bedeckt München 11°

Pandemie:USA lehnen Teilnahme an weltweiter Initiative für Corona-Impfstoff ab

Tübinger Impfstoff-Studie

Sarah Gilbert war von der Harmlosigkeit ihres Impfstoffs bisher so überzeugt, dass sie sogar ihre erwachsenen Kinder damit impfen ließ.

(Foto: Christoph Schmidt/dpa)

Mehr als 170 Länder befinden sich derzeit in Gesprächen über das Projekt "Covax", das einen weltweiten fairen Zugang zu Corona-Vakzinen sichern soll.

Von Matthias Kolb und Christian Zaschke

Die USA nehmen nicht an der internationalen Initiative "Covax" teil, die einen fairen weltweiten Zugang zu Covid-19-Impfstoffen garantieren soll. Ein Sprecher des Weißen Hauses teilte mit, man werde zwar mit internationalen Partnern zusammenarbeiten, lasse sich jedoch nicht einschränken von multilateralen Verbünden, die "von der korrupten Weltgesundheitsorganisation (WHO) und von China" beeinflusst würden. Der Schritt wird als weiteres Beispiel der "America first"-Politik von US-Präsident Donald Trump gewertet.

Mehr als 170 Länder befinden sich derzeit in Gesprächen darüber, an der Covax-Initiative teilzunehmen. Ziel ist eine enge Zusammenarbeit, sobald sich ein Impfstoff als effektiv und sicher herausgestellt hat. Bis Ende 2021 sollen zwei Milliarden Impfdosen hergestellt werden, mit denen zunächst vor allem Pflegekräfte und besonders gefährdete Menschen in sämtlichen teilnehmenden Ländern geschützt werden sollen. Dass die USA an diesem Projekt nicht teilnehmen werden, gilt als Rückschlag. Die US-Regierung setzt offenbar darauf, dass es dem Land als erstes gelingt, einen Impfstoff zu entwickeln.

In Brüssel wurde die Ankündigung Washingtons nicht direkt kommentiert. Zu Beginn der Woche hatte Ursula von der Leyen verkündet, dass die EU-Kommission Covax beitreten wolle und diese mit einem Haftungsbeitrag von 400 Millionen Euro unterstützen werde. "Eine Pandemie können wir nur im Rahmen einer globalen Zusammenarbeit überwinden", sagte die Kommissionschefin am Montag. Ähnlich argumentierte eine Sprecherin am Mittwoch: "Unsere wichtigste Priorität ist ein Impfstoff, der für alle Menschen in Europa und auf der ganzen Welt verfügbar ist." Die EU-Kommission sei "sehr offen" für eine Zusammenarbeit mit den USA in Fragen von Forschung und Entwicklung und verfüge über entsprechende Kanäle.

Aktuelles zum Coronavirus - zweimal täglich per Mail oder Push-Nachricht

Alle Meldungen zur aktuellen Lage in Deutschland und weltweit sowie die wichtigsten Nachrichten des Tages - zweimal täglich mit SZ Espresso. Unser Newsletter bringt Sie morgens und abends auf den neuesten Stand. Kostenlose Anmeldung: sz.de/espresso. In unserer Nachrichten-App (hier herunterladen) können Sie den Espresso oder Eilmeldungen auch als Push-Nachricht abonnieren.

Deutlicher äußerte sich der Europa-Abgeordnete Peter Liese (CDU): "Diese Entscheidung kommt nicht überraschend, sie ist typisch Trump", sagte er. Der gesundheitspolitische Sprecher der christdemokratischen EVP-Fraktion hatte die WHO mehrmals aufgefordert, Fehler aus der Anfangszeit der Corona-Pandemie zuzugeben. Trump habe mit seiner Kritik an der UN-Organisation nicht völlig unrecht, aber es sei "absolut falsch, die multilaterale Zusammenarbeit" zu beenden, sagte Liese. Der Arzt rechnet damit, dass in den kommenden Monaten mehrere Impfstoffe zugelassen werden und spätestens im Frühjahr das Schlimmste überstanden sei.

Unterdessen denkt China über einen Beitritt zur Covax-Initiative nach. Deren Ziel werde von China geteilt, hieß es aus dem Außenministerium in Peking.

© SZ
Coronavirus - Virus Sars-CoV-2

Medizin
:Welche Medikamente helfen gegen Sars-CoV-2?

Auf dem Weg durch die Zelle gibt es viele Möglichkeiten, das Coronavirus zu stoppen. Ein Überblick.

Text: Felix Hütten, Infografik: Sarah Unterhitzenberger

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite