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Coronavirus:Neues Testverfahren für Covid-19 mit Genschere

dpa-Story - Wie Crispr unsere Welt verändert

Ein Schritt des CRISPR/Cas9-Verfahrens im Labor.

(Foto: Gregor Fischer/dpa)

Dank Crispr-Technologie kann der Nachweis besonders einfach und schnell erfolgen. Die Methode ist preiswert.

Von Kathrin Zinkant

Schnell, günstig, kinderleicht und präzise - diese Attribute der Genschere Crispr-Cas soll künftig auch ein Test auf das Coronavirus in sich vereinen. Entwickelt wurde der Test mit dem Namen "StopCovid" von Genetikern des Broad Institute in Cambridge, Massachusetts. Und der Test macht schon jetzt Schlagzeilen: Keine Woche, nachdem der Test in einer Pressemitteilung des angesehenen Instituts vorgestellt wurde, hat die US-Arzneimittelbehörde eine Schnellzulassung erteilt. Am gleichen Tag hatten die Wissenschaftler um den Genscheren-Experten Feng Zhang das ausführliche Manuskript zu StopCovid auf dem Preprint-Server MedRxiv noch mit dem Hinweis veröffentlicht, dass der Test mangels Zulassung nur für Forschungszwecke einzusetzen sei.

Das neue Verfahren soll sehr einfach sein. Zur Not kann man ein Küchengerät verwenden

Das ist nun nicht mehr der Fall. Der Test, für den kein Labor und keine der vielerorts knappen Reagenzien der üblichen Verfahren nötig sind, soll jetzt rasch kommerziell von Sherlock Enterprises hergestellt werden, einer von Zhang und seinen Mitarbeitern vor zwei Jahren gegründeten Biotech-Firma. Wahrscheinlich wird das Testkit die Form einer Kartusche haben, in die lediglich die Probe hinein muss. Für die Testreaktion selbst ist dann nur ein temperierfähiges Wasserbad nötig. Sogar ein Sous-Vide-Küchengerät, das eigentlich dazu da ist, Lebensmittel schonend zu garen, sei geeignet. Die nötige Temperatur beträgt 60 Grad, das Ergebnis erhält man nach einer guten Stunde.

Das System selbst fußt auf einer gut drei Jahre alten Crispr-Technologie und ist so vereinfacht worden, dass in einem einzigen Schritt sowohl Abschnitte des Viruserbguts vermehrt werden, als auch die Erkennung der vervielfältigten Erbgutabschnitte über das Crispr-Konstrukt erfolgt. Die Genschere allerdings schneidet, sobald sie das Virus erkannt hat, kein Erbgut, sondern ein "Reportermolekül". Es setzt durch den Schnitt einen Farbstoff frei, der das Ergebnis sichtbar macht, ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest.

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Laut Preprint-Manuskript weist der Test zuverlässig Proben mit mehr als 100 Viruskopien nach, in der eigenen Untersuchung der Forscher konnten Proben von zwölf Infizierten und drei Gesunden zuverlässig unterschieden und diagnostiziert werden - was bislang lediglich auf eine gewisse Treffsicherheit hinweist. Dem Wissenschaftsportal Stat sagte Zhang jedoch, der Test sei theoretisch sogar zu Hause oder am Arbeitsplatz durchführbar und werde nicht viel kosten. Falls er bald auf den Markt kommt, könnte er jedenfalls ein Problem lösen, das insbesondere den USA im Kampf gegen Sars-CoV-2 zu schaffen macht. Denn den Amerikanern gehen in der eskalierenden Krise die Reagenzien für die aufwendigeren PCR-Tests in den Labors aus. Dennoch gilt für den neuen, einfachen Crispr-Test das gleiche wie für die vielen anderen Analysen mit Schnellzulassung: Wie gut er wirklich ist, wird die Praxis zeigen.

© SZ vom 13.05.2020
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