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Debatte um Wohnungsbau:Zentren dürfen nicht zu Reichen-Ghettos verkommen

In fünf Jahren werden in Deutschland mehr als 800.000 Wohnungen fehlen. Selbst Normalverdiener können sich in den Ballungszentren kaum mehr die Mieten leisten. Bundesbauminister Ramsauer fordert daher: "Wohnen darf nicht zum Luxus werden." Aber ist es das nicht längst?

Es ist Wochenende, und sie stehen wieder Schlange. Eine Dreizimmerwohnung ist frei, erster Stock, zentrale Lage. Zum Besichtigungstermin sind so viele Interessenten gekommen, dass sie erst mal draußen warten müssen. Blockabfertigung an der Haustür. Egal ob in Hamburg, Frankfurt oder München - wer in einer Großstadt auf Wohnungssuche ist, muss sich hinten anstellen. Wer sucht, der findet: so schnell nichts.

Die Stadtteil-Veredelung spaltet die städtische Bürgerschaft. Viele Mieter können sich die luxuriös sanierten Wohnungen nicht mehr leisten.

(Foto: Robert Haas)

In den Ballungszentren droht eine Wohnungsnot. Die Mieten sind in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Nun verschärft die Euro-Krise diese Entwicklung. Aus Angst um ihr Geld kaufen viele Deutsche Immobilien. Die teils absurd hohen Preise treiben die Mieten stark nach oben. So stark, dass es selbst für Normalverdiener schwierig wird, bezahlbaren Wohnraum zu finden.

Für Einkommensschwache ist es fast unmöglich. Die Anzahl der Sozialwohnungen sinkt drastisch. Auch der Mieterbund warnt: In fünf Jahren werden in Deutschland mehr als 800.000 Wohnungen fehlen. Immerhin ist das auch Bundesbauminister Ramsauer aufgefallen. Zur Abwechslung forderte der CSU-Politiker mal nicht die Pkw-Maut, sondern mehr sozialen Wohnungsbau: "Wohnen darf nicht zum Luxus werden." Aber ist es das nicht längst?

In einst armen Städten wie Berlin wird ein Kiez nach dem anderen saniert, verlorengeglaubte Bezirke strahlen in neuem Glanz. Diese Stadtteil-Veredelung, Soziologen sagen dazu Gentrifizierung, spaltet die städtische Bürgerschaft. Viele Mieter können sich die luxuriös sanierten Wohnungen nicht mehr leisten. In den Innenstädten entstehen Lofts und Townhouses für eine urbane Klientel, die viel Geld fürs Wohnen ausgeben kann.

Die "Renaissance der Stadt", wie Immobilienmakler so schön sagen, dient vor allem den Wohlhabenden. Sozial Schwache bleiben ausgeschlossen - sie werden an den Stadtrand oder aufs Land gedrängt.

Diese Entwicklung ist fatal, denn die Zukunft gehört der Stadt. Bevölkerungsprognosen zeigen eindeutig: Uns steht ein Abschied vom Leben auf dem Land bevor. Für die Bürger wird es immer teurer, von der Peripherie in die Stadt zu pendeln.

Wer jeden Tag 50 Kilometer mit dem Auto ins Büro fahren muss, spürt die hohen Spritpreise. Politiker, die deshalb die Pendlerpauschale erhöhen wollen, beweisen, dass sie nichts begriffen haben. Denn wenn die Treibstoffe immer teurer und die Straßen immer voller werden, ist der Weg zur Arbeit eine Verschwendung von Zeit und Geld. Was fehlt, sind neue Mobilitätskonzepte; U-, S- und Trambahnstrecken müssen weiter ausgebaut werden.

Viele Bürger denken fortschrittlicher als die Politik. Sie wollen sich nicht mehr auf veraltete Subventionen verlassen. Sie wollen dort leben, wo Familie, Beruf und Freizeit am leichtesten vereinbar sind. Sie wollen kurze Wege, sie wollen in die Stadt. All das geht jedoch nur, wenn es dort bezahlbaren Wohnraum gibt.

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