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Iban:Was Bankkunden über die Iban wissen müssen

Die europaweit einheitliche Kontonummer Iban ist von heute an Pflicht für alle. Was sich bei Überweisungen ändert.

Fragen und Antworten von Harald Freiberger

Es war ein langwieriger Prozess. Eigentlich wollte die EU den einheitlichen europäischen Zahlungsraum Sepa schon vor Jahren vollziehen. Dieser bringt es mit sich, dass Bankkunden bei jeder Überweisung eine 22-stellige Nummer angeben müssen, die abgekürzt Iban, International Bank Account Number, heißt. Mehrmals wurde dies verschoben, auch weil Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble eine Übergangsfrist forderte. Gerade in Deutschland hatte das Ziffern-Ungetüm bei Verbrauchern einen schlechten Ruf, schnell bekam sie das Etikett, ein Monstrum zu sein. Nun aber gibt es kein Entrinnen mehr: Von 1. Februar an wird sie für alle Bankkunden und für alle Überweisungen Pflicht.

Warum kommt die Iban überhaupt?

Sie soll das Wirrwarr unterschiedlicher Kontonummern in Europa beenden. Bisher hatte jedes Land für die Kennzeichnung von Bank und Kundenkonto ein eigenes System. Der einheitliche Zahlungsraum namens Sepa bringt auch Erleichterungen bei der Verwaltung der Konten. Künftig müssen Studenten zum Beispiel nicht mehr ein eigenes Konto im Ausland eröffnen, wenn sie dort ein Semester studieren. Sepa haben sich 33 Nationen angeschlossen: die 28 EU-Mitglieder sowie Island, Liechtenstein, Norwegen, Monaco und die Schweiz.

Wozu war die Iban bisher schon nötig?

Die Bundesbürger haben die Einheitsnummer in den vergangenen zwei Jahren bereits kennengelernt: Sie muss seit 1. Februar 2014 angegeben werden, wenn Bankkunden Überweisungen an Firmen oder Vereine in Auftrag geben. Für Überweisungen an Privatleute gab es noch eine zweijährige Schonfrist, die nun zu Ende geht.

Was ändert sich für Bankkunden?

Die Iban wird vom 1. Februar an europaweit zum Gesetz. Das bedeutet, dass Banken keine Überweisungen im alten Stil mehr entgegennehmen dürfen. Die eigenen Felder für Kontonummer und Bankleitzahl auf Überweisungen, die Bankkunden seit jeher gewohnt sind, gehören damit der Vergangenheit an. Das gilt sowohl für die Überweisungen auf Papiervordrucken als auch für die Maske beim Online-Banking. Bisher fuhren viele Banken zweigleisig: Privatkunden konnten es sich aussuchen, ob sie die Iban eintragen wollten oder nach altem Muster Bankleitzahl und Kontonummer. Entschieden sie sich für den traditionellen Weg, musste die Bank dafür sorgen, dass die Daten auf Iban übertragen wurden.

Was ist mit alten Überweisungsvordrucken?

Vordrucke, auf denen ausschließlich Felder für Kontonummer und Bankleitzahl vorhanden sind, werden definitiv ungültig. Kunden müssen sich neue Überweisungsträger besorgen. Beim Online-Banking passiert die Umstellung automatisch.

Verschwinden Bankleitzahl und Kontonummer komplett?

Es gibt bei Überweisungen zwar keine eigenen Felder mehr, die alte Bankleitzahl und die Kontonummer bestehen aber trotzdem weiter fort - in der Iban. Im Prinzip setzt sich die neue Einheitsnummer nämlich aus den alten Ziffern zusammen. Neu hinzu kommt lediglich ein Ländercode mit zwei Buchstaben, für Deutschland DE, und eine zweistellige Prüfziffer davor. Es folgen die achtstellige Bankleitzahl und die Kontonummer; besteht diese aus weniger als zehn Ziffern, wird davor mit Nullen aufgefüllt, sodass die Iban immer 22 Stellen hat.

Wozu ist die Prüfziffer da?

Sie soll verhindern, dass falsche Überweisungen ausgeführt werden, etwa wenn der Bankkunde beim Ausfüllen einen Zahlendreher verursacht. Denn die Prüfziffer errechnet sich nach einer komplizierten Formel aus den anderen Ziffern der Iban. Passt sie nicht zum Empfänger, erkennt das Computersystem der Bank dies. Das Institut stoppt die Überweisung.

Was passiert, wenn Kunden die Iban auch künftig nicht angeben?

Wie erfahren Bankkunden ihre Nummer?

Die meisten Banken geben sie schon seit einiger Zeit auf den Kontoauszügen an. Auch auf neueren EC-Karten ist sie zu finden. Im Internet gibt es aber auch Iban-Rechner. Sie ermitteln die neue Nummer, wenn der Nutzer Bankleitzahl und Kontonummer eingibt. Zur Not kann man die Iban auch telefonisch bei der eigenen Bank erfragen.

Was passiert mit Daueraufträgen?

Bei bereits bestehenden Daueraufträgen braucht sich der Kunde um nichts zu kümmern. Die Banken stellen sie automatisch auf Iban um. Richtet der Kunde vom 1. Februar an aber einen neuen Dauerauftrag ein, muss er ebenfalls die Iban angeben.

Was ist mit der Bic?

Die Bic, eine Abkürzung für Bank Identifier Code, ist eine elfstellige Buchstabenfolge, mit der sich europaweit jede Bank identifizieren lässt; sie entspricht im europäischen Kontext also der bekannten Bankleitzahl. Für die Deutsche Bank in Berlin lautet sie zum Beispiel DEUTDEBBXXX. Verbraucher ärgerten sich zunächst über die Bic, weil es hieß, dass sie bei Überweisungen zusätzlich zur Iban angegeben werden muss. Inzwischen muss sich aber keiner mehr ärgern: Sie ist innerhalb des Sepa-Raums nicht mehr nötig - die Iban reicht.

Was passiert, wenn Kunden die Iban auch künftig nicht angeben?

Die meisten Banken versprechen, solche Fälle kulant zu behandeln und in der Übergangsphase unsicheren Kunden beim Eintragen der ungewohnten Nummer auf dem Überweisungsschein zu helfen. Trotzdem sollten sich die Kunden schnell umgewöhnen, sonst müssen sie mit Problemen rechnen. "Führt die Bank den Auftrag nicht mehr aus, droht Zahlungsverzug, und das bedeutet Zusatzkosten durch Zinsen und Mahngebühren und Ärger", sagt Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Die Online-Überweisung lässt, anders als auf Papier, keine Wahl - ohne den Eintrag geht nichts.

Sind Schwierigkeiten zu erwarten?

Die Bankenverbände geben sich gelassen. "Wir gehen von einem reibungslosen Übergang aus", sagt ein Sprecher des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken. Zählungen hätten ergeben, dass 92 Prozent der Kunden bei Überweisungen bereits die Iban angaben, obwohl sie noch die Option gehabt hätten, Bankleitzahl und Kontonummer zu nennen.

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SZ vom 14.01.2016/jasch
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