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Energie:Auf der Jagd nach billigem Öl

Sorgen um die Konjunktur haben die Heizölpreise gedrückt, nach langem Zögern füllen die Verbraucher jetzt wieder ihre Tanks auf. Doch der Brennstoff könnte bald schon wieder teurer werden. Worauf Verbraucher jetzt achten müssen.

Im niederbayerischen Moosthenning hat die Finanzkrise einen echten Boom ausgelöst: "So viele Preisanfragen wie derzeit hatten wir noch nie", sagt Josef Weichslberger. "Die Leute bestellen massiv Heizöl." Weichslberger ist Chef von "Fastenergy.de". Bei dem unweit von Landshut ansässigen Internet-Branchendienst kann man bundesweit Heizölpreise abfragen - und bei Bedarf auch Öl einkaufen.

Lieferung von Heizöl

Heizöl-Lieferung: Die Nachfrage nach Heizöl ist  bislang um gut 20 Prozent niedriger als im Vorjahr.

(Foto: picture-alliance/ ZB)

Seit einigen Tagen wird die Seite bestens besucht. Grund dafür sind die Turbulenzen an den Finanzmärkten. Die damit einhergehende Angst vor einem konjunkturellen Einbruch hat nicht nur die Börsenkurse, sondern auch den Preis für Rohöl nach unten gedrückt. Die Heizölpreise sanken deshalb ebenfalls deutlich. Zeitweise lagen sie im bundesweiten Schnitt bei 76 Euro je 100 Liter bei einer Abnahmemenge von 3000 Litern - das ist nahe am Jahrestief. Im Frühjahr kostete Heizöl noch fast 90 Euro.

"Der Preisrutsch hat viele Kunden bewogen, jetzt doch ihre Tanks zu füllen", berichtet Hans-Jürgen Funke vom Verband für Energiehandel (VEH). Das ganze Jahr über hatten die Verbraucher beim Heizölkauf gezögert. Denn der Preis lag 2011 fast durchweg auf hohem Niveau. Die Nachfrage nach Heizöl ist daher bislang um gut 20 Prozent niedriger als im Vorjahr. "Entsprechend hoch ist der Nachholbedarf", meint Funke.

Dies ist auch der Grund, warum die Experten dazu raten, das jetzige Preistief zum Einkauf zu nutzen. "Viel günstiger als im Moment wird es in diesem Jahr möglicherweise nicht mehr", glaubt Josef Weichslberger. Denn je näher die Heizperiode rückt, desto dringlicher müssen auch die, die bisher gezögert haben, ihre Tanks füllen. Das treibt den Preis unter Umständen wieder hoch. "Für Kunden, die auf Nummer sicher gehen wollen, ist daher jetzt ein guter Zeitpunkt zum Kauf", so Weichslberger. Auch Verbandsvertreter Funke hält es für "keine schlechte Idee, das Preistal auszunutzen".

Ende der vergangenen Woche allerdings sind die Notierungen bereits wieder nach oben gegangen und lagen zuletzt wieder über 80 Euro. Verglichen mit 2010 ist das fast ein Viertel mehr. Teurer als in diesem Jahr war der Brennstoff bislang nur 2008 - vor der Pleite der Investmentbank Lehman und der anschließenden Krise. Da kletterten die Heizölpreise fast bis auf 100 Euro. Zum Vergleich: 2003 konnten Verbraucher ihre Tanks noch für 35 Euro je 100 Liter füllen.

Der anhaltende Preisanstieg hat seine Spuren auf dem Markt hinterlassen. Rund 20 Millionen Tonnen Heizöl verkaufen die deutschen Händler derzeit jährlich. Das ist nur noch rund die Hälfte der Menge, die im Jahr 2000 verfeuert wurde. Die Zahl der Heizölhändler sei in diesem Zeitraum von rund 10.000 auf knapp 4000 geschrumpft, berichtet Hans-Jürgen Funke.

Dieser Trend wird sich künftig fortsetzen - nicht zuletzt, weil mittlerweile jede neu eingebaute Heizungsanlage deutlich weniger Öl verbraucht als das Vorgängermodell. Auch das sei ein wichtiger Grund für den sinkenden Heizölabsatz, meint Experte Funke. Für die Verbraucher heißt das: Der Austausch der alten Anlage ist letztlich der beste Weg, die Heizölrechnung niedrig zu halten. Funke: "Damit lassen sich bis zu 30 Prozent der Heizkosten sparen."

Darauf sollten Verbraucher beim Heizölkauf achten:

Bestellmenge: Wer es sich leisten kann, sollte möglichst den kompletten Jahresbedarf an Heizöl auf einmal ordern. Kleine Mengen sind deutlich teurer. Bei einer Bestellung von 1000 statt 3000 Litern zahlt man zwischen drei und fünf Euro mehr je 100 Liter.

Sammelbestellung: Sparen lässt sich auch, wenn mehrere Haushalte gemeinsam Öl bestellen. Davon profitieren allerdings vor allem diejenigen, die kleine Mengen einkaufen. "Wer 3000 Liter und mehr braucht, spart dagegen oft kaum etwas", meint Fachmann Josef Weichslberger. Manchmal zahle man sogar drauf, weil man die Kleinbesteller subventioniere. Verbraucher sollten daher vorher beim Händler den Preis erfragen.

Kaufzeitpunkt: Auch wenn Heizöl derzeit vergleichsweise günstig ist - die besten Monate zum Kauf waren in den letzten Jahren stets mit Abstand der Dezember, der Januar und der Februar. "Wer noch genug im Tank hat, kann daher auch darauf spekulieren, dass der Preis nochmal sinkt", so Weichslberger - und erst zum Jahreswechsel kaufen.

Heizölqualität: Fast die Hälfte aller Kunden tankt mittlerweile schwefelarmes Super-Heizöl. Dieses kostet zwar ein bis zwei Cent mehr je 100 Liter, hat aber bessere Verbrennungseigenschaften. Der Verbrauch kann damit um bis zu fünf Prozent sinken. Der Effizienzgewinn hängt allerdings stark von der Heizungsanlage ab.