Alkoholentzug Wenn der Rückfall kommt

Sz.de: Welche Rolle spielen Selbsthilfegruppen beim Durchhalten einer lebenslangen Abstinenz?

Mann: Auch wenn manche dieser Gruppen ein geradezu pseudoreligiöses Selbstverständnis haben, sind sie sehr erfolgreich und für die meisten eine große Hilfe. Wir sorgen deshalb in unserer Klinik dafür, dass bereits während der Therapie ein Kontakt zwischen den Patienten und den Selbsthilfegruppen aufgebaut wird.

Sz.de: Selbsthilfegruppen können bei einem Rückfall die Betroffenen auffangen. Aber wie gehen Angehörige damit um, wenn sie merken: Er oder sie fängt wieder an zu trinken?

Mann: Es ist wichtig, die Angehörigen von Anfang an in die Therapie einzubeziehen und ihnen auch zu sagen, dass Rückfälle meist zum normalen Verlauf dazugehören, das Risiko liegt bei 80 bis 90 Prozent. Das ist noch kein Versagen der Therapie oder des Patienten. Entscheidend ist aber, dass die Therapie bei einem Rückfall sofort wieder aufgenommen wird, um die Krise abzufangen.

Sz.de: Wenn ein Alkoholkranker eine Therapie erfolgreich absolviert hat und danach abstinent bleibt, wie stehen dann die Chancen, dass sich auch sein Körper wieder regeneriert?

Mann: Wir wissen inzwischen, dass sich das Gehirn relativ gut regenerieren kann, auch wenn bei den meisten das vorherige Niveau an Gehirnstruktur und -funktion nicht mehr vollkommen erreicht wird. Auch Leber und Herz können sich von den Schäden wieder ziemlich gut erholen und sogar das Risiko, an Krebs zu erkranken, sinkt wieder, wenn man abstinent lebt.