Ebola:Chaos und versickerte Gelder

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Juli bis Ende 2014: "Fünf-Milliarden-Dollar-Chaos"

Spätestens im Juli 2014 ließ sich nicht mehr übersehen, dass die Situation nicht mehr beherrschbar war. Die WHO rief endlich den internationalen Gesundheitsnotstand aus - und prompt schränkten 40 Länder und viele Privatunternehmen Reisen und Handel mit den betroffenen Staaten ein. Sie ergriffen genau die Maßnahmen, die Länder davon abhalten, Ausbrüche zu melden.

Zugleich liefen im großen Stil Spenden- und Hilfsaktionen an, nur leider vollkommen unkoordiniert. Es wurde eine UN-Mission zur Ebola-Bekämpfung ins Leben gerufen, die losgelöst von dem bereits seit langem bestehenden UN-Nothilfekoordinator und anderen humanitären Einrichtungen agierte. Im Prinzip, so die Autoren der Studie, begann ein "Fünf-Milliarden-Dollar-Chaos", das wiederum zu unnötigen Verzögerungen in der Seuchenbekämpfung führte.

Seit Ende 2014: Niemand weiß, wo die Hilfsgelder sind

Ende 2014 kündigte sich eine Trendwende an. Die Opferzahlen sanken. Und langsam stellte sich die Frage, wo die insgesamt zugesagten fünf Milliarden Dollar Hilfsgelder geblieben sind. Von den drei Milliarden, die bis September 2014 versprochen wurden, waren bis Ende des selben Jahres lediglich ein Drittel in Westafrika angekommen. Wer gezahlt hat und wer säumig blieb, weiß keiner. Nicht einmal die EU-Kommission hat ein System, mit dem sich die Auszahlung von Hilfsgeldern verfolgen lässt. China verkündete, es sei nicht in der Lage, die Geldflüsse nachzuvollziehen - und erklärte einfach alle Zusagen für eingehalten, schreibt die Organisation ONE, die versucht hat, die Spenden nachzuvollziehen. Ebenso unklar blieb, wer die eingegangenen Gelder wofür verwendete. Solche Intransparenz verhindert effektive Hilfe und schmälert Vertrauen.

Am Ende ihrer ernüchternden Bilanz legen die Forscher eine Liste von zehn Empfehlungen für die Zufkunft vor. Der Großteil betrifft die Rolle und Ausstattung der WHO als führende Organisation der Infektionskontrolle. Und doch scheinen die Wissenschaftler selbst nicht allzu optimistisch auf kommende Epidemien zu blicken. Ashish Jha räumt ein hohes Risiko ein, dass die Welt aus Ebola nichts lernt. "Wir hatten auch zuvor große Ausbrüche und gründliche Auswertungen. Aber die Welt vergisst schnell."

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