Oliver Stone: "Wall Street 2" "Geld wurde doof und dumm"

Oliver Stone hat etwas gutzumachen: Mit Gordon Gekko schuf er die Ikone für die "gute Gier" der Finanzmärkte. Einige Börsencrashs später versucht er sich nun mit "Wall Street 2" zu rehabilitieren.

Von Paul Katzenberger

Die Erwartungen sind hoch: Am Freitag der kommenden Woche kommt Wall Street 2: Money Never Sleeps in die US-Kinos, und der Zeitpunkt dafür könnte kaum günstiger sein.

Von Oliver Stone zurück ins Spiel geholt: Shia LaBeouf, Josh Brolin und Michael Douglas (von links nach rechts) in "Wall Street 2: Money Never Sleeps". Nach der Premiere bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes kommt der Film am 24. September in die US-Kinos.

(Foto: Reuters)

Die Thematik ist aktueller denn je: Gerade erst gedachte die Welt des 15. September, des zweiten Jahrestages des Zusammenbruches der Investmentbank Lehman Brothers, die den größten Börsencrash seit der Weltwirtschaftskrise Ende der zwanziger Jahre auslöste.

Und das war gewissermaßen nur der Höhepunkt einer ganzen Reihe von platzenden Börsenblasen: Seit Ende der neunziger Jahre erlitten die Weltfinanzmärkte auch die Asien-, die Long-Term-Capital-Management- und die New-Economy-Krise. Regisseur Oliver Stone ist außerdem Selbstvermarkter genug, den Hype um den Film durch zahlreiche Auftritte in den US-Medien noch weiter anzufeuern.

Die besondere Spannung, die der Film schon vor seinem Kinostart beim Publikum erzeugt, verdankt er Stones altem Werk Wall Street. Darin schuf der politisch links stehende Stone jene Ikone, die für die grenzenlose Gier an den Weltfinanzmärkten steht - mit Gel im Haar, Zigarre zwischen den Lippen und Hosenträgern über dem Hemd.

Ethische Berechtigung für die Gier

Doch der ruchlose Börsenhai Gordon Gekko ging nicht als Schurke in die Annalen ein. Vielmehr wurde er zur popkulturellen Galionsfigur. Stone und sein Hauptdarsteller Michael Douglas sollen darüber erstaunt gewesen sein, was zu bezweifeln ist. Denn Gekko war eben einfach Kult. Und das zeigte sich 1987 schnell, obwohl es im Produktionsjahr von Wall Street zum Schwarzen Montag gekommen war - dem ersten weltweiten Börsencrash nach dem Zweiten Weltkrieg.

Dennoch diente Gekko den leibhaftigen Börsen-Jongleuren, den Managern von Hedgefonds und den Private-Equity-Firmen seither als Idol, wobei sie der Sieg von Moral und Gerechtigkeit am Ende des Films nicht interessierte. Denn Gekko gab der Gier eine ethische Berechtigung: Gier ist gut, sie funktioniert. Gier trennt das Wichtige vom Unwichtigen - in allen Lebensbereichen. Ob als Gier nach Leben, nach Macht, nach Geld, nach Liebe, nach Anerkennung, nach Wissen oder Kreativität - erst die Gier hat den Menschen zu Höchstleistungen angetrieben.

Kein Wunder also, dass Stone in Bezug auf seinen ersten Wall-Street-Film einiges richtigzustellen hat - Wall Street 2 bietet ihm nun die Gelegenheit dafür.

In den New York Daily News entschuldigte sich der dreifache Oscar-Preisträger geradezu für sein Erstlingswerk. Sein früherer Film habe einer Kultur des "dummen Geldes, schnellerer Kredite und des Konsumwahnsinns" Vorschub geleistet.

Reaktion auf die Reagan-Jahre

Allerdings sei der Streifen eine Reflektion der Ronald-Reagan-Jahre gewesen. Damals habe er gedacht, die schlimmsten Auswüchse seien bereits überstanden. "Doch ich denke der Gipfel der Konsumwut wurde dann erst 2008 erreicht", sagt der New Yorker, der kurioserweise genau am Tag der Lehman-Pleite seinen 62. Geburtstag feierte.