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Veganismus:Ernährungsforscher: Vegane Kost reicht nicht

Gemüseburger

Pflanzliche Produkte enthalten zu wenig B12, kritisiert die DGE.

(Foto: Sonja Marzoner)
  • Rein vegane Ernährung führe zu Nährstoffmangel, kritisiert die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in einem Positionspapier.
  • Bei vielen Veganern ließe sich etwa ein B12-Mangel feststellen.
  • Schwangeren, Stillenden, Jugendlichen, Kindern und Säuglingen rät die DGE daher gänzlich von einer veganen Ernährung ab.

Von Hanno Charisius

Weiblich, jung, gebildet - und potenziell mangelernährt, so charakterisiert die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) einen großen Teil der Menschen, die sich vegan ernähren, also keinerlei Lebensmittel tierischer Herkunft zu sich nehmen. "Bei einer rein pflanzlichen Ernährung ist eine ausreichende Versorgung mit einigen Nährstoffen nicht oder nur schwer möglich", schreiben die Experten in einem Positionspapier.

Am kritischsten sei die Versorgung mit Vitamin B12, was für informierte Veganer keine Neuigkeit sein dürfte. Einige Aminosäuren, manche langkettige Fettsäuren sowie weitere Vitamine und Mineralstoffe wie Kalzium, Eisen, Jod, Zink oder Selen tauchen nach Ansicht der Experten ebenfalls zu knapp in veganer Kost auf. Aus diesem Grund rät die DGE auch Schwangeren, Stillenden, Säuglingen, Kindern und Jugendlichen gänzlich von einer veganen Ernährungsweise ab.

B12-Mangel bei Veganern

Laut DGE ernähren sich zwischen 0,1 und 1 Prozent der Deutschen ausschließlich von pflanzlicher Kost, genauer sei die Zahl nicht bekannt. Weil in solchen Lebensmitteln zu wenig für den menschlichen Körper verwendbares Vitamin B12 enthalten ist, rät die Gesellschaft zu Nährstoffpräparaten. Bei Blutuntersuchungen sei in der Vergangenheit bei Veganern immer wieder Vitamin-B12-Mangel gemessen worden. Auch fermentiertes Gemüse wie etwa Sauerkraut könne den Bedarf nicht decken.

Laut DGE gibt es Hinweise, dass ein Mangel an Vitamin B12 vor der Empfängnis das Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft erhöht und auch für das Neugeborene schlecht sein kann. Nehmen Mütter, die sich vegan ernähren, auch während der Stillzeit keine Vitamin-B12-Präparate, drohen ihren Kindern möglicherweise neurologische Schäden.

Eine rein vegane Kost könne zwar ernährungsphysiologisch günstig sein, betont die DGE. Das gilt aber nur, wenn sie ausgewogen ist. Deshalb empfiehlt die Gesellschaft Menschen, die vegan leben möchten, eine Beratung durch eine Ernährungsfachkraft und rät, die kritischen Nährstoffe regelmäßig ärztlich überprüfen zu lassen.

© SZ vom 14.04.2016/chrb

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