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Falsche Todesdiagnosen in Krankenhäusern:Widerspruch von der Stiftung Organspende

Die Anforderungen an die Hirntoddiagnose sind in Deutschland daher besonders hoch: So müssen die Gesamtfunktionen des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms irreversibel ausgefallen sein.

Für die Transplantationsmedizin ist es deshalb zwingend nötig, dass sich Menschen auf die Hirntoddiagnosen verlassen können. Deshalb hängt vom Umgang mit Hirntoten in deutschen Krankenhäusern auch die Bereitschaft der Menschen zur Organspende ab. Deshalb ist es so wichtig, dass hier keine Fehler gemacht werden.

Wer den Hirntod feststellen will, muss sich daher an wichtige Regeln halten: Alle Umstände, die das Gehirn nur betäuben - Medikamente, eine zu niedrige Körpertemperatur, Koma oder Vergiftung -, müssen zum Beispiel bei der Diagnose zwingend ausgeschlossen sein. In mehreren der SZ vorliegenden Fällen aber wurde der Hirntod bestimmt, obwohl die Patienten gerade erst mit starken Schmerzmitteln wie Sufentanil oder Propofol betäubt worden waren.

"Die Ausbildung der Ärzte hat ein starkes Qualitätsdefizit"

Die Hirntoddiagnostik in Deutschland sei sicher, betont DSO-Vorstand Rainer Hess trotz allem. Nur in zwei Fällen sei es in den vergangenen Jahren nach einer fehlerhaften Hirntodfeststellung auch zur Organentnahme gekommen. Beide Male, auch bei dem Kleinkind, habe sich später gezeigt, dass die Spender bei der Organentnahme tatsächlich hirntot gewesen seien, auch wenn es Mängel bei der Diagnostik gegeben habe. Die Zahl der weiteren der SZ vorliegenden Fälle belaufe sich nicht einmal auf ein Prozent der in diesem Zeitraum durchgeführten Hirntoddiagnostiken, betonte Hess. Außerdem seien sie ja durch die DSO-Mitarbeiter entdeckt worden. All dies zeige, "dass die Handhabung von Zweifelsfällen vorbildlich verläuft und die Koordinatoren ihrer formalen Kontrollfunktion umfänglich nachkommen".

Auch die Vorsitzenden der drei Kontrollkommissionen des Transplantationswesens betonen in einem gemeinsamen Schreiben an die SZ, die Qualität der Hirntodfeststellung sei "gesichert und sehr hoch". Weltweit habe es "nach Angaben der Bundesärztekammer keine Feststellungen über getroffene Fehldiagnosen" gegeben, "soweit der Hirntod nach den Richtlinien zur Feststellung des Hirntodes festgestellt wurde".

Die SZ-Recherchen belegen aber gerade Fälle, in denen diese Regeln nicht eingehalten wurden. Außerdem werden naturgemäß nur solche Fälle bekannt, in denen die mangelhafte Hirntoddiagnostik überhaupt auffällt und Konsequenzen hat.

Für die Organspende wird der Hirntod in Deutschland pro Jahr bei etwa 2000 Menschen diagnostiziert. Das ist in allen 1200 Krankenhäusern mit einer Intensivstation möglich. Denn der Hirntod kann nur festgestellt werden, solange der Körper des Betroffenen beatmet wird. Das Herz schlägt in diesem Zustand noch weiter, die Haut wird durchblutet. Auch andere Körperfunktionen werden aufrechterhalten. So wurden auch schon Schwangerschaften bei Hirntoten fortgeführt.