Luxemburger Steuersünder-CD Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Finck-Gruppe

Die CD mit den Daten mutmaßlicher Steuersünder zieht ein erstes Verfahren nach sich: Die Bochumer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Manager der Unternehmensgruppe des Milliardärs August von Finck junior. Die Durchsuchungen bei den Vermögensberatern waren kurzfristig vorgezogen worden - um zu verhindern, dass Unterlagen verschwinden.

Von Hans Leyendecker

Die Bochumer Staatsanwaltschaft hat im Zusammenhang mit den durch eine neue Steuer-CD ausgelösten Ermittlungen die ersten Verfahren wegen Verdachts der Beihilfe zur Steuerhinterziehung eingeleitet. Betroffen ist etwa ein halbes Dutzend Manager der zum Firmenreich des Milliardärs August von Finck junior gehörenden VM Vermögens-Management GmbH. Die Vermögensberater sollen angeblich Kunden behilflich gewesen sein, Geld vor dem Fiskus bei der Luxemburger Tochter der britischen Großbank HSBC zu verstecken. Einige der von den Ermittlungen betroffenen Manager hatten früher bei der Bank HSBC Trinkaus in Düsseldorf gearbeitet und waren dann zu der Vermögensberatungsgesellschaft gewechselt.

Die Bochumer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Manager der Finck-Gruppe. Hintergrund ist der Ankauf einer CD aus Luxemburg mit den Daten mutmaßlicher Steuersünder.

(Foto: dpa)

Am Freitagnachmittag voriger Woche hatten Ermittler - wie berichtet - Standorte der Vermögensberatungsgesellschaft in Dortmund, Düsseldorf, München und Stuttgart durchsucht und umfangreiches Material mitgenommen. Die Auswertung wird möglicherweise Monate dauern. Auch ist die Aufbereitung der Datensammlung mit den Konten von etwa 3000 deutschen Kunden der Luxemburger HSBC noch nicht abgeschlossen. Experten rechnen mit 1200 Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Steuerhinterziehung und Steuermehreinnahmen in dreistelliger Millionenhöhe.

Ebenso wie in anderen Verdachtsfällen war die Heimsuchung der VM Vermögens- Management GmbH ursprünglich erst für Anfang November geplant gewesen. Nachdem am Donnerstag erste Meldungen über das anlaufende Luxemburg-Verfahren erschienen waren, wurden diese Durchsuchungen dann rasch vorgezogen. Die Ermittler wollten so ausschließen, dass Unterlagen beiseite geschafft werden. Bei der VM Vermögens-Management wollte weder am Wochenende noch am Montag jemand einen Kommentar zu dem Fall geben. "Wenn wir etwas zu berichten haben, werden wir das mitteilen", sagte ein Spitzenmanager.

Großzüge Spenden an Parteien

Die VM Vermögens-Management GmbH wurde 1986 gegründet und gehört seit 2008 zum Firmenreich des August von Finck junior, der unter anderem auch Hotels betreibt. Der Baron gilt als Euro-Skeptiker und hat in den vergangenen Jahren konservative und bürgerliche Parteien mit großzügigen Spenden bedacht. Weil nach der Bundestagswahl 2009 mit den Stimmen der Union und der FDP eine Steuersenkung für Hoteliers beschlossen worden war, hatte es Mutmaßungen über einen Zusammenhang zwischen Spenden von Finck-Firmen an FDP und CSU und der Steuersenkung gegeben. Eine Kausalität konnte nicht nachgewiesen werden. Sie war eher unwahrscheinlich.

Die deutsche Tochter der HSBC, die Düsseldorfer Traditionsbank HSBC Trinkaus, steht bislang nicht im Fokus der Ermittlungen. Weder wurden gegen Mitarbeiter des Geldhauses Ermittlungen wegen Verdachts der Beihilfe zur Steuerhinterziehung eingeleitet, noch wurde die HSBC am Freitag von den Ermittlern heimgesucht.

Nach dem Stand der Ermittlungen ist diese Bank in den neuen Steuerfall nicht verwickelt. Das unterscheidet den Fall von früheren Steuerskandalen, in die stets auch die Deutschland-Töchter der betroffenen Geldhäuser verwickelt waren. Eine Verstrickung von Managern der deutschen Bank wäre ein Politikum, weil der Vorstandssprecher der HSBC Trinkaus, Andreas Schmitz, auch Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken ist.