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Reden wir über Geld: Christine Bortenlänger:"Angst hatte ich nie"

SZ: Traktorfahren konnten Sie ja schon. Was lernt man als Chauffeur?

Bortenlänger: Dass Prominente nur mit Wasser kochen. Und dass sie bodenständig und unkompliziert sein können.

SZ: Nahm Ihnen das in Ihrer Anfangszeit als junge Börsenchefin die Angst vor Namen und Titeln?

Bortenlänger: Angst? Hatte ich nie. Aber die Erfahrung half mir, gesellschaftlichen Persönlichkeiten genauso auf Augenhöhe zu begegnen wie Handwerkern, die mein Haus reparieren.

SZ: Wir dachten, Ihr Studium hätte wegen Ihres Sohnes länger gedauert. Wie haben Sie das überhaupt geschafft mit ihm?

Bortenlänger: Mein Sohn wuchs anfangs in unserer Wohngemeinschaft auf, das war für ihn gut und für mich leichter, als allein zu wohnen. Für meine Freunde war klar, dass sie zum Lernen, Kochen oder Reden zu uns kamen statt auszugehen.

SZ: Lief wirklich immer alles so glatt?

Bortenlänger: Bei Kinderkrankheiten lief nix mehr glatt. Zwei Wochen vor meinem Examen bekam er Windpocken. Die Lernerei hielt sich deshalb in Grenzen. Was zur Folge hatte, das ich eher entspannt zur Prüfung ging. Die Sorge um meinen Sohn relativierte alles. Wenn ich durchgefallen wäre, wäre die Welt nicht zusammengebrochen.

SZ: In Ihrer Doktorarbeit haben Sie sich mit Automatisierung an den Börsen beschäftigt. War das Ihre Eintrittskarte für den Job?

Bortenlänger: Das Thema bewegte die Regionalbörsen damals.

SZ: Sie waren 31 Jahre alt und Unternehmensberaterin, als die Börse das Angebot machte, als stellvertretende Geschäftsführerin anzufangen. Waren Sie überrascht?

Bortenlänger: Ich hatte wohl das richtige Thema zur richtigen Zeit.

SZ: Würden Sie heute den Job einer Anfang 30-Jährigen geben?

Bortenlänger: (lacht) Entscheidend ist nicht das Alter.

SZ: Viele Personalchefs würden eine junge Mutter aussortieren.

Bortenlänger: Was falsch ist. Man kann von Kindern viel für den Job lernen: Verantwortung übernehmen, flexibel sein, eigene Wünsche zurückstellen, offen sein für ungewöhnliche Lösungen.

SZ: Das klingt fast, als würden Sie Frauen raten, lieber früher als später im Berufsleben Kinder zu bekommen.

Bortenlänger: Ja, auf jeden Fall. Ich persönlich hätte es als deutlich schwieriger empfunden, wenn ich erst mit Ende 30 ein Kind bekommen hätte. Wenn man etabliert ist und sich Abläufe eingespielt haben, ist man wesentlich unflexibler als ein junger Mensch. Außerdem ist es einfacher, im Job zu pausieren oder in Teilzeit zu arbeiten, wenn man noch nicht so viel Verantwortung in einem Unternehmen trägt. Mein Sohn war schon zehn, als ich bei der Börse startete, er hatte einen Hortplatz und ging später auf eine Ganztagsschule.