Apple Watch im Gesundheitsmarkt "Personenbezogene Daten nicht solchen Medien anvertrauen"

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So sieht die neue Apple-Welt aus

Die Forscher fragten auch nach Anwendungen, die Nutzer sich am dringendsten wünschen. 70 Prozent konnten sich mit einem digitalen Notfallausweis anfreunden, der Allergien und Notfallnummern auf dem Smartphone speichert. Eine App mit Anweisungen für erste Hilfe schien fast ebenso vielen wünschenswert; zwei von drei würden gern per Smartphone-App Arzttermine vereinbaren. 13 Prozent besaßen hingegen gar kein Handy, und rund ein Drittel der Befragten sagte rundheraus: "Ich vertraue meinem Arzt und Apotheker mehr als einem Handy-Programm."

Hier liegt genau das Problem für Konzerne wie Apple und Mediziner gleichermaßen. "Die Erfindungen scheinen nicht wirklich für die ältere Generation gemacht zu sein", sagt Christoph Dockweiler von der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Uni Bielefeld. Die Apple Watch habe etwa eine recht kleine Oberfläche, sie erfordere viel Feinmotorik. Viele ältere Personen könne das überfordern, sagt Dockweiler. Gerade die bräuchten die "Telemedizin" aber am dringendsten - so nennen die Mediziner Telekommunikationstechnik in der Patientenversorgung. Wenn Patienten künftig selbst ihre Blutwerte checken und an den Arzt funken, ließe sich damit vielleicht dem Ärztemangel auf dem Land etwas entgegenwirken.

Nur wenige Versicherte nutzen das Angebot zur Selbstvermessung

Da habe es schon viele Versuche in Deutschland gegeben, berichtet Dockweiler - "wild verteilte Pilotprojekte" seien das zumeist gewesen, über den Erprobungsstatus hinaus kamen die wenigsten. Ob dies Geräten wie der Apple Watch gelingt ist unklar, genauso wie die Sicherheit der übermittelten Daten. Ein Sprecher der Ikk Classic würde jedenfalls bislang dazu raten, "personenbezogene Gesundheitsdaten nicht solchen Medien anzuvertrauen."

Auch da gehen die Meinungen auseinander. Die AOK Nordost kooperiert etwa bereits mit Dacadoo, Versicherte können sich kostenlos bei der Schweizer Plattform anmelden. Bislang nutzten aber nur 770 Versicherte das Angebot, ein verschwindend geringer Prozentsatz. Experten erhoffen sich nun von der Apple Watch einen gewissen Schub für Gesundheits-Apps, begeistert sind sie aber nicht wirklich. Die Uhr habe keine eigene Sim-Karte und funktioniere nur zusammen mit einem Smartphone, gibt Manuel Heuer zu bedenken. "Beim Joggen ist das unpraktisch." Auch der Akku soll nur einen Tag halten. Aber: "Die schicke Apple-Optik bringt schon einen gewissen Reiz mit", sagt Dockweiler. Technisch sei das zwar nichts grundlegend Neues in der Telemedizin. "Aber die Verpackung ist halt schön."