliert an die Bundesregierung - und macht drei kurzfristig umsetzbare Vorschläge.

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Mainz (dpa/lrs) - Die Folgen der Corona-Krise, die Unmittelbarkeit des Krieges in der Ukraine, finanzielle Sorgen sowie die Diskussion über die Klimakatastrophe und Zukunft machen nach Einschätzung von Experten vielen Menschen zu schaffen. „Gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit warten viele dringend auf einen Therapieplatz“, sagte der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. „Bei der psychotherapeutischen Bedarfsplanung gibt es echten Handlungsdruck.“ Die Wartezeiten auf einen Termin liegen laut Landespsychotherapeutenkammer derzeit - je nach Region - bei mehr als fünf Monaten.

Der SPD-Politiker fordert die Bundesregierung in einem Brief an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (auch SPD) auf, bereits im Vorgriff auf die im Koalitionsvertrag festgelegte grundlegende Reform der psychotherapeutischen Bedarfsplanung aktiv zu werden und für mehr Therapieplätze - insbesondere für Kinder und Jugendliche - zu sorgen. Hoch sieht dafür drei Möglichkeiten, die mit Gesetzesänderungen oder Entscheidungen des Gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten und Krankenkassen (GBA), des höchsten Gremiums der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen, kurzfristig die Lebenssituation der Menschen verbessern könnten. „Die Zeit drängt“, betonte er.

Ein Ansatzpunkt sei das Verhältnis der zugelassenen Psychotherapeutenkassensitze zur Einwohnerzahl, sagte Hoch. „Nach den Vorgaben des GBA kommt in zentralen Orten ein Therapeut auf 3173 Einwohner, im Umland dieser Großstädte kommt einer auf 6390 Einwohner. Die Zahl ist viel höher, weil man davon ausgeht, dass auch Menschen aus den ländlichen Regionen zu einem Arzt beziehungsweise Psychotherapeuten in der Großstadt gehen“, erläuterte Hoch. „In den rein ländlichen Bereichen kommt ein Therapeut auf 5754 Einwohner.“

Rheinland-Pfalz als ländlich geprägtes Bundesland habe vielerorts daher sehr wenige Kassensitze für Psychotherapeuten. Wenn das Verhältnis in den Regionen auf einen Therapeuten pro 4500 Einwohner erhöht werden könnte, entstünden rund 140 zusätzliche Kassensitze. „Für die Wartezeiten wäre das schon eine ziemlich große Entlastung“, sagte Hoch. Im Gegensatz zu anderen medizinischen Berufen gebe es zudem keinen Fachkräftemangel. „Wir haben genügend ausgebildete Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen, die aber keine Kassenzulassung haben.“

Aus Sicht der Landespsychotherapeutenkammer (LPK) fehlen mindestens 200 zusätzliche Kassensitze, um eine angemessene psychotherapeutische Versorgung gewährleisten zu können. Darunter müssten nach Einschätzung der Kassenärztlichen Vereinigung rund 40 bis 50 Sitze für Kinder-und Jugendlichenpsychotherapeuten sein, sagte eine LPK-Sprecherin.

Ebenfalls rund 140 Kassensitze könnten geschaffen werden, wenn die rechnerische Überversorgung weiter gefasst werde „und wir nicht bei 110 Prozent weitere Zulassungen sperren, sondern erst bei 140 Prozent“, erklärte Hoch seinen zweiten Vorschlag. Dies würde zwar nicht nur den Vorteil in ländlichen Regionen bringen, sondern sich anders verteilen. „Aber in Rheinland-Pfalz sind die Wege auch nicht so weit.“

„Die dritte Möglichkeit wäre, wenn die psychiatrischen Krankenhäuser oder Fachabteilungen, die eine stationäre psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung anbieten, für eine Übergangszeit eine sogenannte Institutsermächtigung bekämen“, sagte Hoch. „Dann könnten die Ärzte und Ärztinnen und die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die im Krankenhaus tätig sind, auch ambulante psychotherapeutische Angebote machen, und wir würden darüber hinaus sogar noch die Krankenhausstandorte stärken.“

© dpa-infocom, dpa:221120-99-588894/3

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