Rechenbeispiele Wie viel bringen mir vermögenswirksame Leistungen?

Viele Arbeitnehmer rechnen bei vermögenswirksamen Leistungen lediglich mit ein paar Euro mehr im Geldbeutel. Warum sich der Aufwand in jedem Fall rentiert, zeigen Rechenbeispiele.

Von Marina Engler

Knapp 18 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland haben Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen, schätzt das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung. Laut einer Emnid-Umfrage im Auftrag der Postbank von Mai 2014 (hier) verzichten aber knapp ein Drittel der Berechtigten, also fast sechs Millionen Menschen, auf das Geldgeschenk vom Chef. Warum das so ist, weiß niemand so genau.

"Das lohnt sich nicht" gilt nicht

In Gesprächen fallen immer wieder die beiden Sätze "Das ist mir zu aufwendig" und "Das lohnt sich doch eh nicht". Diese Einstellung kann Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale NRW nicht nachvollziehen: "Sparen mit vermögenswirksamen Leistungen lohnt sich eigentlich immer, weil einem das Geld zusteht und es keinen Sinn macht, es zu verschenken."

Selbst wenn nur der niedrigste Satz in einen simplen Banksparplan eingezahlt wird (6,65 Euro pro Monat für Angestellte im öffentlichen Dienst), summiert sich das in der üblichen Laufzeit von sechs Jahren und einem Ruhejahr auf knapp 500 Euro. Wer mehr vermögenswirksame Leistungen (VL) vom Chef erhält oder die monatliche Sparrate aus eigener Tasche aufstockt, kann 3000 Euro und mehr herausbekommen. Und wenn der Arbeitnehmer für sein Sparprodukt staatliche Förderungen erhält (mehr dazu in diesem Ratgeber-Text), sind sogar mehr als 4000 Euro als Geldgeschenk von Chef und Staat nach sieben Jahren möglich. Nachfolgend einige Rechenbeispiele.

Beispiel 1: Bausparen als Geldanlage, VL: 40 € vom Chef + 40 € Eigenanteil

Ein Bankkaufmann, der laut Arbeitsvertrag die Maximalförderung von 40 Euro pro Monat erhält, investiert seine VL in einen Bausparvertrag. Wenn er nach sieben Jahren Einzahlung auf das Darlehen verzichtet, erhält er einen effektiven Jahreszins von zwei Prozent (sämtliche Gebühren bereits abgezogen) als Bonus auf die Bausparsumme. Da er zusammen mit seiner Ehefrau unter der Grenze von 35 800 Euro an zu versteuerndem Einkommen pro Jahr bleibt, hat er Anspruch auf die Arbeitnehmersparzulage. Wenn er weitere 40 Euro pro Monat von seinem Gehalt in den Bausparvertrag einzahlt, gibt es außerdem die Wohnungsbauprämie (mehr zur staatlichen Förderung hier).

Im Beispiel werden die VL nur für eine Person des Ehepaars betrachtet. Pro Jahr erhält der Bankkaufmann 480 Euro VL von seinem Arbeitgeber und zahlt weitere 480 Euro selbst ein. Hinzu kommen 43 Euro Arbeitnehmersparzulage und 42 Euro Wohnungsbauprämie. Die Sparsumme pro Jahr beträgt also insgesamt 1045 Euro. Nach sieben Jahren enthält der Bausparvertrag 7315 Euro. Durch den effektiven Jahreszins von zwei Prozent steigt die Summe auf insgesamt 7461,30 Euro. Davon hat der Sparer 3360 Euro selbst eingezahlt und 4101,30 Euro als Geldgeschenk vom Chef, staatliche Förderung und Zinsen erhalten. Die Sparsumme ist zweckgebunden und muss für Wohneigentum ausgegeben werden, aber nicht zwingend für die eigenen vier Wände. Dazu gehört zum Beispiel auch der Kauf einer neuen Küche.

Beispiel 2: Banksparplan, VL: 6,65 € vom Chef + 33,35 € Eigenanteil

Ein Mitarbeiter im öffentlichen Dienst hat Anspruch auf 6,65 Euro VL pro Monat. Er investiert das Geld in einen Banksparplan und zahlt noch 33,35 Euro monatlich von seinem Gehalt ein. So spart er insgesamt 40 Euro pro Monat. Der Basiszins beträgt 2,5 Prozent. Am Ende der Laufzeit zahlt die Bank noch einen Bonuszins von 14 Prozent zusätzlich. Staatliche Förderung gibt es für den Banksparplan nicht.

