Banken-Kritiker Strate "Vieles ist auf Verschleierung angelegt"

Anwalt Gerhard Strate über zockende Banken, den Fall Monika Weimar und warum er einen Bankräuber als Gärtner beschäftigt hat.

Interview: K. Läsker u. K. Ott

Früher war Gerhard Strate, 60, im Kommunistischen Studentenverband, bis heute kämpft er gegen das Kapital: Zuletzt hat der Anwalt die BayernLB und die HSH Nordbank angezeigt. Deren Vorstände hätten mit windigen Kreditgeschäften Bankvermögen veruntreut, meint er: "Die Dimensionen, in denen Großbanken Geld verzockt haben, sprengen das Maß des Vorstellbaren." Wenn Strate nicht gerade Bankvorstände jagt, verteidigt er gerne auch Bankräuber. Oder er rollt Prozesse auf, um Mörder oder Straftäter aus dem Knast zu holen. Am liebsten verteidigt er Menschen, die als unsympathisch gelten.

SZ: Herr Strate, sind Sie ein Bankenhasser? Was sagt Ihre Hausbank dazu, dass Sie ständig Institute wie die HSH Nordbank oder die BayernLB anzeigen?

Strate: Meine Hausbank ist die Hamburger Sparkasse und die verfolgt mein Vorgehen mit heimlicher Sympathie: Die Sparkasse hat zwar auch manchen Anleger falsch beraten, aber sie hat sich nicht an großen Handelsgeschäften mit fragwürdigen Kreditpaketen aus Übersee beteiligt.

SZ: Als Strafverteidiger haben Sie jahrelang angebliche Mörder, Sexualtäter und Drogenhändler aus dem Gefängnis geholt. Wollen Sie jetzt umgekehrt Manager hinter Gitter bringen?

Strate: Auch Kollegen werfen mir schon vor, dass ich die Seiten gewechselt hätte. Aber ich sehe mich auf der richtigen Seite. Mir geht es um die gleiche Handhabung der Maßstäbe. In Deutschland müssen Menschen wegen Lappalien ins Gefängnis. Bei einer Bank wie der HSH Nordbank werden mit windigen Geschäften Milliarden verspekuliert und nichts geschieht. Jedenfalls noch nicht.

SZ: Man hängt die Kleinen und die Großen lässt man laufen?

Strate: Man kann es so sagen. Ich habe Angst, dass das Rechtsempfinden in unserer Gesellschaft aus den Fugen gerät. Jeder kleine Handwerksbetrieb muss Arbeitsschutzgesetze einhalten. Tut er das nicht, und es kommt zu einem Unfall, dann ist der Inhaber dran.

SZ: Sie werfen Vorständen wie HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher die Veruntreuung von Bankvermögen vor. Ein großes Wort. Dazu gehört Vorsatz. Aber Sie behaupten doch nicht ernsthaft, dass die Bankchefs vorgehabt hätten, ihre Institute um Milliarden zu schädigen?

Strate: Diesen Vorsatz haben sie bestimmt nicht gehabt, aber im Strafrecht reicht der bedingte Vorsatz. Wer Papiere kauft, mit denen Risiken von einer Bank zur nächsten weitergereicht wurden, der muss ein geordnetes Risikomanagement haben - und das fehlte den Banken.

SZ: Viele Banken haben mit Kreditpaketen unterschiedlichen Risikos gehandelt, die Rating-Agenturen haben Bestnoten vergeben.

Strate: Die Richtlinien der Bankenaufsicht besagten schon damals, dass sich eine Bank auf den Handel mit solchen Kreditpaketen nur einlassen darf, wenn ihr Risikomanagement funktioniert. Das bedeutete eine genaue Marktbeobachtung der den betreffenden Finanzanlagen zugrunde liegenden ausländischen Kreditmärkte. Die gab es jedoch nicht.

SZ: Ihre Anzeige gegen die Deutsche Bank war wirkungslos. Bei der Bayern LB sind Ihre Erfolgsaussichten gering. Werden Sie mit Ihrer Flut von Anzeigen am Ende als gescheiterter Racheengel dastehen?

Strate: (lacht) Es ist keine Flut von Anzeigen, es sind vier Anzeigen gegen vier Großbanken wie HSH Nordbank und BayernLB. Bei der HSH rechne ich fest mit einer Anklage. Die Manipulation der Bilanz 2007 ist eindeutig.

SZ: Sie hätten eigentlich gleich Staatsanwalt werden können.

Strate: Allenfalls Leiter einer Mordkommission, aber Staatsanwalt... nein. Mich haben Kapitalverbrechen immer schon interessiert - als unabhängiger Rechtsanwalt.