Testament Was ist ein Vermächtnis und wie wird es geregelt?

Wer möchte, dass die geliebte Standuhr in die Hände einer ganz bestimmten Person kommt, kann dies im Testament mit einem Vermächtnis bestimmen.

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"Vermachen" oder "vererben"? In einem Testament haben diese Formulierungen komplett unterschiedliche Bedeutungen. Welche Regeln gelten und wie Begünstigte zu ihrem Recht kommen.

Von Katrin Neubauer

"Mein gesamtes Vermögen sollen zu gleichen Teilen meine Tochter und mein Sohn erben. Meinem Freund Ernst Ehling, wohnhaft in ..., vermache ich mein wertvolles Schachspiel aus Elfenbeinfiguren." So könnte in einem Testament ein Vermächtnis formuliert werden.

"Wer möchte, dass eine Person oder auch eine Organisation ein Einzelstück aus seinem Nachlass bekommen soll, kann dies in Form eines Vermächtnisses im Testament festlegen", sagt Jan Bittler von der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge. Das kann ein bestimmter Gegenstand, Bargeld, eine Immobilie oder auch deren lebenslange Nutzung sein.

Der Unterschied zum Erbe: Ein Vermächtnis ist eine einzelne Zuwendung, die aus dem Gesamterbe herausgelöst wird und gesondert ausgewiesen sein sollte. Um Spielräume für Auslegungen zu vermeiden, sollte der Verfasser des Testaments klare Formulierungen, wie "ich vermache" oder dieser und jener "bekommt" wählen, nicht: "Erbe wird" oder "ich vererbe".

Weniger Pflichten, weniger Rechte

Ein Erbe tritt die Gesamtrechtsnachfolge des Verstorbenen mit allen Verbindlichkeiten an. "Ein Vermächtnisnehmer gehört nicht zur Erbengemeinschaft und teilt auch nicht deren Pflichten", sagt Bittler. "Er muss sich nicht um die Aufteilung des Nachlasses kümmern, mit anderen Erben um Vermögen streiten und auch nicht für eventuelle Schulden haften." Allerdings unterliegt auch ein Vermächtnis, genau wie ein Erbe, der Erbschaftssteuer.

Ein Vermächtnisnehmer braucht keinen Erbschein. Die Erben sind dazu verpflichtet, ihm die vermachten Gegenstände oder Geldbeträge auszuhändigen. "Der Vermächtnisnehmer erhält in der Regel ein Schreiben vom Nachlassgericht, in dem der entsprechende Abschnitt über den letzten Willen des Verstorbenen beigefügt ist. Damit kann er sich an die Erben wenden und das Vermächtnis einfordern", sagt Bittler.