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Goldpreis:Nach dem Rausch kommt der Crash

Die Hysterie um Gold zeigt Züge einer Blase. Anleger, die sich jetzt noch eindecken, sollten das hohe Risiko kennen.

Catherine Hoffmann

Nun suchen sie also ihr Heil im Gold. Es soll schützen vor einem Aufblühen der Inflation und einem Wildwuchs der Schulden, dem möglichen Ende des Euro, wenn nicht dem Untergang ganzer Staaten. Weil sich immer neue Käufer für das Edelmetall finden, eilt der Preis von einem Rekordhoch zum nächsten. Schon kostet eine Feinunze 1250 Dollar. Vor elf Jahren, als der Internet-Hype seinem Höhepunkt zusteuerte und sich kein Mensch dafür interessierte, was Bergminen so zu Tage fördern, da war ein Goldstück von 31,1 Gramm noch für 250 Dollar zu haben. Wer damals Krügerrand-Münzen statt Neuer-Markt-Aktien kaufte, machte ein großartiges Geschäft: Seit Beginn der Goldrally hat sich der Preis um 400 Prozent erhöht.

Wertschätzung: Ein Stempel verrät den Anteil an reinem Gold.

Gold, eine krisenfeste Währung, steht derzeit hoch im Kurs. Doch Vorsicht: Die Blase könnte schon bald platzen.

(Foto: dpa)

Schon werden Stimmen laut, dass der Goldpreis bald bei 2000 Dollar stehen könnte, wenn nicht bei 3000 Dollar. Ist das realistisch? Durchaus, denn der große Run aufs Gold hat einen realen Hintergrund: Die große Wirtschaftskrise, die mit Milliarden von gedruckten Dollar und Euro bekämpft wird, so dass ein immenser Schuldenberg entsteht. Deshalb flüchten verunsicherte Anleger in Sachwerte. Gold ist etwas zum Anfassen, das es schon seit Jahrtausenden gibt, das Krisen und Kriege überdauert hat, dessen Wert nicht auf null sinken kann. Da wird es doch auch eine Euro-Krise überstehen!

Alles richtig. Nur sollten Anleger dem irrwitzigen Boom nicht blindlings trauen. Was sie für eine sichere Sache halten, gehorcht doch nur dem alten Muster der Übertreibung. Und der Euphorie folgt unweigerlich der Zusammenbruch. Das galt Ende der zwanziger Jahre für die Aktienspekulation an der Wall Street ebenso wie für den holländischen Tulpenzwiebelwahn im 17. Jahrhundert.

Die Preise werden erst von guten Argumenten nach oben getragen und schließlich von einer Woge der Begeisterung befeuert. Der Anstieg lockt weitere Käufer, und jene sorgen für einen weiteren Anstieg der Preise. Es entwickelt sich eine Eigendynamik, mit anderen Worten: eine Blase. Auch am Goldmarkt haben es Sparer mit einer Vermögenspreisblase zu tun, und die wird über kurz oder lang platzen - wie es Aktien- und Immobilienblasen eben auch tun. Wann es so weit ist, bleibt aber schwer vorherzusagen. Anleger, die sich jetzt noch mit der alten Krisenwährung eindecken, sollten dazu wissen: Sie gehen ein hohes Risiko ein.

Zeichen der Hysterie

Zu bekümmern scheint das nur wenige, Deutschland fiebert im Goldrausch. Und der zeigt zunehmend Zeichen der Hysterie. Vermögensverwalter, Banker, Privatleute stürmen scharenweise die Goldhändler und erkundigen sich nach Möglichkeiten, das Edelmetall zu kaufen und einzulagern. Zeitweise konnten die Händler die Nachfrage nach Münzen und Barren kaum bewältigen. Goldfonds strömte so viel Geld zu, dass sie den Minengesellschaften gleich tonnenweise ihre Produktion abkauften. Finanzmagazine befeuerten den Boom: "Gold! Oder glauben Sie an den Euro?", titelte Focus Money im Mai. Die Wirtschaftswoche wusste schon im März: "Gold - das bessere Geld" und erklärte, "warum jeder Anleger jetzt Gold im Depot haben sollte". Und Börse Online warb: "Gold. Der einzig sichere Hafen".

Angesichts der großen Begeisterung ist Wachsamkeit geboten. Denn die Argumente, die gegen einen unendlichen Höhenflug sprechen, werden gern übersehen: Erstens fallen seit Jahren die Zinsen - und das ist bekanntlich kein Zeichen der Inflation, im Gegenteil: Am Rentenmarkt fürchten die Investoren sogar ein sinkendes Preisniveau und schwindendes Wachstum infolge der staatlichen und privaten Schuldenexzesse. Zweitens deutet auch der Kursverlauf des Euro nicht auf ein böses Ende der Währung hin, auch wenn hilflose Politiker den Bürgern weismachen wollen, dass sein Scheitern nah ist und weltweit organisierte Attacken den Zusammenbruch des Währungssystems bedeuten könnten.

Natürlich sollte Gold für alle, die es sich leisten können, ein kleiner Bestandteil des Depots sein. Aber eben nicht mehr. Großinvestor George Soros hatte schon im Januar Gold als "die ultimative Blase" gebrandmarkt - und dennoch im Frühjahr seine Wette auf Gold erhöht. Soros' Begründung: Der Kauf zu Beginn einer Blase sei "vernünftig". Denn das ist bekanntlich jene Phase, in der die Preise die größten Sprünge machen. Wer wollte nicht dabei sein, wenn der Edelmetallpreis auf 2000 Dollar schnellt? Das Letzte aus einem spekulativen Preisauftrieb herausholen und Kasse machen, bevor

es zum endgültigen Einbruch kommt, davon träumen wohl alle Spekulanten. Es ist eine gewagte Wette. Der Ausstieg muss glücken - denn als langfristiges Investment hat sich Gold nicht bewährt.

© SZ vom 19./20.06.2010/mel
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