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Fondsgebühren:Bezahlt wird nach Leistung

Auf den Erfolg von Indexfonds mit ihren relativ günstigen Gebühren reagieren auch die Anbieter aktiv gemanagter Fonds mit neuen Preismodellen.

Der Boom der börsengehandelten Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) wandelt die Finanzbranche. Zwar ist die überwiegende Mehrheit der Fondsgelder immer noch in aktiv verwalteten Produkten angelegt. Doch das enorme Wachstum der passiven Papiere lässt Fondsgesellschaften umdenken. Zum einen kamen in den vergangenen Jahren immer mehr Produkte auf den Markt, die sowohl aktive als auch passive Elemente hatten. Für Verbraucher war das wenig vorteilhaft. Zum anderen haben immer mehr Fondshäuser auch ETF in ihr Programm aufgenommen. Nun testen Anbieter auch neue Preismodelle, um sich vom teuren Image zu befreien.

Die Fondsgesellschaft Allianz Global Investors (AGI) hat in den USA ein Gebührenmodell beantragt, bei dem nur eine niedrige Vergütung fix anfällt. Erst wenn der Fondsmanager den Vergleichsindex schlägt und einen Mehrertrag erzielt, soll mehr bezahlt werden. Laut AGI-Chef Andreas Utermann ist die Initiative eine Antwort auf den Boom der günstigen Indexfonds - "um diesen Produkten Paroli zu bieten". Im institutionellen Geschäft seien derartige Gebührenmodelle schon seit Längerem weit verbreitet. "Aber warum sollten sie nicht auch Privatanleger wählen können?" Bisher hat AGI in den USA die Genehmigung für drei Aktienfonds mit diesem Konzept beantragt. "Um die Jahreswende herum werden wir das Modell auch in Großbritannien erproben." Abhängig von den Erfahrungen werde das Modell auch in anderen Ländern eingeführt. Das bisherige Gebührenmodell gebe es daneben weiterhin.

Ob Kunden fair behandelt werden, ist zunehmend zur Diskussion geworden. "Immer häufiger werden wir gefragt, ob unsere Leistung das Geld der Kunden wert ist. Daran haben die Regulierer offenbar Zweifel und erlassen neue Vorschriften in der Hoffnung, damit die Transparenz und am Ende auch den Kundenmehrwert zu erhöhen. Darauf müssen aktive Fondsmanager reagieren", sagt Alexander Leisten, Deutschlandchef bei Fidelity International. Leisten möchte Kunden einen Mehrwert bieten. Vorwürfe, es mangele an Transparenz, will er aber ausräumen.

Sein Haus will daher sogar bei 400 Aktienfonds Kundenportfolios in solchen Phasen geringer belasten, in denen kein Mehrertrag erzielt wird. Dadurch sollen Anleger motiviert werden, im Fonds zu bleiben. "Ziel ist, dass wir die Kombination aus niedrigerem Basissatz bei der Managementgebühr und ergänzender variabler Managementgebühr bei allen unseren aktiven Aktienfonds anbieten." Weitere Anlageklassen könnten folgen. Kunden könnten davon bereits von Januar 2018 an auch hierzulande profitieren.

In den USA gibt es die "Fulcrum Fee" seit den Siebzigerjahren. Dabei steigen die Gebühren, wenn der Fonds den Vergleichsindex schlägt und sinken in gleicher Höhe, wenn sich der Fonds schlechter entwickelt. "Transparenz ist das Gebot der Stunde", sagt Leisten. Er dürfte die Diskussion damit weiter anregen.