Lebensversicherungen:Kündigungsfrist schon abgelaufen

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Dass diese stillen Reserven überhaupt anteilig an die Versicherten ausgeschüttet werden müssen, geht auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2005 zurück. Ende 2011 lag der Wert der Reserven bei 42,6 Milliarden Euro. "Es geht also um richtig viel Geld", sagt Theo Pischke, Experte für Lebensversicherungen bei der Stiftung Warentest. Festverzinsliche machen den allergrößten Anteil der Kapitalanlagen der Versicherer aus.

Aus Sicht der Betroffenen sind sie es, die die Zeche zahlen sollen: "Unter dem Deckmantel der Finanzkrise werden die Lasten den Versicherten aufgebürdet", sagt Axel Kleinlein, Chef des Bundes der Versicherten (BdV). Besonders hart trifft es all jene, deren Lebens- oder Rentenversicherung bald ausläuft - allein beim Marktführer Allianz sind das 2013 rund 300.000 Fälle. Sie würden besonders von den derzeit hohen Kursen festverzinslicher Wertpapiere profitieren. Entsprechend groß ist aber auch ihr Verlust, wenn die Neuregelung kommt. Bei einem weniger ungewöhnlichen Zins- und Kursniveau gäbe es das Problem in dieser Form hingegen gar nicht.

Der Bund der Versicherten schlägt nun vor, die Kunden statt an den schwankungsanfälligen stillen Reserven künftig an den Rückstellungen zu beteiligen, die die Versicherer für Beitragsrückerstattungen bilden. "Das sind im Gegensatz zu den stillen Reserven echte Finanzmittel", sagt BdV-Chef Kleinlein. Für den Fall, dass die vom Bundestag beschlossene Regelung tatsächlich Gesetz wird, kündigte Kleinlein eine rechtliche Prüfung an. Ohnehin rechnen Verbraucherschützer damit, dass Versicherte gegen die Regelung klagen werden.

Da die Änderung bereits ab 21. Dezember gilt, können Versicherte ihren Vertrag nicht mehr rechtzeitig kündigen, um ihr zu entgehen. Das hätte bis Ende November geschehen müssen. Die Kündigung konnte sich lohnen, weil die Kunden dann den bisherigen Anteil an der Bewertungsreserve noch voll ausbezahlt bekamen. Einige Versicherte haben sich dieses Geld noch schnell gesichert. Ob das in jedem Fall eine gute Idee war, ist fraglich, denn mit der vorzeitigen Kündigung büßten viele Betroffene auch ihre Schlussbeteiligung ein.

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