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Banker erklagt 1,5 Millionen Euro:Moralisches Desaster

1,5 Millionen Euro muss die Commerzbank dem Ex-Banker Jens-Peter Neumann zahlen. Juristisch geht das Urteil in Ordnung - moralisch jedoch nicht.

Harald Freiberger

Wenn es noch einen Beweis brauchte, wie verlottert die Sitten in manchen Banken sind, dann wurde er am Donnerstag erbracht.

Commerzbank, Foto: ddp

Ein ehemaliger Banker der Dresdner Kleinwort hat von dem neuen Eigentümer der Investmentbank, der Commerzbank, 1,5 Millionen Euro erklagt.

(Foto: Foto: ddp)

Es war der Tag, an dem ein früherer Investmentbanker von Dresdner Kleinwort vor Gericht siegte. Die neue Eigentümerin Commerzbank muss ihm seine Abfindung von 1,5 Millionen Euro auszahlen, sie darf diese nicht mit einem Bonus von drei Millionen Euro verrechnen, den er vorher erhalten hat.

Man muss nicht den Richter für das Urteil kritisieren. Er hat sich an das Gesetz gehalten, und das sieht nun mal vor, dass Verträge auch einzuhalten sind. In den Verträgen gab es keinen Passus, der die Auszahlung des Bonus an die Leistung koppelt. Und so darf der Investmentbanker das Geld behalten, obwohl sein Bereich 2008 fast sechs Milliarden Euro Verlust machte.

Juristisch scheint alles in Ordnung, moralisch ist es ein Desaster. Der Banker hätte ein Zeichen setzen können, dass er bereit ist, Verantwortung zu übernehmen für die Verluste, an denen er maßgeblich beteiligt war. Es geht auch um gesellschaftliche Verantwortung, die Commerzbank gehört inzwischen ja zu einem Viertel dem Staat.

Das Beharren auf dem eigenen Bonus ist ein Schlag ins Gesicht aller Bankangestellten, die mit ihrem Tarifgehalt brav hinter dem Schalter stehen, kein Millionengehalt haben und keine Millionenboni bekommen. Ob sie auch vor Gericht gegangen wären? Das machen möglicherweise nur Investmentbanker, denen Geld über alles geht. Deshalb bringt der Banker mit seinem Verhalten die gesamte Branche abermals in Verruf - eine Branche im Übrigen, die inzwischen schon wieder munter neue Millionenboni auszahlt.

© SZ vom 16.10.2009

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