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Covid-19:Schulen in Israel nach wenigen Wochen erneut geschlossen

FILE PHOTO: Students enter their elementary school in Sderot as it reopens following following the ease of restrictions preventing the spread of the coronavirus disease (COVID-19)

Masken allein reichen nicht aus: Grundschüler in Sderot.

(Foto: REUTERS)

Steht Israel vor einer zweiten Corona-Welle? Unter Schülern häufen sich die Ausbrüche von Covid-19.

Gibt es eine zweite Welle von Corona-Infizierungen in Israel? Nach Einschätzung von Ron Balicer, Direktor der größten Gesundheitseinrichtung des Landes, gibt es "mehrere Warnsignale", die in diese Richtung deuten. Eine definitive Antwort wollen der Mediziner und auch andere Wissenschaftler in Israel noch nicht geben. Aber die Entwicklung beunruhigt auch sie.

Zu den Warnsignalen gehört ein seit Tagen anhaltender Trend, der eine starke Zunahme von Neuinfektionen zeigt. Am 28. Mai erhöhte sich die Zahl sprunghaft von vier auf mehr als hundert - der stärkste Anstieg seit Anfang Mai. Seither pendelt die Zahl meist um diesen Wert, auf jeden Fall im hohen zweistelligen Bereich. Dabei weist Israel, wo rasch rigorose Ausgangsbeschränkungen verhängt wurden, vergleichsweise wenige Fälle auf. In dem Land mit neun Millionen Einwohnern wurden mit Stand Donnerstag Mittag 17 429 Menschen positiv getestet, 291 starben an Covid-19.

Alleine an einem Gymnasium in Jerusalem gab es 160 positive Testergebnisse

Auffällig ist außerdem, dass fast alle positiv Getesteten Schüler oder Lehrer sind. Alleine in einem Gymnasium im Jerusalemer Stadtteil Rehavia gab es 160 positive Tests. Ein weiterer Grund für die Besorgnis ist, dass dieser plötzliche Anstieg ziemlich genau zwei Wochen nach Öffnung der Schulen auftrat. Am 3. Mai durften nur rund 60 Prozent der Schüler in ihre Klassen, ab Mitte Mai wurde der Zugang für alle gleichzeitig geöffnet.

Zwar gibt es Regeln wie die Maskenpflicht und dass die Pause im Klassenzimmer verbracht werden muss. Aber einzelne Personen haben sich als "Super-Verbreiter" erwiesen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zögerte mehrere Tage mit einer endgültigen Entscheidung, ob er der Forderung von Gesundheitsminister Juli Edelstein nachgeben sollte, alle Schulen wieder zu schließen. Edelstein begründete dies damit, dass sich die Zahl der Neuinfizierten binnen weniger Tage verfünffacht habe. Durch eine Schließung aller Bildungseinrichtungen könnte möglicherweise ein neuer Lockdown für die gesamte Bevölkerung verhindert werden, argumentierte er. Bildungsminister Joav Gallant stemmte sich dagegen.

Am Mittwochabend verkündete Netanjahu: Jede Schule, in der es auch nur einen neuen Fall gebe, müsse geschlossen werden. Alleine am Donnerstagvormittag traf das 14 weitere Schulen, sodass sich die Zahl der wieder geschlossenen Schulen auf 87 in mehr als 30 Orten erhöhte. Eltern wurden in der Regel per Whatsapp verständigt, dass sie ihr Kind gar nicht in die Schule bringen oder sofort von dort abholten sollten. Rund zehntausend Schüler und Lehrer wurden in Quarantäne geschickt.

Um bei weiteren Ausbrüchen schneller reagieren zu können, setzt Israel auf Antikörpertests

Am Donnerstag wurde auch die Knesset geschlossen, nachdem klar war, dass sich einer der 120 Abgeordneten bei seinem Fahrer angesteckt hatte. Damit müssen sämtliche parlamentarische Aktivitäten für unbestimmte Zeit eingestellt werden.

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Die Entwicklung in Israel wird auch im Ausland mit Interesse verfolgt. Der Berliner Virologe Christian Drosten schrieb auf Twitter: "Schulausbrüche ca. ein Monat nach Lockerungen mit Wiedereröffnung der Schulen in Israel. Es geht anscheinend nicht ohne ständige Sentinel-Testung." Sentinel-Erhebungen sind stichprobenhafte Tests in ausgewählten Einrichtungen, mit denen man versucht, das Infektionsgeschehen zu überwachen.

In Israel soll kommende Woche mit Antikörpertests begonnen werden. Das Gesundheitsministerium will in einem ersten Schritt 70 000 Personen testen lassen und dann nach und nach weitere Teile der Bevölkerung, um im Falle von weiteren Ausbrüchen schneller reagieren zu können.

© SZ vom 05.06.2020
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