Rente: CSU Seehofers Tabubruch

CSU-Chef Horst Seehofer hat die Rente mit 67 in Frage gestellt - und damit ein Tabu gebrochen. Doch seine Kritiker vergessen: In einem Punkt hat er recht.

Ein Kommentar von Thomas Öchsner

CSU-Chef Seehofer hat einen Tabubruch begangen. Er hat die Rente mit 67 in Frage gestellt. Prompt fallen jetzt alle über ihn her, die schon immer dafür waren - zumal er sich mit der SPD gemein macht. Seehofers Kritiker verdrängen, dass er in einem Punkt recht hat: Die Rente mit 67 ist für einen Großteil der Arbeitnehmer derzeit kaum erreichbar. Sie wäre für sie de facto eine Rentenkürzung, weil sie nicht so lange arbeiten können.

CSU-Chef Horst Seehofer hat die Rente mit 67 in Frage gestellt - und damit ein Tabu gebrochen.

(Foto: dpa)

Die Befürworter knien vor der Rente mit 67 wie vor einem Heiligtum. Wer daran Kritik übt, gilt als nicht reformfähig und politischer Dummkopf, weil er nicht verstanden hat, dass in Zukunft weniger Junge für immer mehr Alte sorgen müssen. Richtig daran ist, dass der demographische Wandel längst begonnen hat und ein Ausgleich zwischen Jung und Alt erforderlich ist, um die Rentenversicherung zu erhalten. Dazu trägt eine längere Lebensarbeitszeit bei.

Die Rente mit 67 sollte daher bleiben, wenn auch ihre Bedeutung für die Rentenkasse weit überschätzt wird. Ohne sie wäre der Beitrag für die Rentenversicherung nur einen halben Prozentpunkt höher.

Damit ist es aber nicht getan. Nötig ist eine ehrliche Bestandsaufnahme, welche Chancen ältere Menschen auf dem Arbeitsmarkt haben. Und hier sieht es teilweise noch düster aus: Obwohl viele Unternehmen verstärkt Ältere einsetzen, hat nur ein Viertel der 60- bis unter 65-Jährigen einen sozialversicherungspflichtigen Job.

Die Unternehmen sollten deshalb noch mehr für die Weiterbildung und Förderung der Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun. Zugleich brauchen Menschen, die körperlich schwer arbeiten, neue Wege für einen gleitenden Übergang in den Ruhestand. Erst dann ist die Rente mit 67 sozial vertretbar.