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Lohn-Zuschläge für Leiharbeiter:Gleicher als gleich

Von heute an bekommen Leiharbeiter mehr Geld: In einigen Branchen werden bei längerer Betriebszugehörigkeit Zuschläge bezahlt. Das ist ein Erfolg der Gewerkschaften in ihrem Kampf, das Lohngefälle zwischen Leiharbeitern und Stammbelegschaften zu verringern. Doch nicht alle profitieren davon.

Seit dem heutigen 1. November ist es soweit. Eine zentrale Forderung der Gewerkschaften wird zumindest teilweise Wirklichkeit: die bessere Bezahlung von Leiharbeitnehmern. Erstmals in der deutschen Tarifgeschichte bekommen sie in einigen Branchen einen Zuschlag, wenn sie länger als sechs Wochen in ein und demselben Betrieb arbeiten. Damit verkleinert sich die Verdienstlücke zwischen Stammbelegschaften und Leiharbeitnehmern in einer bestimmten Firma.

Ihr Ziel haben die Gewerkschaften allerdings nicht ganz erreicht. Denn ursprünglich wollten sie eine sogenannte Equal-Pay-Lösung erreichen und damit durchsetzen, dass Leiharbeiter und Festangestellte eines bestimmten Betriebs grundsätzlich gleich behandelt werden. Zunächst schloss auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) eine gesetzliche Regelung nicht aus. Doch nach dem Veto der Liberalen und der Arbeitgeberverbände rückte sie davon ab und kündigte an, auf ein Gesetz zu verzichten, wenn sich Gewerkschaften und Arbeitgeber eigenständig einigen.

Im Mai hatten sich die Arbeitgeberverbände der Zeitarbeit zunächst mit der IG Metall auf die tariflichen Zuschläge verständigt. Später kamen ähnliche Regelungen mit der IG Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) sowie mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hinzu. Damit könnte Schätzungen zufolge gut die Hälfte der etwa 850 000 Zeitarbeitnehmer in Deutschland in den Genuss eines Branchenzuschlags kommen.

Die Zuschläge sind zeitlich gestaffelt. Je nach Dauer ihres Einsatzes können Leiharbeiter bis zu 50 Prozent mehr Lohn erhalten. Ein Leiharbeitnehmer etwa, der in der Lohngruppe 1 des Tarifvertrags für die Zeitarbeit eingruppiert ist, erhält einen Stundenlohn von 8,19 Euro. Nach neun Monaten Arbeit in einem Chemiebetrieb bekommt er einen Zuschlag von 50 Prozent und erreicht damit einen Stundenlohn von 12,29 Euro. Ein vergleichbarer Arbeiter, der etwa in einer hessischen Chemiefirma angestellt ist, bekommt einen Tariflohn von 13,39 Euro.

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