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Fußball und Geburtenrate:Generation Iniesta

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Fußballerische Glanzleistungen - hier Iniesta bei der WM 2010 - können auch bei den Fans weitreichende Folgen haben.

(Foto: AFP)

Führt der Freudentaumel von Fußballfans zu mehr Nachwuchs in ihren Familien? Forscher haben die Nachwirkungen eines legendären Iniesta-Tors untersucht.

Von Katrin Blawat

Der 6. Mai 2009 war ein folgenreicher Tag. Für den britischen Fußballclub Chelsea, weil er buchstäblich in letzter Minute den Einzug in das Endspiel der Champions League verpasste. Für den FC Barcelona, weil er sich dank eines Tores von Andrés Iniesta noch knapp ins Finale rettete. Und schließlich für die Bevölkerung in einigen katalonischen Gemeinden: Neun Monate nach dem Spiel gab es dort einen ungewöhnlich starken Bevölkerungszuwachs. 45 Prozent mehr Kinder als üblich seien im Februar 2010 geboren worden, berichteten katalonische Lokalsender nach Umfragen in Kliniken.

Nun wurde dieser Zahlenangabe endlich mit wissenschaftlichen Methoden nachgegangen. Entstanden unmittelbar nach dem Spiel ungewöhnlich viele Kinder - vielleicht sogar eine ganze "Iniesta-Generation"? Der passende Rahmen für dieses Thema ist die Weihnachtsausgabe des British Medical Journal. Kurz vor Jahresende schaffen es bunte Themen in die renommierte Zeitschrift, die sonst nicht zum Kernbetrachtungsgebiet der Wissenschaft gehören, wie die mutmaßliche Alkoholabhängigkeit James Bonds sowie Teenager, die meinen ohne Sex schwanger geworden zu sein.

Zumindest für die Gemeindeverbände Solsones und Bages könne man tatsächlich von einer Iniesta-Generation sprechen, schreibt das Team um Jesus Montesinos von der Xarxa Assistencial Universitaria de Manresa in Barcelona. Allerdings fällt der von ihnen ermittelte Geburtenzuwachs nicht ganz so spektakulär aus; 16 Prozent mehr Neugeborene ermittelte die Studie in den genannten Gemeinden. Als Referenz dienten die dortigen monatlichen Geburtenzahlen von 2007 bis 2011.

Entscheidend für das Ergebnis war die Auswahl des Untersuchungsgebietes. Dieses schließt auch die Geburtsstadt des damaligen Barça-Trainers Josep Guardiola ein. Daher erscheine es "gerechtfertigt anzunehmen, dass die Bevölkerung ein erhöhtes Maß an Enthusiasmus für Barça empfindet".

Doch schon in Barcelona ist die Begeisterung offenbar merklich geringer - anhand der dortigen Geburten ließ sich kein Iniesta-Effekt feststellen. Unter anderem dies wird Skeptiker bestärken, das wissen auch die Forscher. Daher ihr Vorschlag: "Es wäre sehr hilfreich, wenn Iniesta bereit wäre, seine Intervention zu wiederholen - auch wenn dies der Referenzgruppe (Chelsea) schaden könnte."

© SZ vom 18.12.2013/beu

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