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HSH Nordbank: Dirk Jens Nonnenmacher:Das Opfer sagt aus

In Hamburg rückt die einstmals ebenfalls treue CDU allmählich von Nonnenmacher ab. Ähnlich wie der Koalitionspartner GAL favorisieren die Christdemokraten eine Abberufung ohne Abfindung. Die Grünen gehen nicht nur öffentlich offensiver mit der Personalie um als die CDU, sondern einige von ihnen sind sogar zum Äußersten bereit. Das heißt: Im Notfall würden sie auch einer Abberufung Nonnenmachers mit einer Millionen-Abfindung zustimmen. Lieber wäre auch ihnen, der "goldene Fallschirm" bliebe zu - dafür sollen bald Justizbehörden die Argumente liefern.

Mit den Abläufen in dem Kreditinstitut beschäftigen sich seit einer Weile Staatsanwaltschaften in New York, Kiel und Hamburg. Strafverfolger der Hansestadt ermitteln wegen eines Verlustes von mehreren Hundert Millionen Euro, den die HSH bei einem Geschäft namens Omega erlitten hatte - eines von vielen Landesbank-Verfahren. Nonnenmacher bekam ein Aktenzeichen, weil er damals bei Omega noch Finanzvorstand war.

Weit unangenehmer ist das New Yorker Verfahren mit Kinderpornos und sonstigem Unrat, dessen Ausläufern Kieler Ermittler nachgehen. Sie haben zudem den unschönen Verdacht, dass Verantwortliche der HSH den früheren HSH-Vorstand Frank Roth als Informanten der Presse beschuldigt hätten, um auch ihn ohne Abfindung loszuwerden. Angeblich hatte er Geschäftsgeheimnisse verraten. In einem Beschluss der Generalstaatsanwalts Schleswig vom 18. Oktober schreibt der erfahrene Oberstaatsanwalt Uwe Dreeßen: "Einiges spreche dafür", dass Roth "Opfer einer Aktion" geworden ist, mit der "falsche Spuren gelegt worden" sind.

Außenstehenden fällt es schwer, alle be- und entlastenden Details prüfen zu können, weil die Bank wichtigsten Zeugen im Schmuddel-Fall New York unter Androhung von Strafen in offenbar zweistelliger Millionenhöhe verboten hat, über die Angelegenheit zu reden. Hauptakteure reagieren auf Anfragen der Süddeutschen Zeitung in diesen Tagen zurückhaltend. Die Drohung mit der Pönale galt auch für Roland K., der allerdings Staatsanwälten oder Bankenaufsehern Auskunft geben darf. Davon machten jetzt deutsche Ermittler Gebrauch.

Vorige Woche reiste Roland K. nach Kiel. Erst sagte er bei den Strafverfolgern aus, dann befragten ihn noch Spezialisten der Bafin in Hamburg. K. hatte Material aus New York mitgebracht, das den deutschen Ermittlern bislang unbekannt war. Darunter ist eine Übersicht über die Ermittlungen der New Yorker Fahnder gegen Nonnenmacher, sowie gegen den mittlerweile freigestellten Justitiar der Bank und gegen weitere Verdächtige. Mehrere zehntausend Seiten sollen die US-Akten dick sein, darunter sind auch Vernehmungsprotokolle.

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