Pro Jahr spart der Mitarbeiter im öffentlichen Dienst 480 Euro, wovon 79,80 Euro VL vom Arbeitgeber gezahlt werden. Die Basisverzinsung von 2,5 Prozent erhöht die jährliche Sparrate auf 492 Euro. Nach sechs Jahren Einzahlung und einem Jahr Wartezeit enthält der Banksparplan 2952 Euro. Durch den Bonuszins von 14 Prozent bekommt der Mitarbeiter am Ende der Laufzeit 3365,28 Euro ausbezahlt. Sein Eigenanteil daran sind 2401,20 Euro. Das Geldgeschenk vom Chef und die Zinsen haben sich auf 964,08 Euro summiert.

Beispiel 3: Betriebsrente, VL: 26,59 € vom Chef + 13,41 € Eigenanteil

Ein Mechatroniker ist als Mitarbeiter der Metall- und Elektroindustrie verpflichtet, seine VL in eine Betriebsrente zu investieren. Zusätzlich zu den 26,59 Euro vom Arbeitgeber zahlt er noch 13,41 Euro von seinem Gehalt in die Betriebsrente ein, um auf 40 Euro Sparsumme pro Monat zu kommen. Da er darauf erst im Rentenalter Steuern und Sozialabgaben zahlen muss, spart er aktuell Geld (mehr zur Versteuerung von VL hier). Die jährliche Verzinsung beträgt in diesem Beispiel 3,5 Prozent.

Pro Jahr investiert der Mechatroniker 480 Euro in seine Betriebsrente, wobei er 160,92 Euro davon selbst bezahlt. Durch die laufende Verzinsung von 3,5 Prozent erhöht sich der jährliche Sparbetrag auf 496,80 Euro. Nach sieben Jahren beträgt die Sparsumme 3477,60 Euro. Davon hat der Mechatroniker 1126,44 Euro selbst eingezahlt und 2351,20 Euro als Geldgeschenk vom Chef und Zinsen erhalten. Bei einem Bruttogehalt von 4500 Euro pro Monat hat er außerdem insgesamt 616,56 Euro Steuern und Sozialabgaben gespart. Je mehr Geld der Mechatroniker von seinem Gehalt in die Betriebsrente investiert, desto höher fällt die aktuelle Steuer- und Sozialabgaben-Ersparnis aus.

Wichtig zu wissen: Die Verzinsung bei Betriebsrenten kann sehr unterschiedlich ausfallen. Je nachdem, ob der Arbeitgeber eine Versicherung abgeschlossen hat oder in Aktien investiert, liegen die Zinsen zwischen drei und mehr als sieben Prozent.

Lange genug einzahlen

Abhängig von staatlicher Förderung oder der persönlichen Lebenslage können sich unterschiedliche Finanzprodukte für VL lohnen (hier mehr zu den Anlageformen). Entscheidend ist, ob man den Betrag aus eigener Tasche aufstocken will, und wenn ja, ob man diese Kosten in den kommenden Jahren stemmen kann. "Gerade bei einem Bausparvertrag sollte man sich sicher sein, dass man die Raten bis zur Zuteilung bezahlen kann", betont Ralf Scherfling. "Wenn man ihn frühzeitig kündigt, wird er zum Verlustgeschäft."

Auch Aktien lohnen sich nur, wenn man nicht adhoc auf das Geld angewiesen ist, sondern mit der Auflösung des Depots warten kann, bis der Kurs gut steht. Und erst die Bonuszinsen am Ende der Laufzeit machen einen Banksparplan, der ja nicht durch die Arbeitnehmersparzulage gefördert wird, wirklich attraktiv. Daher sollten sich Interessenten Zeit für die passende Auswahl eines VL-Produkts nehmen und auch bedenken, was mit den Sparbeträgen passiert, falls sie weniger verdienen oder arbeitslos werden (hier mehr zum Risiko für VL bei Arbeitslosigkeit).