Ebola US-Forscher wollen Cholesterinsenker einsetzen

Eine Krankenschwester in Liberia misst die Temperatur einer Mutter. Fieber ist ein Symptom von Ebola.

(Foto: dpa)

Im Kampf gegen Ebola bringen US-Wissenschaftler eine neue Idee ins Spiel: Cholesterin- und Blutdrucksenker sollten zur Bekämpfung der Symptome eingesetzt werden. Unter Experten regt sich Widerstand.

Von Felix Hütten

Manchmal ist die Lösung ganz nah - und doch sieht sie niemand. Diese Botschaft schreibt David Fedson unter seine Forschungsergebnissse. Der emeritierte Virologe hat eine Idee, mit der man Ebola-Patienten schnell, einfach und kostengünstig helfen könnte.

Am Dienstag hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO bekannt gegeben, bisher nicht zugelassene Medikamente im Kampf gegen das Virus einsetzen zu wollen. Experten diskutieren, ob es vertretbar ist, nicht getestete Arzneien an Menschen einzusetzen. Und wenn ja: Wer bekommt die knappen Wirkstoffe - und wer nicht?

Angesichts des moralischen Dilemmas fordert Fedson gemeinsam mit seinem Kollegen Steven Opal von der Brown University, für andere Krankheiten zugelassene Medikamente im Kampf gegen Ebola einzusetzen. Wenn man schon das Virus im Körper nicht mit Medikamenten besiegen könne, sagt Fedson, so müsse man wenigstens die Symptome in den Griff bekommen. Ebola-Patienten leiden an Fieber und Schmerzen, ausgelöst durch eine Immunreaktion des Körpers. Im weiteren Verlauf der Erkrankung treten Symptome auf, die von einer schweren bakteriellen Infektion (Sepsis) bekannt sind. Fedson will diese Symptome mit sogeannten Statinen und ACE-Hemmern bekämpfen.

Experten warnen vor falscher Hoffnung

Die Idee mag zunächst verwunderlich klingen: Solche Medikamente werden üblicherweise gegen zu hohe Cholesterin- und Blutdruckwerte eingesetzt. Nach jüngsten Erkenntnissen aber zeigen sie offenbar auch Wirkung bei schweren Entzündungsreaktionen im Körper. 2012 konnten britische Forscher in einer Studie zeigen, dass der Cholesterinsenker Atorvastatin Wirkung in der Behandlung einer Sepsis zeigt. Statine sollen demnach körpereigene Interleukin-Botenstoffe beeinflussen, die bei einer Immunreaktion des Körpers eine wichtige Rolle spielen.

Fedson hat unterdessen einen offenen Brief an die New York Times geschickt, der SZ.de vorliegt. Der Brief soll in den nächsten Tagen abgedruckt werden. Fedson und weitere 29 namhafte Wissenschaftler fordern darin, Statine und Blutdrucksenker im Kampf gegen Ebola einzusetzen. "Seitdem wir wissen, dass viele Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen, sicher sind, sollte uns nichts aufhalten, sie auch zu verwenden", heißt es darin.

Hans-Dieter Klenk von der Universität Marburg sieht ebenfalls eine Chance in der Behandlung von Ebola-Patienten mit Statinen. Allerdings warnt er vor zu großer Hoffnung: Der Einsatz dieser Wirkstoffe sei kein Allheilmittel gegen Ebola. Nach bisherigen Erkenntnissen könnten Statine zwar die Entzündungssymptome einer Ebola-Erkrankung mildern. Das Virus aber wird von den Medikamenten nicht angegriffen. "Letztlich ist das eine symptomatische Therapie", sagt Klenk. Fedsons Forderung sei dennoch richtig - nur müsse man der Entwicklung von Antikörper-Medikamenten wie ZMapp höhere Priorität einräumen.

Niemand kennt die Chancen auf Erfolg

Andere Experten sehen Fedsons Vorschlag dagegen kritisch. Bislang haben Mediziner wenig Erfahrung mit Statinen im Einsatz von Viruserkrankungen sammeln können. Klenk gibt zu bedenken, dass man die Erfolgschancen von Statinen noch nicht sicher einschätzen kann.

Im Wissenschaftsmagazin Science warnt Ebola-Forscher Thomas Geisbert von der Universität Texas vor Fedsons Idee. "Ich kann das absolut verstehen, wir alle wollen im Moment etwas tun. Ich habe so viele Dinge gesehen, die vielversprechend klingen, aber nicht mal in Tierversuchen funktionieren", sagt Geisbert. Dies sei auch bei Fedsons Statin-Idee der Fall.

Ohnehin warnen einige Wissenschaftler und Hilfsorganisationen davor, die Ebola-Epidemie als Versuchslabor für neue Therapieansätze zu nutzen. Der Glaube an westliche Medizin ist in vielen Regionen Afrikas schon lange erschüttert - geht der Einsatz eines nicht getesteten Medikaments schief, könnte dies das Vertrauen der Menschen gänzlich zerstören. Fedson und seine Mitstreiter halten dagegen: "Die Herausforderungen von Ebola sind zugleich eine Chance, die Behandlung weltweit schwerkranker Menschen zu verändern".

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