Energiesparen Kleiner Aufwand, große Wirkung

Energiesparen können Immobilieneigentümer auf verschiedene Arten. Nicht nur die umfassende Sanierung des Hauses wirkt sich positiv aus, hilfreich sind auch schon Einzelmaßnahmen wie etwa das Dämmen der Keller- und Geschossdecken.

(Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa)

Hohe Heizkosten? Hausbesitzer haben viele Hebel, um den Energiebedarf zu senken. Dabei muss es gar nicht immer die teure Fassadendämmung sein.

Von Ralph Diermann

Obwohl die Haushalte in Deutschland im vergangenen, recht kalten Winter viel geheizt haben, sind die Heizkosten dank niedriger Öl- und Gaspreise 2017 im Durchschnitt gesunken. Das zeigt der neue Heizspiegel der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft Co2online. Betrachtet man die einzelnen Haushalte, unterscheiden sich die Kosten allerdings erheblich. Wie viel Geld sie bezahlen müssen, um es gemütlich warm zu haben, hängt nämlich längst nicht allein von Brennstoffpreisen und Witterung ab. "Der Sanierungsstand eines Hauses wird oft vergessen. Er ist der meistunterschätzte Faktor für Heizkosten", sagt Tanja Loitz, Geschäftsführerin von Co2online.

Während die Bewohner unsanierter Einfamilienhäuser jährlich nicht selten 3000 Euro und mehr für Gas oder Öl ausgeben müssen, sind es in modernisierten Häusern oft nicht einmal 1000 Euro. "Vor allem bei Immobilien aus den Siebziger- und frühen Achtzigerjahren gibt es enorm viele Möglichkeiten, den Wärmebedarf zu reduzieren und so Geld zu sparen", sagt Energieberater Jürgen Leppig aus dem fränkischen Marktheidenfeld. Dabei muss es gar nicht immer die teure Fassadendämmung sein. Auch kleinere Sanierungsmaßnahmen können den Verbrauch spürbar senken. Viele dieser Investitionen amortisieren sich bereits innerhalb weniger Jahre.

Um zu ermitteln, welche Schritte wirklich sinnvoll sind, sollten Hausbesitzer vorab einen unabhängigen Experten zu Rate ziehen, meint Christian Stolte, Bereichsleiter Energieeffiziente Gebäude bei der Deutschen Energie-Agentur Dena. "Energieberater besprechen mit den Eigentümern die Ziele einer Sanierung, machen eine Bestandsaufnahme der Immobilie und leiten daraus sinnvolle Maßnahmen ab. Mit ihrer Expertise können sie Hausbesitzer vor Fehlinvestitionen schützen", sagt Stolte.

Fassadendämmung

Wie eine dicke Daunenjacke schützt eine Fassadendämmung das Haus vor Auskühlung. Doch viele Gebäude trotzen der Kälte nur mit einem dünnen T-Shirt: Laut Dena sind bei fast zwei Dritteln aller vor 1979 errichteten Gebäude die Außenwände gänzlich ungedämmt. Dabei könnte ein guter Wärmeschutz circa achtzig Prozent der Energieverluste verhindern. Allerdings ist diese Maßnahme ziemlich kostspielig: Eigentümer müssen mit Ausgaben von 120 bis 150 Euro pro Quadratmeter rechnen - sofern die Dämmung erst dann angebracht wird, wenn ohnehin eine Sanierung der Fassade ansteht. Ist das nicht der Fall, wird es noch deutlich teurer, da die Kosten etwa für Gerüst oder Putzarbeiten allein der Dämmung zugeschlagen werden müssen.

Sanierungswillige Hausbesitzer sollten unbedingt darauf achten, dass sie sich keine zu dicke Dämmung aufschwatzen lassen, warnt Corinna Kodim, Referentin für Energie, Umwelt und Technik beim Eigentümerverband Haus und Grund. "Sonst müssen sie nämlich unter Umständen auch den Dachüberstand vergrößern und die Fensterbretter verbreitern lassen. Das verursacht zusätzliche Kosten, die längst nicht in jeder Vorabkalkulation auftauchen", erklärt sie. In welchem Zeitraum sich die Investition in eine Fassadendämmung bezahlt macht, hänge stark vom Einzelfall ab, sagt Dena-Fachmann Stolte. Daher sei es sinnvoll, vorab einen Energieberater mit ins Boot zu holen. Dieser informiere auch über Förderangebote und helfe bei deren Beantragung.

