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Gesundheit in den OECD-Staaten:In Deutschland wird überdurchschnittlich viel operiert

Gemessen an solchen Entwicklungen bescheinigt der Bericht Deutschland überwiegend positive Entwicklungen. Obwohl allenthalben über Klinikschließungen und Personalmangel geklagt wird, hat Deutschland noch immer überdurchschnittlich viele Krankenhausbetten, Ärzte und Pflegekräfte. Auf 1000 Einwohner kommen OECD-weit 8,8 Pfleger, in Deutschland sind es 11,4. Was die Zahl der Krankenhausbetten betrifft, liegt Deutschland auf Platz drei, hinter Japan und Südkorea. Diese Betten nutzen die Deutschen auch weidlich. Nur die Österreicher werden noch häufiger im Krankenhaus behandelt als die Bundesbürger.

Dass dies nicht in jedem Fall zum Vorteil sein muss, deuten die Autoren an. Bei einer ganzen Reihe von Operationen - am Herzen, bei Knie- und Hüftgelenken - liegt Deutschland jeweils auf den vorderen Plätzen. Dass dies nicht allein mit medizinischer Notwendigkeit erklärt werden kann, zeigt ein Blick auf die sehr unterschiedliche regionale Verteilung der Operationen. So werden in manchen Regionen acht Mal mehr Bypässe gelegt als in anderen. Beim Kniegelenkersatz differieren die Zahlen um den Faktor 3,5.

Dies ist eine weitere Botschaft des Berichtes: Während auf der einen Seite gespart wird, gibt es auf der anderen Seite zu viele fragwürdige Behandlungen. So ist die Rate der Kaiserschnitte in den OECD-Staaten zwischen 2000 und 2011 von 20 auf 27 Prozent aller Geburten gestiegen. Die Unterschiede sind enorm: Während sie in Island nur bei 15 Prozent liegt, kommt in Mexiko fast jedes zweite Kind per Skalpell auf die Welt. Deutschland liegt mit mehr als 30 Prozent über dem OECD-Durchschnitt.

Ähnlich liegt der Fall bei den Antidepressiva. Die Psychopharmaka werden immer häufiger verschrieben. In Deutschland wurde ein Anstieg um 46 Prozent allein zwischen 2007 und 2011 beobachtet. Dennoch liegt Deutschland unter dem OECD-Durchschnitt, andere Länder verschreiben die Medikamente viel häufiger und zunehmend auch in Fällen, bei denen nicht ganz klar ist, wie sinnvoll sie sind. Leichtere Depressionen oder soziale Phobien gehören dazu.

© Süddeutsche.de/mcs/rus
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