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Sars-CoV-2:Wie gefährlich die Mutante B.1.1.7 ist

Coronavirus: Intensivstation während der Corona-Pandemie

B.1.1.7 ist mittlerweile die häufigste Corona-Variante von Sars-CoV-2 in Deutschland.

(Foto: Robert Michael/dpa)

Offenbar geht die Infektion mit der in Großbritannien entdeckten Variante mit einer leicht erhöhten Sterblichkeit einher. Mittlerweile ist B.1.1.7 die häufigste Corona-Variante in Deutschland.

Von Werner Bartens

Als "variants of concern" (VOC) werden sie bezeichnet, als besorgniserregende Varianten. Gemeint ist damit jene Virus-Mutante von Sars-CoV-2, die unter dem Kürzel B.1.1.7 zuerst in Großbritannien beobachtet wurde. Zusätzlich geht es um B.1.351, die zunächst in Südafrika, und P.1, die zuerst in Brasilien auftraten. Während die Varianten aus den Ursprungsländern Südafrika und Brasilien sich bisher kaum in Deutschland finden lassen und ihr Anteil bei etwa einem Prozent liegt, nimmt die Verbreitung von B.1.1.7 rapide zu. Lag der Anteil der sich von Südengland aus verbreitenden Mutante Ende Januar noch bei sechs Prozent, ist er laut jüngsten Erhebungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) in der ersten Märzwoche auf 55 Prozent gestiegen. Sie ist damit die häufigste Variante von Sars-CoV-2 in Deutschland.

Überraschend ist das nicht, denn B.1.1.7 ist ansteckender als die zuvor beobachteten Virus-Typen, sodass es nur eine Frage der Zeit war, wann diese Variante die anderen verdrängen würde. Nicht genau geklärt ist allerdings die Frage, ob und in welchem Ausmaß die "englische Mutante", wie sie verkürzt genannt wird, gefährlicher ist. Ist sie bedrohlicher für die Bevölkerung, einfach weil sich mehr Menschen anstecken und es daher auch häufiger zu schweren Verläufen und Todesfällen kommt - oder bedeutet die Variante auch eine größere Gefahr für den Einzelnen? Wissenschaftler um Robert Challen zeigen im British Medical Journal, dass die Sterblichkeit nach einer Infektion mit B.1.1.7 etwas höher ist als nach einer Ansteckung mit anderen Virus-Varianten.

Die britischen Forscher hatten Erwachsene jenseits des Alters von 30 Jahren in ihre Untersuchung aufgenommen, die sich zwischen Anfang Oktober und Ende Januar hatten testen lassen und bei denen der PCR-Nachweis auf Sars-CoV-2 positiv ausfiel. In Großbritannien waren bereits Ende 2020 mehr als drei Viertel der Ansteckungen auf B.1.1.7 zurückzuführen. Der Vergleich von jeweils fast 55 000 Erwachsenen, die sich mit B.1.1.7 infiziert hatten, mit jenen, bei denen ein anderer Virustyp nachgewiesen wurde, ergab einen Anstieg der Sterblichkeit um durchschnittlich 64 Prozent, wenn die englische Mutante vorlag.

Diese beeindruckend hohe Steigerung relativiert sich allerdings mit Blick auf die absoluten Zahlen: In der Gruppe jener, die mit B.1.1.7 infiziert waren, starben 227 Menschen innerhalb der folgenden vier Wochen; in der Gruppe mit den anderen Virus-Varianten waren es 141 Patienten. "Das absolute Risiko der Sterblichkeit innerhalb dieser Gruppe von positiv Getesteten bleibt vergleichsweise niedrig; es erhöht sich von 2,5 auf 4,1 pro 1000 Infizierte", schreiben die Autoren. Zwar können die Wissenschaftler nicht ausschließen, dass die Ergebnisse leicht verzerrt sind, weil die Notlage im englischen Gesundheitssystem gegen Jahresende dazu geführt haben könnte, dass sich manche Menschen erst mit stärkeren Symptomen haben testen lassen und dies in beiden Gruppen unterschiedlich häufig vorkam. Trotzdem weisen die Forscher darauf hin, dass eine etwas höhere Sterblichkeit durch B.1.1.7 "wahrscheinlich" sei - auch wenn Einschränkungen und Schutzmaßnahmen weiterhin eingehalten würden.

© SZ
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