Süddeutsche Zeitung

Axel Weber: Von Bundesbank zur UBS:Ein teurer Gastarbeiter am Zürichsee

Lange wurde über einen Wechsel von Axel Weber zur Deutschen Bank spekuliert - und jetzt das: Der frühere Bundesbank-Chef heuert bei der Schweizer Großbank UBS an. Josef Ackermann dürfte das gar nicht gefallen.

Er kommt nicht. Der frühere Bundesbank-Präsident Axel Weber geht in die Schweiz - und nicht zur Deutschen Bank, wie so oft gemutmaßt wurde. Es ist eine Nachricht, die einiges Raunen in der Finanzwelt verursacht. Immerhin fasziniert keine Personalie die Frankfurter Bankerszene derzeit mehr als die Neubesetzung des Chefpostens bei der Deutschen Bank - Josef Ackermanns Vertrag läuft bald aus.

Das wichtigste Finanzinstitut des Landes hat nicht nur einen lukrativen Posten zu besetzen, sondern auch einen, der große Beachtung in der Öffentlichkeit findet. Gerade deswegen schien manches auf Axel Weber als Ackermann-Nachfolger hinzudeuten - als Bundesbank-Chef genoss er hohes Ansehen.

Doch jetzt wird Weber der erste ausländische Präsident bei der wichtigsten Bank der Schweiz: der UBS. Das ist für die Schweizer genauso ungewohnt wie einst die Besetzung des Chefpostens bei der Deutschen Bank mit dem Schweizer Ackermann.

Weber, derzeit Gastprofessor in Chicago, soll 2013 die Nachfolge des amtierenden Verwaltungsratspräsidenten Kaspar Villiger antreten. Villiger, der zeitweise Bundespräsident der Schweiz war und über viele Jahr das Finanzdepartement in Bern leitete, hatte mitten in der Finanzkrise die Führung der dahinschlingernden UBS übernommen. Die Bank hatte sich wie kaum ein anderes Institut an US-Hypotheken verhoben und musste mit Hilfe der Regierung in Bern sowie ausländischer Staatsfonds gerettet werden.

Gehalt: Zwei Millionen Franken

Weber hat als künftiger Präsident des UBS-Verwaltungsrats eine ähnliche Funktion wie in Deutschland ein Aufsichtsratschef - verfügt aber über erweiterte Befugnisse, grade was die Mitbestimmung bei der Ausrichtung des Geschäfts angeht. In der Schweiz könnte ein Verwaltungsratspräsident das Unternehmen auch operativ führen.

Zuständig für das laufende Geschäft der Bank bleibt in diesem Fall aber Oswald Grübel, der allerdings nur zwei Jahr jünger ist als Villiger und altersbedingt ebenfalls bald ausscheiden dürfte.

Nun bleibt viel Raum für Spekulationen: Warum kommen Ackermann und Weber nicht zusammen? Wurde Weber signalisiert, dass es unüberwindbare Hindernisse auf dem Weg in den Vorstand gibt? Und: Wird Weber womöglich einmal auch die operative Führung bei UBS übernehmen und Grübel ersetzen?

Das Gehalt wird für Weber nicht ausschlaggebend gewesen sein: In der Schweiz verdient er nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg als UBS-Präsident jährlich zwei Millionen Schweizer Franken und bekommt 200.000 Aktien der Bank. Da dürfte die Deutsche Bank locker mithalten können.

Weber und die Diplomatie

Aber Weber kann mit seinem Schritt in die Schweiz jene Kritiker besänftigen, die es ihm vorsorglich verübelten, dass er zu viel über die deutschen Institute wisse und dies als Deutsche-Bank-Vorstand zu Ungunsten der Konkurrenz ausnützen könnte. Zwar stehen auch die Schweizer und deutschen Institute global im Wettbewerb, doch da dürfte das mögliche Insiderwissen Webers weniger ins Gewicht fallen.

Die Bundesbank kennt zwar keine festen Wartezeiten für ihre ausgeschiedenen Vorstände, allerdings schreibt der Verhaltenskodex für Mitglieder des EZB-Rates vor, dass die Mitglieder "während des ersten Jahres nach Beendigung ihrer Pflichten weiterhin alle Interessenkonflikte, die aus neuen privaten oder beruflichen Tätigkeiten erwachsen können", meiden sollen. Diese Ein-Jahres-Frist läuft für Weber Ende April 2012 ab, wenige Tage vor der geplanten Wahl Webers in den UBS-Verwaltungsrat. Nach der Wahl soll Weber zunächst Vizepräsident des Verwaltungsrats und dann 2013 Präsident werden.

Die Zürcher dürften vor allem das umfassende Know-how Webers zur Regulierung der Banken und der Finanzindustrie zu schätzen wissen: Noch immer leidet das Land unter dem UBS-Trauma. Die Bank, die vielen Schweizern als Hort der Sicherheit galt und seit der Fusion der Schweizerischen Bankgesellschaft mit dem Schweizerischen Bankverein zur UBS auch in allen Städten des Landes enorm präsent ist, drohte in der Finanzkrise, die Schweiz finanziell in den Abgrund zu stürzen. Das Institut ist zu groß für das Land.

Seither ist in der Schweiz das Draufgängertum der Investmentbanker verpönt, dem sich die UBS wie kaum ein anderes Finanzhaus verschrieben hatte. Nun sollen in Zürich wieder alte Bankertugenden wie Besonnenheit zählen.

Villiger verkörpert sie förmlich, von Weber, dem früheren Bundesbanker, wird sie erhofft. Allerdings wurde in der Schweiz auch der hässliche Abgang Webers von der Spitze der Bundesbank und der Streit mit Kanzlerin Angela Merkel registriert. Immerhin sollte er als Nachfolger von Jean-Claude Trichet die Europäische Zentralbank führen. Manche fragen sich darum, ob es Weber an diplomatischem Geschick mangele. Gerade das ist in der Schweiz gefragt.

In Frankfurt hingegen hat Ackermann nun einen möglichen Nachfolger weniger. Ihm wird ein gutes Verhältnis zu Weber nachgesagt, darum dürfte ihm die Lösung mit dem Ex-Bundesbanker als Vorstand gefallen haben.

Nun muss sich die Deutsche Bank entscheiden, ob sie womöglich den Investmentbanker Anshu Jain zum neuen Chef des Instituts macht - vielleicht auch im Rahmen einer Doppelspitze mit einem anderen Mitglied aus der Führungsspitze der Bank. Denn der englischsprachige Jain, sagen Branchenkenner, könnte in Frankfurt noch lange fremdeln. Für Weber war es das Zuhause.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.1114821
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
sueddeutsche.de/bbr/aum
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.