Reden wir über Geld: Michael Lang "Ich helfe Farmen rund um Woodstock"

SZ: Ja, er sagt Folgendes: "Die Leute, die in Woodstock waren, wurden zu den Yuppies der achtziger Jahre, den Junk-Bond-Händlern der neunziger Jahre und den Wall-Street-Chefs der 2000er Jahre. Sie kamen von Woodstock, um jetzt einen Jaguar zu fahren."

Lang: Da steckt sicher ein Stück Wahrheit drin. Aber dafür kann man nicht Woodstock verantwortlich machen, es ist unsere und vielleicht die darauf folgende Generation. Die Leute, die tatsächlich in Woodstock waren und die dort praktizierten Werte lebten, sind anders.

SZ: Liegt nicht etwas Tragisches über sozialen Bewegungen in Amerika? 1967 feierten die Hippies den "Sommer der Liebe", ein Jahr später bekamen Sie Richard Nixon. 2008 brachten junge Leute Barack Obama ins Amt. Jetzt haben Sie die Tea-Party-Leute.

Lang: Sicher, das Pendel geht mal in die eine und mal in die andere Richtung. Aber wenn Sie es nicht anstoßen, bleibt es immer an derselben Stelle. Die Tatsache, dass 40 Jahre nach den großen Bürgerrechts-Märschen von Selma ein Schwarzer im Weißen Haus sitzt, ist doch ein dramatischer Fortschritt. Der Gedanke der Nachhaltigkeit hat seine Wurzeln in den Sechzigern.

SZ: Sind Sie von Obama heute enttäuscht, wie so viele Amerikaner?

Lang: Ich bin enttäuscht, weil er seine Botschaft nicht rüberbringt. Er hat eine Menge erreicht. Als er sein Amt übernahm, dachte ich: Er muss verrückt sein, dass er sich das antut.

SZ: Warum hassen ihn so viele Menschen?

Lang: Keine Ahnung. Vielleicht hat es mit Entertainment zu tun.

SZ: Wie bitte?

Lang: Leute wie Rush Limbaugh (Moderator des konservativen Fernsehsenders Fox, d. Red.) machen eine Menge Geld mit Hass-Kampagnen. Das ist Entertainment.

SZ: Ist das Geschäft mit Hass heute einträglicher als das Geschäft mit Liebe damals?

Lang: Ja, es scheint so. Gute Nachrichten sind keine großen Nachrichten.

SZ: Versuchen Sie immer noch, die Welt zu verbessern?

Lang: Ja, sicher. Ich bin gerade in einer Initiative, die Farmern im dem County rund um Woodstock hilft. Denen geht es sehr schlecht. Wir wollen sie dabei unterstützen, profitabler zu werden. Zum Beispiel, indem sie auf Biobetrieb umstellen oder ihren eigenen Käse machen. Außerdem bin ich engagiert in der Bewegung gegen Erdgasbohrungen in unserer Gegend.

SZ: Sie wohnen immer noch in Woodstock?

Lang: Ja, seit 1968.

SZ: Haben Sie Kinder?

Lang: Ja, fünf, darunter Zwillinge von neun Jahren.

SZ: Und interessieren die sich für Woodstock?

Lang: Ich rede mit ihnen nicht darüber, aber ihre Freunde tun es. Sie wissen also davon, aber ich versuche, nicht viel Aufhebens davon zu machen.

SZ: Mögen sie Musik?

Lang: Ja, beide spielen Gitarre, Bass, Keyboards. Zurzeit stehen sie auf Heavy Metal - nicht unbedingt mein Geschmack.