Dachdämmung

Warme Luft steigt stets nach oben. Durch ein ungedämmtes Dach geht deshalb viel Heizenergie verloren. Doch kein anderes Bauteil lässt sich so einfach dämmen wie das Dach. Wird das Dachgeschoss nicht genutzt, kann man den Dämmstoff einfach auf dem Boden verlegen. Hausbesitzer müssen dafür 20 bis 30 Euro pro Quadratmeter kalkulieren. Alternativ wird das Isoliermaterial zwischen den Dachsparren angebracht. Die Kosten liegen bei 60 bis 100 Euro.

"Die Dämmung des Dachs oder der obersten Geschossdecke lohnt sich in jedem Fall, da man mit geringen Investitionen relativ große Einsparungen erzielt", sagt Kodim. Entweicht sehr viel Energie über das Dach, sind die Hausbesitzer unter bestimmten Bedingungen sogar gesetzlich verpflichtet, hier eine Dämmung anzubringen.

Kellerdämmung

Kalte Füße im Erdgeschoss? Dann ist eine Dämmung der Kellerdecke sinnvoll. Das kann man auch ohne großes handwerkliches Geschick selbst erledigen, sofern dort keine Rohre oder Leitungen verlaufen: Das Isoliermaterial wird einfach an die Kellerdecke geklebt. Damit keine Wärmebrücken entstehen, sollten auch die obersten dreißig Zentimeter der Wände mitgedämmt werden. "Wie auch die Dämmung der obersten Geschossdecke kostet die Kellerdeckendämmung wenig, bringt aber viel", erklärt Energieberater Leppig. Für das Material, meist Polystyrol-Platten, müssen Eigentümer 15 bis 30 Euro pro Quadratmeter rechnen. Mindestens acht bis zehn Zentimeter sollte die Dicke der Dämmschicht betragen.

Fenstertausch

Viele Bewohner werfen das Geld zum Fenster hinaus - fast im wahrsten Sinne des Wortes: Alte Fenster treiben die Heizkosten um bis zu zwanzig Prozent in die Höhe. Einfach verglaste Fenster sollten auf jeden Fall ausgetauscht werden, meint Kodim. Auch bei in den Achtzigerjahren häufig verbauten zweifach verglasten Fenstern ohne Isoliergas im Zwischenraum lohnt ein Austausch in der Regel. Moderne, dreifach verglaste Fenster mit isolierender Gasfüllung sind nur geringfügig teurer als solche mit zwei Scheiben, lassen aber deutlich weniger Energie entweichen. Allerdings seien sie nur dann sinnvoll, wenn auch die Fassade sehr gute Dämmeigenschaften habe, sagt die Expertin. "Ist das nicht der Fall, kann sich Feuchtigkeit an den Wänden niederschlagen, weil diese dann kälter sind als die Fenster. Das fördert die Schimmelpilzbildung", erklärt Kodim. Hier seien zweifach verglaste Fenster mit Isoliergas die bessere Wahl.

Heizungstausch

In vier von zehn privat gehaltenen Immobilien heizen die Bewohner laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) noch mit Anlagen, die vor 1995 installiert wurden. Meist handelt es sich dabei um Niedertemperatur- oder Standard-Heizkessel. Sie benötigen zehn bis dreißig Prozent mehr Erdgas oder Heizöl als moderne Brennwertkessel. Expertin Kodim empfiehlt daher, solch alte Anlagen durch neue Technik zu ersetzen. "Dabei ist aber wichtig, dass die Hydraulik der Heizungsanlage genau auf den neuen Kessel eingestellt wird", betont sie. Für eine Brennwertheizung müssen Hausbesitzer inklusive Einbau etwa 5000 bis 8000 Euro bezahlen.

Wer diese Investition scheut, sollte auf jeden Fall seine Heizungspumpe ins Visier nehmen. Ältere Modelle arbeiten mit gleichbleibender Leistung, egal, wie viel Wärme im Haus gerade benötigt wird. Moderne Pumpen passen ihre Leistung dagegen immer genau an den Wärmebedarf an. Solche Anlagen sind schon für wenige Hundert Euro zu haben. Nach Angaben der Stiftung Warentest amortisieren sie sich meist innerhalb von nur zwei oder drei Jahren.