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Rücktritt von Sparkassen-Präsident:Ude will Mega-Abfindung verhindern

Das BayernLB-Debakel hat Sparkassen-Präsident Naser den Job gekostet. Eine Millionen-Abfindung soll er nicht bekommen - sagt Münchens OB.

Klaus Ott

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) will verhindern, dass der zurückgetretene Präsident des Bayerischen Sparkassenverbandes, Siegfried Naser, eine hohe Abfindung erhält. Ude sagte der Süddeutschen Zeitung , Finanzmanager, die Milliarden in den Sand gesetzt hätten, dürften "dafür nicht Millionen bekommen". Das sei genau das, was die Bürger zurecht zornig mache. Ude gehört dem Aufsichtsgremium der Münchner Sparkasse an, die ebenso wie andere große Sparkassen in Bayern Nasers Rücktritt gefordert hatte. Naser ist mitverantwortlich für Milliarden-Verluste der Bayerischen Landesbank (BayernLB). Er hatte sich vor zwei Jahren für die Übernahme der inzwischen maroden österreichischen Finanzgruppe Hypo Alpe Adria durch die BayernLB eingesetzt. Die missglückte Expansion kostet den Freistaat und die Landesbank 3,7 Milliarden Euro.

Siegfried Naser, Foto: AP

Der zurückgetretene bayerische Sparkassen-Präsident Siegfried Naser soll keine Millionen-Abfindung bekommen - das meint Münchens Stadtoberhaupt Christian Ude

(Foto: Foto: AP)

Nach Angaben aus Sparkassen-Kreisen soll Naser keine Abfindung in Millionenhöhe erhalten. Es sei vielmehr an eine Art Vorruhestands-Regelung gedacht. Naser Vertrag, der laut SZ mit fast 600.000 Euro im Jahr dotiert ist, wäre noch bis 2015 gelaufen. Das Gehalt des bayerischen Sparkassenchefs wird wahrscheinlich auf 500.000 Euro reduziert, wie das bei Banken der Fall ist, die staatlicher Hilfe bedürfen. "Die Sparkassen müssen deutlich machen, dass die Banken kein Selbstbedienungsladen für Manager sind", sagte der Präsident der Bayerischen Landkreistags, Theo Zellner, der SZ. Der Landrat von Cham in Ostbayern gilt als aussichtsreichster Kandidat für Nasers Nachfolge und will für das Amt kandidieren.

"Mit Leib und Seele Sparkassen-Mann"

In einem SZ-Interview sagte Zellner, er lege großen Wert darauf, dass "die Sparkassenfamilie nichts tut, was den Ärger in der Bevölkerung über Auswüchse in der Finanzbranche noch weiter schürt". Bayerns neuer Sparkassen-Präsident werde voraussichtlich im Januar gewählt. Dieses Amt stehe der kommunalen Seite zu, und innerhalb der Sparkassen-Familie seien die Landkreise die stärkste Gruppe. "Als Präsident des Landeskreisverbandes bringe ich mich da selbstbewusst ein. Das Amt ist eine Option für mich. Ich bin mit Leib und Seele Sparkassen-Mann."

Vor der Wahl der neuen Führung müsse alles aufgearbeitet werden, was die Sparkassen noch belasten könnte, sagte Zellner. "Die Verantwortung für die Lasten liegt in der Vergangenheit." Bei den Sparkassen seien wegen des Landesbank-Debakels wahrscheinlich weitere Abschreibungen notwendig. Deren Höhe werde gegenwärtig von Wirtschaftsprüfgesellschaften ermittelt. Das Ergebnis solle Ende Januar vorliegen. "Das wird verkraftbar sein, weil die Sparkassen gut aufgestellt sind." Für die Sparkassen komme es jetzt darauf an, die Geschäfte von Handwerk, Mittelstand und Kommunen mit Krediten zu unterstützen und so die Wirtschaft anzukurbeln.

Nach Informationen der SZ müssen sich Bayerns Sparkassen wegen der Milliarden-Verluste der Landesbank auf neue Abschreibungen in Höhe von 350 Millionen Euro einstellen. Bereits vor einem Jahr waren 400 Millionen Euro verloren gegangen. Am Mittwoch wurde zudem bekannt, dass sogar stille Einlagen in Höhe von fast einer Milliarde Euro teilweise gefährdert sind. Auch hier ist mit Abschreibungen zu rechnen. Diese Einlagen sind für die Sparkassen schon seit zwei Jahren totes Kapital, da sie nicht verzinst werden. Frühestens 2011 soll wieder Geld fließen.

© SZ vom 24.12.2009/tob

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