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Postbank-Übernahme:Deutsche Bank braucht richtig viel Geld

Postbank-Übernahme - und neue Regeln für das Eigenkapital: Die Deutsche Bank muss "mindestens 9,8 Milliarden Euro" einsammeln, um auch künftig gut bei Kasse zu sein.

Die Deutsche Bank übernimmt überraschend sofort die Mehrheit der Postbank. Sie werde den Aktionären ein Angebot machen, teilte sie am Sonntag mit. Gleichzeitig bestätigte das Geldinstitut die Gerüchte, dass es sich an der Börse frisches Geld holt. Die Kapitalerhöhung werde "mindestens 9,8 Milliarden Euro" betragen. Bisher war über einen Umfang von acht bis neun Milliarden Euro spekuliert worden. Noch nie hat sich die Deutsche Bank am Kapitalmarkt so viel Geld besorgt. Die Erhöhung entspricht der Hälfte ihres derzeitigen Grundkapitals.

Deutsche Bank mit Milliarden-Kapitalerhöhung

Die Deutsche Bank wird den Postbank-Aktionären in etwa einer Woche ein Angebot zum Kauf der Aktien machen.

(Foto: dpa)

Mit der Übernahme der Postbank will die Deutsche Bank ihr Privatkundengeschäft stärken und sich weniger abhängig vom stark schwankenden Investmentbanking machen.

24 bis 25 Euro pro Aktie

Den Postbank-Aktionären soll in etwa einer Woche ein Angebot gemacht werden, das sich aus dem Durchschnittskurs der letzten drei Monate zusammensetzt. Es dürfte bei 24 bis 25 Euro pro Aktie liegen. Am Freitagabend stand der Kurs bei 27 Euro. Die Deutsche Bank ist im September 2008 bei der Postbank mit rund 20 Prozent eingestiegen und hat ihre Anteile mittlerweile auf knapp 30 Prozent aufgestockt. Es gab eine Vereinbarung, dass sie im Februar 2012 die Mehrheit zu einem festen Preis von 45 Euro je Aktie übernimmt.

Durch die vorzeitige Übernahme wird es für die Deutsche Bank nun billiger. Sie muss aber auch früher das schwache Eigenkapital der Postbank stärken, um es auf eigenes Niveau zu bringen. Nach eigenen Angeben belastet die Postbank-Offerte das Ergebnis im dritten Quartal um 2,4 Milliarden Euro. Die Kapitalerhöhung diene "in erster Linie" der Finanzierung der Übernahme, begründete die Bank den Schritt. Sie solle aber auch "die Kapitalbasis mit Blick auf regulatorische Änderungen stärken". Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte zuvor mehrmals gesagt, das man das Kapital allenfalls für Übernahmen erhöhen wolle. Nun hat sich offensichtlich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es auch nötig ist, das Eigenkapital mit frischem Geld zu stärken. Die Bank gilt im internationalen Vergleich nicht als übermäßig gut kapitalisiert.

Bei der Kapitalerhöhung, die von der Deutschen Bank selbst organisiert wird, sollen bis zu 308,6 Millionen Aktien ausgegeben werden. Damit schöpft die Bank ihren von den Aktionären genehmigten Rahmen fast vollständig aus. Ein großes Bankenkonsortium hat die neuen Aktien zum vorläufigen Bezugspreis von 31,80 Euro je Stück, das ist ein Abschlag von einem Drittel auf den Schlusskurs vom Freitag.

Sie garantieren der Deutschen Bank damit den Erfolg der Emission. Die Deutsche-Bank-Aktionäre können für je zwei ihrer Aktien eine neue erwerben. Der endgültige Bezugspreis soll am 20. September festgelegt werden. Die Aktionäre könnten dann von 22. September bis 5. Oktober 2010 ihre Bezugsrechte ausüben. Vorher will die Deutsche Bank bis zu 3,1 Millionen Aktien zurückkaufen, um das Volumen zu reduzieren.

© SZ vom 13.09.2010/hgn

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