US-Notenbankchef Bernanke:Ben allein in Washington

Bei Geld hört die Freundschaft auf - auch die der Parteifreunde von Ben Bernanke. Er muss seine Geldpolitik verteidigen und gerät immer stärker unter Druck.

Moritz Koch

Dunkle Augenringe zeichnen Ben Bernankes Gesicht, als er am Mittwoch seinen Platz im Kongress einnimmt. Ihm steht ein mühevoller Auftritt bevor. Zum ersten Mal sitzt er der neuen republikanischen Mehrheit gegenüber und damit jenen Politikern, die seine Parteifreunde sind, ihn aber zunehmend für eine Gefahr für die Stabilität des Dollars halten.

Chairman of the Federal Reserve Bernanke testifies on the state of the U.S. economy before the House Budget Committee on Capitol Hill in Washington

Seine Freunde werden zu seinen Gegnern: Ben Bernanke.

(Foto: REUTERS)

Paul Ryan, der neue Vorsitzende des Haushaltsausschusses, verliert keine Zeit: Die Fed befeuere die Inflation, hält er Bernanke entgegen. Bald könnten die Preise außer Kontrolle geraten.

Bernanke antwortet geduldig. Er erklärt, dass der jüngste Anstieg der Rohstoffpreise die Nachfrage der boomenden Schwellenländer zurückgehen, kombiniert mit Lieferengpässen. Er versichert, dass er seine Politik schnell neu ausrichten werde, wenn die Inflation zu stark steigen sollte.

Doch er kann das Offensichtliche nicht überdecken: Die Opposition gegen seinen Kurs gewinnt an Kraft. Auch interne Kritiker finden mehr und mehr Gehör. Einer weiteren Lockerung der Geldpolitik werde er auf keinen Fall zustimmen, sagte Richard Fisher, Präsident der Federal Reserve Bank in Dallas schon am Dienstag. Fischers Kollege Jeffrey Lacker, Fed-Chef in Richmond, sprang ihm bei: Die ausgeprägte Verbesserung der ökonomischen Perspektiven lasse darauf schließen, dass die Geldpolitik neu bewertet werden müsse.

Die internen Spannungen in der Fed sind nicht neu. Doch in den vergangenen Monaten war die Fed zumindest in ihrer Außendarstellung darauf bedacht, geschlossen zu wirken. Damit ist es nun vorbei. Die geldpolitischen Traditionalisten stören sich an den unkonventionellen Wertpapierkäufen, die Bernanke der Fed verordnet hat, um der Wirtschaft Schwung zu verleihen.

600 Milliarden Dollar für Staatsanleihen

Weil die Notenbank die kurzfristigen Zinsen nicht weiter drücken kann - sie betragen schon beinahe null Prozent - interveniert sie am Markt für Staatsanleihen. Damit will sie die langfristigen Zinsen drücken, was beispielsweise Hypotheken günstiger macht und mehr Amerikaner zum Kauf eines Hauses motivieren könnte.

Das Wertpapier-Programm umfasst 600 Milliarden Dollar und wurde im November vergangenen Jahres aufgelegt. Trotz der Wertpapierkäufe steigen die Zinsen, die der Staat auf seine Schulden zahlen muss, allerdings kontinuierlich. Zum einen, weil sich Wachstumsaussichten der US-Wirtschaft verbessert haben. Zum anderen, weil die Inflationssorgen langsam zunehmen. Steigende Zinsen bedeuten auch, dass die Fed Kursverluste verbucht, wenn sie die Staatsanleihen lange hält und dann verkauft.

Dennoch sieht Notenbank-Chef Bernanke bisher keinen Anlass dazu, seine Politik abrupt zu ändern. Noch liegt die Inflationsrate in den Vereinigten Staaten bei gerade einmal 1,2 Prozent, betont er bei Kongressanhörung, und der Arbeitsmarkt sei noch Jahre von einer Normalisierung entfernt. Ein wichtiger Punkt: Anders als die europäische Zentralbank ist die Fed nicht nur Preisstabilität verpflichtet, sondern auch einem Beschäftigungsziel.

Dennoch wird sich der Konflikt um die Geldpolitik in dem kommenden Wochen und Monaten zuspitzen. Das bisher bereitgestellte Geld für die Wertpapierkäufe wird offenbar im Juni aufgebraucht sein. Das Ringen um ein Ausstiegskonzept steht der US-Notenbank Fed bevor.

© SZ vom 11.02.2011/ema/aum
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